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Die Faszination der Sütterlin-Schrift

Unterricht wie früher im Lübbenauer Spreewald-Museum (Torhaus). Vor Beginn der historischen Schulstunde zeichneten Klaus-Dieter Stellmacher aus Cottbus und Museumspädagogin Mareike Breuer ein herzliches "Guten Tag, liebe Gäste" auf die Tafel – selbstverständlich fehlerfrei und in bester Sütterlinschrift.
Unterricht wie früher im Lübbenauer Spreewald-Museum (Torhaus). Vor Beginn der historischen Schulstunde zeichneten Klaus-Dieter Stellmacher aus Cottbus und Museumspädagogin Mareike Breuer ein herzliches "Guten Tag, liebe Gäste" auf die Tafel – selbstverständlich fehlerfrei und in bester Sütterlinschrift. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Lübbenau. Um es vorwegzunehmen: Celina Gottschalk und Florika Wetzel zählen keinesfalls zu den Schülerinnen, die in der Ferienzeit Nachhilfeunterricht nehmen müssen. Was aber lockte die beiden zwölfjährigen Mädchen der Lübbenauer Jenaplanschule am Samstag auf die Schulbank? An einer historischen Unterrichtsstunde teilnehmen und bei dieser in die Faszination altehrwürdiger Sütterlin-Schrift eintauchen. Uwe Hegewald/uhd1

Als temporäres Schulgebäude diente das Spreewald-Museum (Torhaus), in dem Museumspädagogin Mareike Breuer entsprechende Vorbereitungen traf. Schiefertafeln, Schreibfedern, Tinte - sogar eine historische Schulbank schmückten den Klassenraum. Aus Cottbus hatte sich mit "Oberrektor" Klaus-Dieter Stellmacher zudem hoher Besuch angekündigt. Der Experte für Sütterlinschrift und Kalligraphie (Kunst des Schönschreibens) widmet sich seit 1963 der Sütterlinschrift, um Einträge im Poesiealbum seiner Mutter Ursula zu ergründen. Inzwischen ist der Cottbuser ein gefragter Mann, wenn es darum geht, alte Ansichtskarten, Bücher oder Dokumente zu entschlüsseln.

Längst bekommt der Cottbuser Post aus aller Welt, in denen er um Hilfe gebeten wird. Oftmals seien Feldpostbriefe darunter, deren Übertragungen ihn zu Tränen rührten.

Als Beispiel nennt er vier Briefe eines Offiziers im bitterkalten Kessel von Stalingrad. Darin berichtet er seiner Frau, wie er zu Weihnachten durch Schützengräben zog, um den erschöpften Soldaten ein paar Zigaretten zu bringen.

Während des Unterrichts informierte Museumspädagogin Mareike Breuer, dass die historische Schulstunde und der hohe Besuch aus Cottbus eine von vielen Begleitveranstaltungen anlässlich der Lübbenauer 700-Jahr-Feierlichkeiten bilde. Für die zwei "Musterschülerinnen" aus dem Jenaplanhaus war es Schulgeschichte zum Anfassen. Unter Anleitung von Klaus-Dieter Stellmacher versuchten sich beide an Sütterlinschrift mit unverwechselbarer Botschaft. Am Ende schrieb Celina Gottschalk auf ihre Schiefertafel: "Florika ist die beste Freundin der Welt."