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| 13:28 Uhr

Konzert im kulturhistorischen Kleinod
Die Bayern kommen nach Reuden

 Theresa Braisch (r.), Maximilian Braisch und Eva Ivanova-Dyatlova spielen am Freitag in der Gutskapelle Reuden ein außergewöhnliches Konzert. Im Gepäck haben sie eine Traversflöte, eine Klarinette und ein Fagott.
Theresa Braisch (r.), Maximilian Braisch und Eva Ivanova-Dyatlova spielen am Freitag in der Gutskapelle Reuden ein außergewöhnliches Konzert. Im Gepäck haben sie eine Traversflöte, eine Klarinette und ein Fagott. FOTO: Alexander Pilchen
Calau/Reuden. Musikalisches Trio spielt am Freitag in der Gutskapelle auf historischen Instrumenten. Von Rüdiger Hofmann

Die Bayern kommen in die Region: Allerdings nicht wie beim Fußball im August nach Cottbus, sondern als musikalisches Trio in dieser Woche am Freitag in die Gutskapelle nach Reuden.

„Der Förderverein Gutskapelle Reuden lädt am 21. Juni um 19 Uhr zu einem ganz besonderen Konzert in die Gutskapelle Reuden ein. Drei junge Musiker aus Bayern werden auf historischen Instrumenten selten aufgeführte Werke erklingen lassen“, sagt Renate Uckrow vom Förderverein.

Geboten bekommen die Zuhörer eine Traversflöte, eine Klarinette und ein Fagott. Eva Ivanova-Dyatlova, Theresa und Maximilian Braisch werden die Stars des Abends sein. Drei Absolventen der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen, die als „Ensemble Trifoi“ (Trifoi ist das rumänische Wort für Kleeblatt) die Anfänge der heute üblichen Holzbläser-Dreierformation erforschen. Sie hat sich inzwischen als übliche Kammermusikbesetzung durchgesetzt und wurde um 1800 allmählich etabliert.

Zu dieser Zeit entwickelte sich die Klarinette zur versierten Melodieträgerin und Füllstimme, während sich das Fagott zu einer nahezu der Flöte gleichgestellten Virtuosität aufschwang, ohne jedoch seine Bassfunktion zu verlieren. „Um diesen spannenden Facetten auf die Spur zu kommen und die damals neu entstandenen Farben wieder aufleuchten zu lassen, spielen die drei Holzbläser Werke unterschiedlichster Herkunftsregionen“, teilt Renate Uckrow mit. Es erklingen Stücke von Ludwig van Beethoven, Georg Friedrich Fuchs, François René Gebauer und Giovanni Paisiello.

Eva Ivanova-Dyatlova lebt derzeit in München. In früher Kindheit begann sie mit dem Block- und Querflötenspiel. Interesse zur Alten Musik führte sie an die Trossinger Musikhochschule. Dort begann sie im Jahr 2011 ihr Studium mit dem Hauptfach historische Flöten in der Klasse von Professor Brunmayr-Tutz. Während ihrer Studienjahre spielte sie mit dem Trossinger Barockorchester als Solistin Konzerte von Bach, Vivaldi und Telemann. Außerdem spielt sie in verschiedenen Orchestern wie Bern Consort, Marini Consort Innsbruck, Barockorchester Trossingen oder dem Hochschulorchester Freiburg. Eva Ivanova-Dyatlova tritt regelmäßig solistisch und im Ensemble im Rahmen verschiedener Festivals auf – wie dem Kulting Festival und Bachkantaten in Vorarlberg. 2017 nahm sie an Konzerten und CD-Produktionen vom Concerto Köln im Rahmen eines Meisterkurses teil. Sie ist künstlerische Leiterin des Karlsruher Festivals „#telemanie“.

Theresa Braisch (Jahrgang 1987) stammt aus Senftenberg und erhielt dort ihren ersten Klarinettenunterricht mit neun Jahren bei Bettina Kühne, die sie bis zum Abitur musikalisch prägte. Ihr Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main absolvierte sie 2014 bei Jochen Tschabrun (Solo-Klarinettist des Sinfonieorchesters beim Hessischen Rundfunk). Engagements als Solo-, Es- und Bass-Klarinettistin führten sie durch Europa und Asien. Parallel zu ihrer Konzert- und Unterrichtstätigkeit erhält sie professionelle Impulse auf dem Spezialgebiet der Alten Musik von Koryphäen der Aufführungspraxis mit historischen Klarinetten und spielte bereits in renommierten Originalklang-Orchestern wie der Accademia di Monaco, Les Musiciens du Prince und dem Barockorchester l´arpa festante.

Maximilian Braisch, geboren 1992 in Berlin, begann dort im Alter von elf Jahren das Fagottspielen zu lernen und hat ab Sommer 2004 in Hermannstadt/Sibiu (Siebenbürgen) gelebt. Das Musikstudium brachte ihn nach Klausenburg/Cluj-Napoca, Freiburg, Stuttgart und zuletzt nach Trossingen, wo er im Bereich Alte Musik von Katrin Lazar unterrichtet wurde. Er spielt in zahlreichen Originalklang-Ensembles, sowie mit den Formationen Trifoi, Quarto d´Oro (Rumänien) und mit Theresa Braisch zusammen als Duo Marmor. „Das Musikerehepaar ­Braisch aus Neuendettelsau bei Ansbach ist als Duo Marmor schon ein Begriff. Es gab im vergangenen Jahr unter dem Motto ,Blütezeit im September’ ein virtuoses Benefizkonzert für die Gutskapelle Reuden, bei dem wir die historischen Instrumente schon kennenlernen konnten“, so Renate Uckrow. Auch das kommende Konzert werde wieder eine Benefizveranstaltung für die Gutskapelle sein, obwohl die selbstständigen Musiker durch Konzerte ihr Geld verdienen müssen, und die Anreise ziemlich weit ist. „Wir sind den drei Musikern für die tatkräftige Unterstützung der Restaurierung des barocken Holzaltars sehr dankbar“, sagt Uckrow.

Vor zehn Jahren hatten bereits vier Musiker des Staatstheaters Cottbus ein Konzert auf historischen Instrumenten in der Gutskapelle Reuden gegeben. Damals präsentierten die Musiker eine Mandoline, eine Biedermeiergitarre, ein Barockcello und einen Hammerflügel unter dem Titel „Gezupft, gestrichen und gehämmert“ mit heiterer Salonmusik.

 Theresa Braisch (r.), Maximilian Braisch und Eva Ivanova-Dyatlova spielen am Freitag in der Gutskapelle Reuden ein außergewöhnliches Konzert. Im Gepäck haben sie eine Traversflöte, eine Klarinette und ein Fagott.
Theresa Braisch (r.), Maximilian Braisch und Eva Ivanova-Dyatlova spielen am Freitag in der Gutskapelle Reuden ein außergewöhnliches Konzert. Im Gepäck haben sie eine Traversflöte, eine Klarinette und ein Fagott. FOTO: Alexander Pilchen