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| 02:32 Uhr

Die ganze Kirche in einem Fenster

Der Groß Lübbenauer Hobbykünstler Roy Kullick (42) hat dieses Bild der einstigen Dorfkirche auf ein Fenster gemalt.
Der Groß Lübbenauer Hobbykünstler Roy Kullick (42) hat dieses Bild der einstigen Dorfkirche auf ein Fenster gemalt. FOTO: Bernd Marx/bdx1
Groß Lübbenau. Am heutigen Samstag gedenken Christen und Heimatfreunde im Lübbenauer Ortsteil der feierlichen Einweihung ihrer Kirche vor 190 Jahren. Am 15. November 1824, wurde mit einem festlichen Gottesdienst der in den Jahren von 1821 bis 1824 entstandene Bau seiner Bestimmung übergeben. Bernd Marx / bdx1

Die klassizistische Kirche in Groß Lübbenau ist nach Plänen von Karl August Benjamin Siegel, einem Leipziger Universitätsbaumeister, errichtet worden. Historische Dokumente belegen, dass der Ort bereits im Jahre 1550 ein erstes Gotteshaus besaß. Der einstige Besitzer von Groß Lübbenau, Esaias von Minkwitz, hatte die Kirche erbauen lassen.

Der Zahn der Zeit verschonte das Gotteshaus nicht. Im Jahre 1694 wurde das hölzerne und turmlose Gebäude, es war eine "Tochterkirche" der Lübbenauer Kirchengemeinde, als baufällig eingestuft. Doch schon ein Jahr später waren die Reparaturen ausgeführt, wie heute noch vorhandene Baurechnungen aus dem Jahre 1695 es akribisch genau belegen.

Rund 130 Jahre später erhielten die Gläubigen im Spreewalddorf einen prächtigen Kirchenneubau.

"In der Kirche wurde ich 1933 getauft und 1948 eingesegnet", weiß Christa Kullick (81) zu berichten. Und im Jahre 1954 gab sie ihrem Heinz (1933 bis 2006) das Ja-Wort vor dem Altar der Kirche. Von Mitte der 1970er-Jahre bis Anfang der 1980er-Jahre war Elfriede Jaschen die Küsterin für die Kirche. "Da wir gleich gegenüber der Kirche wohnten, konnten wir schnell mal zur Kirche gehen, um wichtige Aufgaben zu erledigen", erklärt die heute 78-Jährige. Auch sie, wie auch ihr Mann Kurt (80), wurden im Gotteshaus getauft und eingesegnet. Im Jahre 1961 fand dort ihre kirchliche Trauung mit dem Segen Gottes statt.

Was keiner ahnen konnte, nicht Sturmflut, Feuerbrunst oder Orkanböen, sondern simpler Sprengstoff legte die Groß Lübbenauer Kirche im Jahre 1987 in Schutt und Asche. Sie musste dem Aufschluss des Braunkohlentagebaus Seese -Ost weichen. Heute erinnern Fenstermalereien, Modelle und vergilbte Fotografien bei den Menschen in Groß Lübbenau an das einstige örtliche Gotteshaus.

Heinz Kullick und sein Sohn Roy bauten in akribischer Kleinarbeit ein maßstabgetreues Modell der Kirche nach. Dieses Modell steht heute im Kirchenersatzbau in Groß Lübbenau. Sein künstlerisches Geschick bewies Roy auch beim Anfertigen eines Abbildes der Dorfkirche auf einem Fenster im Wohnhaus. "So habe ich jeden Tag einen Blick auf die Kirche, in der ich getauft wurde", so der 42-jährige Hobbykünstler.

Die Einwohner haben ihre Kirche nicht vergessen. "Irgendwie war man immer mit der Kirche verbunden", so Gerda Grabitz (74), die im Jahre 1961 ihrem Reinhardt (78) das Ja-Wort in der Kirche gab. Ihre Mutter, Erna Lubrich, war in den 1960er- und 70er-Jahren die Küsterin. "Es ist schade, dass man nicht mal mehr zum einstigen Platz der Kirche gehen darf", so Gerda Grabitz.

Aus bergbau-technischen Sicherheitsgründen ist der Zugang seit Jahren gesperrt.

Und so muss der Gedenkstein noch eine Weile liegen bleiben, den die Groß Lübbenauer Einwohnerschaft zur Erinnerung an ihre Dorfkirche hat anfertigen lassen.