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| 02:42 Uhr

Der "Wassergeflügel-Flüsterer”

Neben zahlreichen seltenen Wassergeflügelrassen genießen in der privaten Teichlandschaft von Detlev Hiekel auch 16 Zwergflamingos Schlaraffenlandmomente. Den schwer zu züchtenden Tieren stehen zwei Teiche mit unterschiedlichen Wassertiefen zur Verfügung, eine geschützte Bruthalle sowie das geräumige Gewächshaus der Familie, wo die Flamingos im Winter einquartiert werden.
Neben zahlreichen seltenen Wassergeflügelrassen genießen in der privaten Teichlandschaft von Detlev Hiekel auch 16 Zwergflamingos Schlaraffenlandmomente. Den schwer zu züchtenden Tieren stehen zwei Teiche mit unterschiedlichen Wassertiefen zur Verfügung, eine geschützte Bruthalle sowie das geräumige Gewächshaus der Familie, wo die Flamingos im Winter einquartiert werden. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Buchwäldchen. Es sind mitunter sonderbare Laute, die durchs beschauliche Buchwäldchen hallen. Sie drängen aus einem von Grün umgebenen Grundstück in der Dorfmitte, wo Detlev Hiekel seltenes Wassergeflügel züchtet. Uwe Hegewald

"In der Balz sind die Rufe etwas intensiver, aber ich habe verständnisvolle Nachbarn", sagt der Wasservogel-Experte.

Irgendwie haben sich Buchwäldchener auch an das Schnattern gewöhnt, datiert doch die Gründung der privaten zoologischen Anlage aus dem Jahr 1971. Detlev Hiekel erinnert sich an die Errichtung eines Feuerlöschteiches durch die Gemeinde und regte an: "Dort gehören auch Wasservögel drauf."

Der damalige Bürgermeister Willi Kalz erwiderte mit einem knappen "okay, aber du musst sie füttern" - und schon nahmen die Dinge ihren Lauf. Der in Bad Muskau aufgewachsene Hiekel hatte von einem entlaufenen Schwanenpärchen im früheren Heimatort erfahren, dieses auf der Neiße wieder eingefangen und in Buchwäldchen angesiedelt. Wenig später fuhr er nach Finsterwalde um für 250 DDR-Mark ein Pärchen Spießenten zu erwerben. "Eigentlich wollte ich einen Schwarzstorch holen, der zwar annonciert aber schon verkauft war - für stattliche 800 Mark", so der Tierliebhaber.

Schon als Jugendlicher zu Muskauer Zeiten bewies Detlev Hiekel Naturverbundenheit und päppelte Dohlen auf, die aus Nestern gefallen waren. Beharrlichkeit, züchterische Erfolge oder das Bilden von Zuchtgemeinschaften bewegten Seelenverwandte bereits in den 1980er Jahren dazu, beim Buchwäldchener vom "Mann mit den goldenen Händen" zu sprechen.

Die Zusammenarbeit mit Tierparks wie Berlin oder Cottbus sorgten für zusätzlichen Bekanntheitsgrad. In der Region wussten die Leute vom "Wassergeflügel-Flüsterer" am Fuße der Calauer Schweiz.

"Eines Tages kam mein Sohn mit einem Paket und Grüßen vom Hausmeister seiner Schule zurück. Der hatte auf dem Schulhof einen Flamingo eingefangen und vermutet, dass er aus unserer Anlage ausgebüxt ist", erzählt Detlev Hiekel aus seinem Anekdoten-Buch. Auch sei es schon vorgekommen dass sich einer seiner afrikanischen Zwerg-Flamingos von einem vorbeifliegenden Storch animiert fühlte, ihm hinterherzufliegen.

16 Zwergflamingos umfasst der derzeitige Bestand, darunter auch Brutvögel. "Alles Wildfänge, deren Nachzucht sich äußerst schwierig gestaltet. Bisher ist es mir erst einmal gelungen, einen Zögling groß zu bekommen", berichtet er. Und das, obwohl die Tiere nahezu in einem Lausitzer Schlaraffenland leben. So stünden den Zwergflamingos zwei der insgesamt neun Teiche auf dem Grundstück der Familie zur Verfügung. Eine extra errichtete Plexiglashalle wird von den Tieren ebenso gern angenommen, wie das Gewächshaus, in dem die Vögel den Winter über einquartiert werden. "Temperaturen unter fünf Grad Celsius oder einen zugefrorenen Teich mögen sie gar nicht", begründet der Buchwäldchener den jährlichen Umzug.

Wie viele Tiere in den über drei Jahrzehnten in der Buchwäldchener Anlage geschlüpft sind, kann der Züchter nicht sagen. Ausgefallene Arten wie Kaisergänse, afrikanische Ringelgänse oder Kraniche waren darunter, wie auch Weißkopfruderenten oder Dampfschiffenten, die ihr Brutrevier vehement verteidigen. So etwa gegen Wildenten, deren Anflug Detlev Hiekel gar nicht gern sieht. "Sie könnten die Vogelgrippe einschleppen. Deshalb zieht es mich im Herbst mehrmals zum benachbarten Feuerlöschteich, um Stockenten zu vergrämen", erklärt er.

Ausnahmegenehmigungen des Kreisveterinäramtes gestatten es dem Wassergeflügel-Experten, seine Tiere auch in angespannten Zeiten artgerecht zu halten. Man könne nur hoffen, von der Vogelgrippe verschont zu bleiben, wie auch von Raubtierattacken. "Fuchs, Marder und Greifvögel haben schon viel Schaden angerichtet. Neuerdings kommt der räubernde Waschbär hinzu", so der Buchwäldchener.

Durch den Verkauf von Jungtieren erfolgt eine Refinanzierung der Investitionen die durch Futtermittel, Energiekosten oder den Kauf von neuen Brutpaaren anfallen. Für seltene Rassen müssten Züchter mal locker einen mittleren vierstelligen Euro-Betrag hinblättern.

Gesundheitliche Einschränkungen zwingen den 75-Jährigen, den Bestand allmählich runterzufahren. "Ohne das Verständnis und die Unterstützung meiner Ehefrau Bärbel, den Kindern oder Enkeln, hätte ich schon vieles aufgeben müssen. Das fällt schwer. Man hängt an den Tieren und an dem, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde." Detlev Hiekel, der schon zu DDR-Zeiten an die Ostsee düste, um dort ölverschmierte Wasservögel einzusammeln, gilt in Züchterkreisen als Institution. Aus ganz Deutschland zieht es Kenner in das kleine Dörfchen der Niederlausitz wie auch Interessierte aus Belgien, Holland oder Österreich.