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Urkunde für Schiedsmann
Der Streitschlichter aus Kittlitz

Schiedsmann Bernd Elsner mit der Urkunde für zehn Jahre ehrenamtliches Streitschlichten.
Schiedsmann Bernd Elsner mit der Urkunde für zehn Jahre ehrenamtliches Streitschlichten. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Kittlitz. Seit zehn Jahren vermittelt Bernd Elsner zwischen Konfliktparteien – und lernt dabei viel über den Menschen.

Doch schon zehn Jahre. Bernd Elsner blickt fast ein bisschen ungläubig auf die Urkunde, mit der ihm die Präsidentin des Landgerichts Cottbus Dank und Anerkennung ausgesprochen hat. Der Schiedsmann hat sich das Schriftstück kürzlich in Lübben abgeholt. Bei Amtsgerichtsdirektor Stephan Lehmann, der den Kittlitzer damals auch schon ernannt hatte. Elsner will sich nicht brüsten mit dieser Urkunde. Vielmehr will er die Gelegenheit nutzen, Werbung zu machen für ein Ehrenamt, das er für wichtig hält.

Man höre es ja allenthalben, erzählt er. Die Justiz ist überlastet, die viele Fälle können kaum noch abgearbeitet werden. Viele, die da Klage erhoben haben aus welchem Grund auch immer, sind nach dem Urteilsspruch außerdem unzufrieden, wütend, verärgert, gefrustet. Dann die Kosten für Anwälte, Gutachten ...

Ohne Bernd Elsner wären es in der Lübbenauer Neustadt, in Klessow, Hindenberg und Kittlitz, in Lichtenau, Schönfeld und Beuchow sicher deutlich mehr Menschen gewesen, die es auf ein Gerichtsurteil hätten ankommen lassen. Ein bis sieben Streitfälle im Jahr kommen ihm auf den Tisch in seinem Schiedsbezirk, so Elsner. Fast immer kann sich in den Gesprächen der Gang vor Gericht abwenden lassen.

Miteinander sprechen, sich „die Seele frei reden“, wie es Bernd Elsner nennt, wenn es so weit kommt, ist die Einigung meist nicht mehr weit. Die Streitführenden merken ja auch: Hier im Sprechstundenzimmer von Bernd Elsner, können sie das Ergebnis selbst entscheidend beeinflussen. Der Schiedsspruch ist Ergebnis ihrer eigenen Bemühungen, von daher auch für beide Seiten zufriedenstellender und eher akzeptiert als ein Urteil.

Meist sind es Nachbarn, die sich da vor dem Schlichtungsgespräch ins Gehege gekommen sind. Mal ist es Hundegebell, das nicht geduldet wird, mal ins Nachbargrundstück reichende Äste oder die Hinterlassenschaften der Katze von gegenüber. Auch über den Verlauf von Zäunen oder über andere Grenzmarkierungen lässt sich trefflich streiten. Ebenso darüber, ob ein Kleingärtner seinen Verpflichtungen nachkommt, was zuletzt häufiger vorgekommen sei. Ist aber das die Aufregung wirklich wert, fragt Bernd Elsner die Beteiligten oft. Oder er rät, sich mit dem Nachbarn mal auf ein Bier zusammen zu setzen. Da kläre sich schon vieles.

Das Unrechtsbewusstein so manchen Mitbürgers erstaunt den 62-Jährigen immer wieder. Er sieht da eine Entwicklung in den zehn Jahren: „Die Menschen werden mutiger und selbstbewusster. Sie wollen sich nichts mehr gefallen lassen.“ Auf der anderen Seite sei aber auch die Kompromissfähigkeit oft größer als er anfangs zu hoffen gewagt hätte, erzählt der Kittlitzer. Man müsse die Streithähne nur „emotional runterholen“ vorher. Das sei wichtig.

Dem Kittlitzer Schiedsmann, der mit seinen 62 Jahren so viel Ruhe ausstrahlt und verständnisvoll zuhören kann, gelingt das offenbar sehr gut. Lösungen zu finden und Kompromisse – das musste er schließlich schon als Ortsvorsteher in Kittlitz, der er lange Jahre gewesen war. Auch im Naturschutzbeirat des Landkreises OSL und als Nabu-Vertreter sind diese Eigenschaften gefragt. Schöffe war er auch schon gewesen, am Oberverwaltungsgericht in Frankfurt/Oder. Ihn interessiere das eben, wie Menschen so ticken. Man lerne da nie aus.

Bernd Elsner, das komme ihm ebenfalls zustatten, bekommt die Streitfälle meist auch schnell wieder aus dem Kopf. Ihn belaste das nicht. Manchmal allerdings, zum Glück eher selten, bekommt er es auch mit üblen Familienstreitigkeiten zu tun, die ihm schon an die Nieren gehen. Wenn es etwas zu erben gibt zum Beispiel. Manchmal bekomme er es dabei mit Moralvorstellungen zu tun, die er schlichtweg ablehnt. Er könne dann auch nichts mehr ausrichten, wolle das auch nicht. Das sind diese zehn Prozent Fälle ohne gutes Ende. Mit 90 Prozent Erfolgsquote sei er aber durchaus noch zufrieden und fühlt sich bestätigt in seiner Überzeugung: „Schiedsen ist besser als richten.“