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| 02:51 Uhr

"Die Gerste ist schon verloren"

Kein gutes Jahr für die Gerste – einige Landwirte halten die Ernte bereits für verloren.
Kein gutes Jahr für die Gerste – einige Landwirte halten die Ernte bereits für verloren. FOTO: dpa
Kasel-Golzig/Calau/Neu Lübbenau. Sonnenschein und kaum Niederschlag – was viele in den vergangenen Monaten gefreut hat, treibt die Landwirte im Spreewald in diesem Frühjahr um. Für die Gerste käme jetzt schon jeder Regen zu spät. Daniel Schauff

"Es nützt nichts zu jammern", sagt Carmen Lorenz, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Südbrandenburg. Dabei hätten die Landwirte im Spreewald in diesem Jahr allen Grund dazu. Zu wenig Niederschlag im Frühjahr hat die Ernteerwartungen stark nach unten sinken lassen. Die Gernsteernte, die Ende des Monats beginnt, ist bereits verloren, sagt Carmen Lorenz.

"Die haben wir abgehakt", sagt auch Michael Jurk, Pflanzenbauer bei der Agrargenossenschaft Jetsch-Zieckau aus Kasel-Golzig. Wie groß die Einbußen in diesem Jahr sein werden, kann auch er noch nicht einschätzen. Das sehe man erst, wenn das Korn eingeholt worden ist. Die Erwartungen aber sind bei ihm genauso gering wie bei anderen Landwirten in der Lausitz.

Sandiger Boden

Die Lausitz nämlich, das hat Holger Brantsch, Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg bereits gesagt, sei besonders betroffen von der Trockenheit. Die sandigen Böden könnten ohnehin schlecht Wasser speichern - regnet es wenig, bleibt kaum etwas im Boden zurück. Selbst im Luckau-Calauer Becken, wo die Landwirte auf besserem Boden wirtschaften können, sind die Auswirkungen des Regenmangels deutlich zu spüren. Auch widerstandsfähige Getreidesorten kämen mit einem derartigen Wassermangel nicht mehr zurecht, denn auch sie brauchen zumindest ab und zu etwas Wasser.

Seit sieben Jahren ist Michael Jurk in der Landwirtschaft als Pflanzenbauer tätig - ein derart trockenes Frühjahr hat er noch nicht erlebt. Stimmt, sagen auch die Meteorologen. Die Niederschlagsmenge ist 2015 in der Region auf einem Sieben-Jahres-Tief angekommen. Im Mai, schätzt Michael Jurk, kam gerade einmal ein Drittel des Regens vom Himmel, der sonst im Mai auf die Felder fällt.

Für Carmen Lorenz lassen sich die Folgen eines solch trockenen Frühjahrs für die Landwirte in wenige Worte fassen: Pech gehabt, sagt sie, ohne mitleidslos wirken zu wollen. Gegen das Wetter gebe es keine Absicherung. Und Verträge der Landwirte müssten eingehalten werden - egal, ob es regnet oder nicht.

Da könne es schon mal passieren, dass zugekauft werden muss, sagt Matthias Kurth vom Lindenhof in Craupe. Zumindest dann, wenn sich der Landwirt bei den Vertragsschließungen zu weit aus dem Fenster gelehnt habe. Den Wetterbericht im Radio schaltet er aus, wenn von "schönem Wetter" die Rede ist. "Schönes Wetter kann auch Regen sein", sagt Kurth und schiebt nach: "Man muss immer optimistisch sein." Wie das Erntejahr ausfällt, entscheide sich erst in den letzten Wochen vor der Gersteernte, die in Craupe aller Voraussicht nach Anfang Juli beginnen wird. Bleibe es aber trocken, müsse früher geerntet werden - und dann könne es Einbußen von rund einem Drittel geben, so Kurth. Festlegen will er sich aber nicht - "Pauschalisierungen" brächten die Landwirte nicht weiter.

Sylvia Zeidler von der Agrargenossenschaft Spreetal in Neu Lübbenau will sich ebenfalls noch nicht festlegen - aber auch der Winterroggen habe bereits teilweise Schäden genommen, vor allem auf den hohen Lagen. Wie groß die sind, sei noch nicht klar. Mit rund 20 Prozent Ernteeinbußen könne man aber schon rechnen, sagt sie, selbst dann, wenn es bis zur Erntezeit Ende Juli noch die Niederschläge geben sollte, auf die die Landwirte bereits im Mai gehofft hätten.

Um Verträge mit Abnehmern muss sich die Agrargenossenschaft Spreetal zwar nicht sorgen, wohl aber um das Futter für das Vieh. "Es kann passieren, dass wir zukaufen müssen", sagt Sylvia Zeidler. Zwar sei man darauf vorbereitet, bezahlt werden muss zugekauften Futter aber trotzdem.