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| 17:42 Uhr

Meine Heimat Oberspreewald-Lausitz
Mit Stil, Temperament und Kreativität

 Mit einem „tanzenden Glückwunsch“ und Blumen erwiesen die Damen der Vetschauer Gymnastikgruppe von Blau-Weiß Vetschau ihrem Vereinsvorsitzenden Hagen Banusch hohe Wertschätzung. Für das Gros der Mädels ist er zudem Hausarzt, der das sportliche Engagement der Gruppe um Choreografin Heidemarie Heim (Mitte) nur begrüßen kann.
Mit einem „tanzenden Glückwunsch“ und Blumen erwiesen die Damen der Vetschauer Gymnastikgruppe von Blau-Weiß Vetschau ihrem Vereinsvorsitzenden Hagen Banusch hohe Wertschätzung. Für das Gros der Mädels ist er zudem Hausarzt, der das sportliche Engagement der Gruppe um Choreografin Heidemarie Heim (Mitte) nur begrüßen kann. FOTO: Uwe Hegewald
Vetschau. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Heidemarie Heim aus Vetschau. Von Uwe Hegewald

Teilen zählt zu den großen Stärken von Heidemarie Heim. Die Vetschauerin teilt ihre Hingabe für Stil und Etikette, ihre Leidenschaft für Gymnastik und so manche Lebenserfahrung. Und sie teilt Neuigkeiten, wie vor drei Jahren, als sie erstmals im 2015 erschiene­nen „Brandenbuch“ blätterte. „Das müsst ihr gelesen haben“, warb sie seinerzeit für die Publikation der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung. Zum „Lesebuch für Brandenburg“ haben 45 Journalisten, Wissenschaftler und Schriftsteller Beiträge beigesteuert, die ein kompaktes Stück Heimat vermitteln. Unter ihnen Autor Rolf Schneider, der sich einem Schriftsteller widmet, der in diesem Jahr sprichwörtlich in aller Munde ist: Theodor Fontane (1819-1898). „Am 14. Februar steht er bei uns im Kultur-Café im Blickpunkt“, kündigt Heidemarie Heim an.

Sie ist der Motor der informativen wie unterhaltsamen Treffen, zu denen einmal monatlich ins Vetschauer Bürgerhaus geladen wird. „Unsere Stadt, unsere Heimat und was sich dort verändert hat“ lautete bereits ein Motto des Kultur-Cafés, das insbesondere Senioren lockt. In der Regel aufgeweckte Rentner, die sich noch nicht zum alten Eisen zählen, sich einbringen und mitgestalten wollen. So wie Heidemarie Heim, die es gar nicht gerne mag, in den Mittelpunkt geschoben zu werden. „Ich mache das alles aus freien Stücken. Dort, wo man lebt, will man sich doch auch wohl fühlen und kulturelle Angebote genießen dürfen“, begründet sie ihr Engagement für die Heimatstadt.

Als großes Vorbild sieht sie die Stadt Erfurt in Thüringen, dem Bundesland, in dem sie und ihr Ehemann Hans-Georg ihre Wurzeln haben. „Erfurt hat kulturhistorisch schon sehr viel aufgearbeitet und versteht es, sich erfolgreich zu vermarkten“, sagt sie. Zwar habe Vetschau keinen Goethe, von dem 53 Erfurt-Aufenthalte nachgewiesen sind, dafür aber andere tüchtige Töchter und Söhne der Spreewaldstadt. Selma und Ferdinand Griebenow, Richard Hellmann, Peter Ettelt (allesamt Ehrenbürger) zählen zu den Persönlichkeiten sowie im entfernteren Sinne auch Schriftsteller Ehm Welk (1884-1966). Episoden seines Romans „Die Lebensuhr des Gottlieb Grambauer“ stehen mit Vetschau in Verbindung. Klar, dass das Kultur-Café dieses Werk aufgriff und im vergangenen Herbst einen Info-Nachmittag gestaltete.

In den Augen von Heidemarie Heim würde es der Stadt Vetschau gut zu Gesicht stehen, Welks Lebensuhr in irgendeiner Form erlebbar zu machen. „Möglicherweise will ich manchmal zu viel. Bestimmt gibt es Leute, denen ich auf die Nerven gehe“, räumt sie ein. Am einfachsten geht es, wenn sie Dinge in die eigenen Hände nimmt. Beim Ausarbeiten von Vorträgen für die Kultur-Café-Nachmittage ist das so, aber auch bei der Seniorinnen-Gymnastikgruppe von Blau-Weiß Vetschau. 2004 hatte sie das sportliche Erbe von Inge Lindberg angetreten, die die Vetschauer Frauen-Gymnastik schon zu DDR-Zeiten aus der Taufe hob. Bis zu 24 junggebliebene Mädels treffen sich immer montags in der Jahnsporthalle, um für eine Stunde den Bewegungshunger zu stillen. „Wir haben Freude daran, machen das, um fit zu bleiben und zur Kontaktpflege“, umschreibt Heidemarie Heim die Philosophie, die hinter den Treffen steckt. Im Sommer legen die Seniorinnen eine Pause von der Gymnastik ein, was nicht heißt, dass die Hände in den Schoß gelegt werden. Sie greifen zu Fahrradlenkern, um bei gemeinsamen Touren die Heimat zu erkunden. Selbst Ausflüge in den Spreewald inklusive Kahnfahrt sind in der Gymnastikgruppen-Chronik enthalten.

Der jüngste Eintrag ist erst wenige Tage alt, als die Sportlerinnen ihrem Vereinsvorsitzenden Hagen Banusch eine Überraschung bereiteten. Anlässlich seines 50. Geburtstages hatten sie einen tanzenden Glückwunsch einstudiert und vorgetragen. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass unser Vereinschef und unser Hausarzt ein und dieselbe Person sind“, erklärt Choreografin und Vorturnerin Heidemarie Heim. Die nachgezogene und spontane Geburtstagsfeier nutzten die Damen, um an „ihren“ Chef einen Herzenswunsch heranzutragen: Eine Musikbox zum Abspielen von CDs in den Gymnastikstunden, die dauerhaft in der Sporthalle verbleiben soll. „So könnte die Anlage auch von anderen Sportgruppen genutzt werden“, empfiehlt Heidemarie Heim, die alle ihre Anstrengungen ehrenamtlich ausübt. Dabei auch mal den Finger in die Wunde legt – oder, um es mit Fontanes Worten zu sagen: „am Mute der Erfolg hängt“. Nachzulesen ist das Zitat auf Seite 54, Kapitel „Freiwilligenarbeit und Ehrenamt“ im von ihr empfohlenen „Brandenbuch“.

 Mit einem „tanzenden Glückwunsch“ und Blumen erwiesen die Damen der Vetschauer Gymnastikgruppe von Blau-Weiß Vetschau ihrem Vereinsvorsitzenden Hagen Banusch hohe Wertschätzung. Für das Gros der Mädels ist er zudem Hausarzt, der das sportliche Engagement der Gruppe um Choreografin Heidemarie Heim (Mitte) nur begrüßen kann.
Mit einem „tanzenden Glückwunsch“ und Blumen erwiesen die Damen der Vetschauer Gymnastikgruppe von Blau-Weiß Vetschau ihrem Vereinsvorsitzenden Hagen Banusch hohe Wertschätzung. Für das Gros der Mädels ist er zudem Hausarzt, der das sportliche Engagement der Gruppe um Choreografin Heidemarie Heim (Mitte) nur begrüßen kann. FOTO: Uwe Hegewald