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| 02:32 Uhr

Die Gurke muss in die Verlängerung

Die Gurke hat Startprobleme, doch der Dill gedeiht laut Konrad Linkenheil auf hiesigen Feldern bei der Nässe reichlich.
Die Gurke hat Startprobleme, doch der Dill gedeiht laut Konrad Linkenheil auf hiesigen Feldern bei der Nässe reichlich. FOTO: Fotolia
Luckau/Lübben. Die zu Wochenbeginn beim Unfall auf der B 87 zwischen Langengrassau und Luckau verlorene Gurkenladung ist inzwischen sicher in der Lübbener Spreewaldkonserve eingetroffen. Dabei handelt es sich nicht um Spreewaldgurken, sondern um Schnitzelgurken aus Thüringen. Carmen Berg und Rüdiger Hofmann

Leser Dietmar Becker hatte am RUNDSCHAU-Reportertelefon wissen wollen, wieso Spreewaldgurken aus Thüringen nach Lübben in die Spreewaldkonserve gebracht, dort weiter verarbeitet und als Spreewaldgurken verkauft werden. "Der Laster hatte keine Spreewaldgurken geladen. Das waren thüringische Schnitzelgurken", stellt Hans-Peter Staudt von der Spreewaldkonserve in Lübben klar.

Kein Spreewald aus Thüringen

"Die rund 20 Tonnen sind am Montagabend zum größten Teil schadenfrei auf unserem Hof eingetroffen und können weiterverarbeitet werden", sagt der Werkleiter. Das Lübbener Unternehmen habe neben Spreewaldgurken der geschützten Marke weitere im Sortiment, die von überregionalen Erzeugern geliefert und anschließend von den Lübbenern vertrieben werden.

"Für jedes Gurkenprodukt mit einer geschützten geografischen Angabe wie der Spreewaldgurke gilt, dass 70 Prozent der Rohware aus heimischer Produktion stammen müssen", erklärt Andreas Traube vom Spreewaldverein in Lübben. Die restlichen 30 Prozent dürfen Fremdgurken aus anderen Gegenden sein, erläutert er.

"Wo Spreewald auf dem Glas steht, sind bei uns zu 100 Prozent Gurken aus dem Wirtschaftsraum Spreewald drin", sagt Konrad Linkenheil, Geschäftsführer des Spreewaldhofes in Golßen. Das Unternehmen vermarktet seine grünen Spezialitäten in Handelsketten bundesweit. Doch der diesjährige Erntestart bereitet den Verarbeitern Sorgen. "Die Situation ist katastrophal", sagt Konrad Linkenheil. 2000 Tonnen hat sein Unternehmen um diese Zeit normalerweise verarbeitet. "Jetzt sind wir gerade mal bei 500 Tonnen", so der Golßener Chef. Von neun Verarbeitungslinien laufen nur drei. Mehr als 100 Saisonkräfte stehen in den Startlöchern, müssen eine weitere Woche auf ihren Einsatz warten. Doch Linkenheil, seit mehr als 40 Jahren im Geschäft, gibt sich nicht geschlagen. "Wenn das Wetter im Juli noch aufholt, es einen warmen August und einen schönen Altweibersommer gibt, lassen sich Verluste aufholen", ist er überzeugt. Doch im September, so wie im Vorjahr, werde die Saison diesmal nicht abgeschlossen sein, sagt er. 2012 hatte die Gurkenernte nach einem heißen Frühjahr schon Anfang Juni begonnen.

Extreme Jahre gebe es immer mal wieder, weiß auch Anbauer Heinz Peter Frehn, der von 85 Hektar zwischen Steinreich und Rüdingsdorf Einlegergurken an den Spreewaldhof liefert. "Das ist wie bei einem Fußballspiel", sagt Frehn. "Durch den langen Winter und die vielen Niederschläge liegen wir in der ersten Halbzeit mit 0:1 im Rückstand." Mit zwei Wochen Verspätung war Frehns Betrieb in die Ernte gestartet. Wegen der Nässe seien gegenwärtig noch nicht alle Schläge wieder befahrbar. Wie hier haben im gesamten Spreewald die Anbauer zu kämpfen. "Bei den Schälgurkenflächen mussten aufgrund der Staunässe 80 bis 90 Prozent nachgesät werden", nennt Andreas Traube vom Spreewaldverein ein Beispiel.

Enorme Unwetterschäden

Bei Heinz Peter Frehn werden aktuell statt 120 Tonnen Gurken täglich nur 30 Tonnen vom Feld geholt. Zudem hat er mit den Folgen des Gewittersturmes zu kämpfen, der vor gut einer Woche über die Region hinweggefegt war. Er hatte Abdeckfließe zerstört, ein herabstürzender Baum hatte einen Gurkenflieger beschädigt, Pflanzen waren in die Luft gewirbelt worden. Den Gesamtschaden beziffert Heinz Peter Frehn auf rund 50 000 Euro. "Die nächsten Wochen sind entscheidend, wie sich die Ernte weiter entwickeln wird", sagt er und erinnert sich an eine Saison 1994, damals noch im Rheinland. "Nach einem Hagelschlag Ende Juni waren 50 Prozent unserer Pflanzen beschädigt. Doch mit intensiver Pflege und der Hilfe des Wettergottes wurde es fast noch eine normale Ernte", erzählt er und greift das Bild vom Fußballspiel wieder auf: "Wir werden in der ersten Halbzeit noch kein Spiel verloren geben."