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| 10:00 Uhr

Vetschau
Bahn packt die Riesensäge aus

Warten auf den großen Moment: Mechaniker Günter Scheier überwacht den bevorstehenden Hubschrauber-Einsatz am Mittwochvormittag an der Bahntrasse Vetschau – Lübbenau. Die Vertikalsäge vor ihm läuft langsam warm, ein Ohrenschutz ist notwendig. Die Windverhältnisse lassen den Start gerade so zu.
Warten auf den großen Moment: Mechaniker Günter Scheier überwacht den bevorstehenden Hubschrauber-Einsatz am Mittwochvormittag an der Bahntrasse Vetschau – Lübbenau. Die Vertikalsäge vor ihm läuft langsam warm, ein Ohrenschutz ist notwendig. Die Windverhältnisse lassen den Start gerade so zu. FOTO: Daniel Preikschat
Vetschau. Eine spektakuläre Baumschneide-Aktion an der Vetschauer Bahntrasse gab es am Mittwoch mit einem 600 Kilogramm schweren Schneidwerkzeug aus der Luft. Von Rüdiger Hofmann

Der Motorenlärm des Hubschraubers ist schon von Weitem zu hören. Kein gewöhnlicher Helikopter, sondern an der Unterseite hängt ein 30 Meter langes Rohr, daran befestigt ist eine Vertikalsäge: 5,50 Meter lang, mit zehn Sägeblättern, 600 Kilogramm schwer. Der Pilot ist mit seiner ungewöhnlichen Fracht auf dem Weg zur Bahntrasse Vetschau – Lübbenau, wo er bereits erwartet wird.

Die österreichische Firma „Wucher Helicopter GmbH“ mit Sitz in der Gemeinde Ludesch (Vorarlberg) und ihr Tochterunternehmen „Helimatic“ sind zu einer besonderen Baumschneide-Aktion aus der Luft nach Vetschau beordert worden. „Die aktuellen Windverhältnisse lassen den Start zu“, gibt Engelhard Pargätzi, Geschäftsführer von der Helimatic GmbH, grünes Licht.

Angetrieben wird die besondere Säge mit 6500 Umdrehungen durch einen 48 PS-starken Zweitakt-Motor. Das 30 Meter lange Gestänge wurde kurz zuvor am Lasthaken des Helikopters befestigt. Der Hubschrauber hob dann vorsichtig ab, bis er sich senkrecht über dem Anhänger mit der Säge befand. Dann erst hat die Bodencrew die Säge aus der Verankerung gelöst. Mit rotierenden Sägeblättern geht es nun zum Einsatzort.

„15 Kilometer werden beidseitig an der Trasse zwischen Vetschau und Lübbenau verschnitten“, sagt DB-Pressesprecher Burkhard Ahlert. Wofür man manuell 40 Tage bräuchte, benötigt der Hubschrauber mit Säge lediglich zwei. Für den Arbeitseinsatz musste die Bahnstrecke zeitweilig voll gesperrt und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden. Der Strom in der Oberleitung wurde abgestellt.

Zu konkreten Kosten für den Einsatz macht die Bahn keine Angaben. „Die Hubschrauberaktion ist aber die günstigste Variante gemessen an dem Nutzen, den wir erzielen“, sagt Matthias Scheer von der DB-Fahrwegdienste. Ein sehr effektives Verfahren, wie er betont.

Generell setzt die Deutsche Bahn ihren Fokus verstärkt auf das „Vegetationsmanagement“. Mit dem „Aktionsplan Vegetation“ sollen Beeinträchtigungen durch Bäume im Gleis (auch nach Stürmen) weiter deutlich reduziert werden. Bewährte Maßnahmen wie der präventive Vegetationsrückschnitt entlang der Gleise werden weitergeführt und ausgeweitet. Darüber hinaus hat das Unternehmen beschlossen, Inspektionen zu intensivieren und im Rahmen einer Durchforstungsinitiative den Baumbestand entlang der Schiene auch über die 6-Meter-Rückschnittszone hinaus deutlich zu stabilisieren. Zu den rund 100 Millionen Euro, die für die Vegetationspflege und -kontrolle seit 2007 pro Jahr investiert werden, setzt die Deutsche Bahn für die Durchforstungsinitiative laut eigenen Angaben in den kommenden fünf Jahren zusätzliche 125 Millionen Euro ein.

Der Hubschrauber hat inzwischen den geplanten Streckenabschnitt passiert und beginnt mit dem Verschneiden. Über Funk erfolgt ein permanenter Austausch zwischen den Piloten und dem Bodenpersonal. „Ein Koordinator gibt genaue Anweisungen, wo gesägt werden muss“, sagt Engelhard Pargätzi. Bei gehörigem Sicherheitsabstand sieht man Äste und Grünzeug durch die Luft wirbeln. Streckenposten fahren den Bereich ab, später wird der Verschnitt nochmals zerkleinert und entsorgt.

Professionell bringen die Österreicher die Schneide-Aktion zu Ende und liefern die Säge wieder an der Basis ab. Europaweit werden sie zu solchen Spezialflügen gerufen. Immer bestens gerüstet. „Für die Hubschrauberbetankung haben wir 7000 Liter Kerosin mitgebracht“, sagt Mechaniker Günter Scheier. Die 100 000 Euro teure Säge wird jeweils mit einem Spezial-Transporter angeliefert. „Viele nennen sie einfach nur die James-Bond-Säge“, so Scheier. 1999 hat ein scharf bestückter Hubschrauber in dem Kinoklassiker „Die Welt ist nicht genug“ Jagd auf James Bond gemacht. Im Agententhriller waren dem Fluggerät damals Autos und Häuser zum Opfer gefallen, in Vetschau sind es Äste und Bäume. Nicht „im Auftrag ihrer Majestät“, aber im Auftrag der Deutschen Bahn.

Die österreichische Firma „Wucher Helikopter“ und ihr Tochterunternehmen „Helimatic“ waren zu der besonderen Baumschneide-Aktion beordert worden.
Die österreichische Firma „Wucher Helikopter“ und ihr Tochterunternehmen „Helimatic“ waren zu der besonderen Baumschneide-Aktion beordert worden. FOTO: Daniel Preikschat
Der Helikopter mit der 600 Kilogramm-Säge säbelt erste Äste weg.
Der Helikopter mit der 600 Kilogramm-Säge säbelt erste Äste weg. FOTO: Daniel Preikschat
Der außergewöhnliche Einsatz wird von Streckenposten überwacht.
Der außergewöhnliche Einsatz wird von Streckenposten überwacht. FOTO: Daniel Preikschat
Nach Beendigung der Baumschneide-Aktion liefert der Hubschrauber die 5,50 Meter lange und an einem 30 Meter langen Rohr hängende Säge wieder ab.
Nach Beendigung der Baumschneide-Aktion liefert der Hubschrauber die 5,50 Meter lange und an einem 30 Meter langen Rohr hängende Säge wieder ab. FOTO: Daniel Preikschat
Bei der spektakulären Baumschneide-Aktion agiert der Hubschrauber mit einer rund 5,50 Meter langen Säge, die an einem 30 Meter langen Rohr befestigt ist.
Bei der spektakulären Baumschneide-Aktion agiert der Hubschrauber mit einer rund 5,50 Meter langen Säge, die an einem 30 Meter langen Rohr befestigt ist. FOTO: LR / Daniel Preikschat