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| 12:07 Uhr

Sommer-Radtour
Der Tagebau nimmt, der Tagebau gibt

Die traditionelle Neupetershainer Sommertour unter Leitung von Jürgen Pufe (l.) führte dieses Mal in regionale Bergbaufolgelandschafen, wie etwa zum Wolkenberger Weinberg und an den Gräbendorfer See.
Die traditionelle Neupetershainer Sommertour unter Leitung von Jürgen Pufe (l.) führte dieses Mal in regionale Bergbaufolgelandschafen, wie etwa zum Wolkenberger Weinberg und an den Gräbendorfer See. FOTO: Uwe Hegewald
Neupetershain. Neupetershainer Sommertour führte erstmals in die Bergbauhistorie. Von Uwe Hegewald

16 entschlossene Radfahrerinnen und -fahrer haben am Sonntag das Ausflugwetter genutzt , um an der traditionellen Neupetershainer Sommertour teilzunehmen. Thema der Radtour anno 2018: „Devastierte Orte des Tagebaus Welzow Süd“. Bereits im vergangenen Jahr hatte Tour-Organisator, Scout und Reise-Moderator Jürgen Pufe die Idee, in die Geschichte des Braunkohletagebaus zu radeln.

Die Grube führte bis vor die Tore von Neupetershain, beeinflusste die Gemeinde und tut es noch heute. „Wenn der Wind ungünstig steht, hören wir, wenn die Erdmassen vom Absetzer (Tagebau-Großgerät) auf den Boden donnern“, wusste Mandy Wianke zu berichten. Sie zählte zu den 32 Einwohnern von Geisendorf, die um das Jahr 2000 ihr Heimatdorf verlassen mussten. Einzig das Herrenhaus „Gut Geisendorf“, heute Kulturforum der Lausitzer Braunkohle, überstand das Vorbeiziehen des Tagebaus Welzow-Süd nahezu unbeschadet. Das idyllisch gelegene Objekt war Start- und Zielort der rund 55 Kilometer langen Ausfahrt.

Noch vor den ersten Pedalumdrehungen der Tour, die seit zehn Jahren von der RUNDSCHAU begleitet wird, streifte Reinhard Wianke durch sein ehemaliges Heimatdorf. „Mal gucken, wo bei dieser Trockenheit noch frisches Kaninchenfutter zu finden ist“, erklärte er. Der Ex-Geisendorfer und heutige Neu-Geisendorfer zählt zu den treuen Neupetershainer Rad-Sommertouristen, die ihre Reise immer in der Gemarkung der Gemeinde Neupetershain beginnen. Ebenso regelmäßig dabei: Horst Junge, dem nach dem Aufstieg auf den 30 Meter hohen Wolkenberger Weinberg nur ein müdes Lächeln zu entlocken war. Erst eine Woche zuvor ist der durchtrainierte (Un-)Ruheständler von einer Exkursion auf den 5895 Meter hohen Kilimandscharo zurückgekehrt. Seine Reiseerlebnisse sorgten für willkommene Zusatzinformationen zu den Ausführungen von Jürgen Pufe.Bewusst hatte der frühere Gymnasiallehrer Zwischenziele etabliert, um die Auswirkungen des Kohleabbaus vor Augen zu halten. „Wir steuern devastierte Orte, der Tagebaue Welzow Süd und Gräbendorf  an, wollen aber auch zeigen, mit welchen Anstrengungen und bereits sichtbaren Erfolgen die Bergbaufolgelandschaft rekultiviert und teilweise bereits touristisch ausgestaltet wird“, befand er. Stellvertretend wurden der künstlich geschaffene Wolkenberg, der Gräbendorfer See und das Bürgerhaus in Neu-Kausche angesteuert, wie auch gepflegte Ortsdenkmale.

„Insgesamt beanspruchte der Tagebau Welzow Süd von 1958 bis heute 17 Ortslagen, mit überwiegend sorbisch/wendischer Geschichte“, so Jürgen Pufe. Amüsant: in der ehemaligen Ortslage des 1983/84 devastierten Stradow haben Einwohner des früheren 312-Seelen-Dorfes zwei gerettete Ortsschilder aufgestellt, die zwar beide in entgegengesetzte Himmelsrichtungen zeigen, aber ein- und denselben Schriftzug aufweisen: Drebkau, 9 Kilometer. Marlies und Peter Henkel zeigten sich zufrieden, die Ankündigung der Neupetershainer Sommertour gelesen zu haben. „Wir waren schon einmal dabei, als die Tour in die Calauer Schweiz inklusive Buchweizenplinse-Essen führte“, erinnerte das radelnde Paar aus Schwarzheide. Wenn es sich einrichten lässt, werden wir auch im kommenden Jahr wieder mit von der Partie sein und vielleicht Freunde unserer Schwarzheider Radlergruppe mitbringen“, kündigten die Henkels an.

Nach ersten Überlegungen von Jürgen Pufe könnte der Ausflug 2019 ins Lausitzer Seenland führen mit erstmaligem Überrollen der Landesgrenze. Und auch Horst Junge ließ sich zu einer Ankündigung hinreißen: „Im kommenden Jahr werden wir mindestens eine Eisdiele ansteuern“, beteuerte er.