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| 17:32 Uhr

Kampf gegen Graffiti und Vandalismus
Die hässliche Fratze von Städten

 Der jüngste Graffiti-Fall in Lübbenau hat sich im Bahnhofstunnel ereignet. Lange Zeit ließen die Sprayer ihre Finger von den dortigen Kunstwerken, nun wurden auch diese verschandelt.
Der jüngste Graffiti-Fall in Lübbenau hat sich im Bahnhofstunnel ereignet. Lange Zeit ließen die Sprayer ihre Finger von den dortigen Kunstwerken, nun wurden auch diese verschandelt. FOTO: Stadt Lübbenau
Lübbenau/Vetschau. Lübbenau kämpft derzeit gegen Graffiti- und Vandalismusschäden. Auch Vetschau ist von wilden Sprayern betroffen. Was kann dagegen getan werden? Von Rüdiger Hofmann

Sie treten im Lübbenauer Stadtbild wieder häufiger auf: Beschädigungen durch Graffiti und Vandalismus an kommunalen Gebäuden und Objekten sowie an den Kunstwerken selbst. „Wir leiden als Stadt überwiegend unter dem Ansprühen primitiver Graffiti und den Schmierereien von Dilettanten“, sagt Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos). Zuletzt wurden der Bahnhofstunnel – der lange Zeit „verschont“ geblieben ist – aber auch Gebäude und Mauern mit illegalen Graffitis beschmiert. Auch treten regelmäßig Beschädigungen an Kleinteilen oder Exponaten auf, wie den Informationstafeln der Freiluftausstellung „Tagebau-Kraftwerk-Wohnen“, den Isolatoren am Energieweg oder den Skulpturen in der Poststraße. An den Straßenlaternen sind wild unerlaubte Aufkleber angebracht.

„Es handelt sich in allen Fällen um Sachbeschädigung, die in jeglicher Art strafrechtlich verfolgt wird“, teilt Stadtsprecherin Mandy Kunze mit. Wer ertappt werde, müsse mit polizeilichen Ermittlungen, gerichtlichen Verurteilungen und hohen zivilrechtlichen Schadensersatzforderungen rechnen. „Von den hohen materiellen Schäden und dem Aufwand zur Beseitigung beziehungsweise der Wiederherstellung des Originalzustandes abgesehen, bedeuten die Schäden aber auch, dass das Werk des eigentlichen Künstlers nicht Wert geschätzt wird“, so die Verwaltung.

Um den Schmierereien vorzubeugen, hat die Verwaltung nun die alte Turnhalle in der Beethovenstraße, Trafostationen oder Telefonverteilerkästen und die Garagenrückseiten an der Skaterbahn zur kreativen Gestaltung freigegeben. Außerdem unterstützt die Stadt Projekte, wie das erst kürzlich fertiggestellte Lübbenauer Fenster, eine 60 Quadratmeter große Mosaikwand auf der Grünfläche zwischen Kraftwerkstraße und Güterbahnhofstraße (die RUNDSCHAU berichtete). An einigen Stellen wurde auch begonnen, die Gebäude mit Videoüberwachungen auszurüsten, um präventiv vorzubeugen. Weiterhin werde eng mit der Polizei und privaten Sicherheitsdiensten zusammengearbeitet.

 Informationstafeln „Tagebau-Kraftwerk-Wohnen“ sind beschmiert.
Informationstafeln „Tagebau-Kraftwerk-Wohnen“ sind beschmiert. FOTO: Stadt Lübbenau

Vandalismus durch Langeweile und Zerstörungswut ist das nächste Problem. Mutwillige Beschädigungen wie das Aufschlitzen eines in den Boden eingebauten Trampolins mit Messern und das Zerschneiden von Seilen in Papierkörben kommen häufig vor. Dabei wird auch nicht vor Parkbänken, Parkscheinautomaten, Straßenlaternen oder Fensterscheiben Halt gemacht. „Die finanziellen Mittel, die für die Reparaturen oder für die Neuanschaffungen benötigt werden, könnten effektiver eingesetzt werden“, so Wenzel. Das Stadtoberhaupt appelliert an die Bürger: „Gehen Sie aufmerksam und mit offenen Augen durch unsere Stadt und informieren Sie bei Auffälligkeiten die Polizei oder die Verwaltung.“

Auch Bauamtsleiter Sven Blümel ist empört darüber, dass frisch renovierte Fassaden und pfleglich behandelte Gebäude oder Gegenstände „einfach nur mit Tags beschmiert“ werden, also dem aufgesprühten oder aufgemalten Signaturkürzel der Graffiti-Sprayer. Zudem vermisst er den Respekt vor Gedenkeinrichtungen wie dem russischen Ehrenmal, dessen Rückseite regelmäßig verunreinigt werde. „Hier soll einfach nur gezeigt werden: Ich war wieder unterwegs“, vermutet er. Jede Schmiererei werde bei der Polizei angezeigt.

 Betroffen sind im Stadtgebiet auch die Isolatoren am Energieweg.
Betroffen sind im Stadtgebiet auch die Isolatoren am Energieweg. FOTO: Stadt Lübbenau

Bei den Graffitis scheint es sich an einigen Stellen um den oder die gleichen Täter zu handeln, denn „ihr“ Tag taucht sehr häufig auf. Durch die Dokumentation können bei Ergreifen eines Täters so auch andere Fälle von Sachbeschädigungen zugeordnet werden, die dieser mit seinem „Tag“ versehen hat. Für sachdienliche Hinweise und Informationen, die zur Überführung der Verursacher beitragen, ist die Stadt bereit, bis zu 1 000 Euro Belohnung zu zahlen.

Auch die Stadt Vetschau hat nun in einem Graffiti-Fall eine Belohnung ausgesetzt – in Höhe von 500 Euro. Sie reagiert mit dieser „Fangprämie“ auf die zerstörte Arbeit des Berliner Airbrushers Jan Schumann an der Radler-Schutzhütte zwischen Vetschau und Stradow. Ein oder mehrere unbekannte Täter hatten Anfang Juli das Frontbild der Hütte, auf dem ein Schwan abgebildet war, übersprüht. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle oder die Vetschauer Stadtverwaltung entgegen.

 In Vetschau ist die einwöchige Arbeit des Airbrushers Jan Schumann für die Stradower Schutzhütte vernichtet und übersprüht worden.
In Vetschau ist die einwöchige Arbeit des Airbrushers Jan Schumann für die Stradower Schutzhütte vernichtet und übersprüht worden. FOTO: Peter Becker

Der jüngste Fall in Vetschau wurde am Dienstag angezeigt: Unbekannte hatten eine Wand in der Schlossstraße mit Buchstaben auf einer Größe von knapp 4,5 mal 1,8 Meter in silberner Farbe verunstaltet. Die Schadenshöhe beträgt laut Polizei mehrere hundert Euro. „Diese Fälle sind nicht hinnehmbar“, sagt Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos). Es sollte alles daran gesetzt werden, dem oder der Täter habhaft zu werden. „Wenn jemand unbedingt sprayen will, soll er sich an uns wenden, dann finden wir geeignete Flächen in der Stadt“, so Kanzler.