Von Rüdiger Hofmann

„Am Schluss saß ich am Band und habe Brillen bearbeitet.“ Saskia Schwemer denkt an eine Zeit zurück, als sie in Berlin bei Mister Spex, dem nach Unternehmensangabe größten Online-Optiker Deutschlands und Europas, gearbeitet hat. Ein Job, bei dem sie nicht glücklich wird. „Das Herzblut hat gefehlt“, sagt Saskia Schwemer. Später wird sie einen Job finden, in dem sie mit Herzblut bei der Sache ist. Doch der Reihe nach.

Die heute 32-Jährige mit dem Geburtsnamen Franz wächst im Calauer Ortsteil Reuden auf, besucht in Calau die Schule, die sie 2003 verlässt. Mit 16 Jahren geht es fort aus der Region, und es beginnt eine berufliche Tour quer durch Deutschland. Schwemer beginnt in Leipzig eine Ausbildung zur Ergotherapeutin.

„Anschließend bin ich für etwa zwei Jahre nach Bad Frankenhausen nach Thüringen“, sagt die junge Frau. Dort kommt sie erstmals mit dem Beruf in Berührung, der sie bis heute begleitet: Masseurin. Doch sie schließt die Ausbildung (noch) nicht ab, zieht – auch aus familiären Gründen – weiter in die Nähe von Koblenz, wo sie 2009 die Ausbildung beenden kann.

Auch in Koblenz hält es sie nicht lange. Nur ein Jahr später verschlägt es die Frau nach Berlin, wo sie zunächst als Masseurin arbeitet, später dann zum besagten Online-Optiker wechselt und Brillen herstellt. Saskia Schwemer lernt einen neuen Mann kennen, sie bekommt ein Kind. Die Drei versuchen, in Berlin sesshaft zu werden, was nicht wirklich funktioniert. „Mein Mann hat sich in Berlin nicht wohlgefühlt, hat dort im Bereich Logistik gearbeitet.“

Auch sie sieht in Berlin nicht auf Dauer ihren Lebensmittelpunkt, ist mit ihren Gedanken oft in Calau, wo ihre Eltern und Großeltern immer noch wohnen. Im November des vergangenen Jahres ist es dann soweit: Die Schwemers ziehen von der hektischen Millionen-Metropole zurück in das beschauliche Witzestädtchen, vorübergehend in das Elternhaus von Saskia Schwemer.

„Die Atmosphäre hier vor Ort ist familiärer als in Berlin, die Stadt familienfreundlicher. Wartezeiten bei Ämtern sind kürzer als in der Bundeshauptstadt. Und was die Lebenshaltungskosten anbelangt, sparen wir die Hälfte“, sagt Saskia Schwemer. Ihr zweieinhalbjähriger Sohn geht inzwischen in die Kita Kunterbunt. „In die gleiche Kita bin ich auch gegangen“, erinnert sich die Rückkehrerin.

Was ihr in Calau hingegen fehlt, ist ein Drogeriemarkt. „Und ein Müttertreff beziehungsweise ein Elterncafé“, sagt sie. Vom Rückkehrerstammtisch und dem Rückkehrertag, der von der Wohn- und Baugesellschaft Calau mbh (WBC) in Kooperation mit der Stadt und der Bundesagentur für Arbeit zweimal im Jahr initiiert wird, hat Saskia Schwemer gehört. „Ich bin aber Ende 2018 nicht hingegangen“, sagt die 32-Jährige.

Brauchte sie auch nicht, denn ihr Bedarf an Haus oder Job war bereits gedeckt. „Zum Jahreswechsel habe ich eine Stelle als Masseurin und medizinische Bademeisterin in der Physiotherapie und Naturheilpraxis von Sieglinde Lösch angetreten“, so Saskia Schwemer. Ihr absoluter Traumberuf, wie sie sagt. Dort fühlt sie sich von Beginn an pudelwohl und arbeitet sich schnell ein.

Beruflich geht es nun steil bergauf, denn bereits jetzt ist klar: Zum 1. April eröffnet die junge Frau mit ihrer jetzigen Chefin zusammen eine neue Gemeinschaftspraxis. Physiotherapien werden dann von Sieglinde Lösch angeboten; Massagen, Lymphdrainagen, Elektro- und Wärmetherapien von Saskia Schwemer. Ebenso spezielle Kurse, die sie für ihre Patienten ausführt, wie medizinisches Tapen oder Varianten der Muskelentspannung.

Und was denkt ihre Chefin, die schon seit einiger Zeit eine neue Geschäftspartnerin sucht, über „ihre“ Masseurin? „Frau Schwemer ist sehr offen, sie findet schnell Anschluss bei den Patienten. Ich schätze ihre Ruhe, ihre Freundlichkeit, ihre Ausgeglichenheit. Und dass sie immer ein Lächeln auf den Lippen hat.“

Einer erfolgreichen Geschäftspartnerschaft steht da wohl nichts mehr im Wege.