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| 02:41 Uhr

Der Spreewald – schweres Terrain für Bus und Bahn

Tourismus-Idylle und gute Verkehrsanbindung – passt das im Spreewald zusammen?
Tourismus-Idylle und gute Verkehrsanbindung – passt das im Spreewald zusammen? FOTO: stu1/M. Gahl/Montage: Janetzko
Lübbenau. Das Bus- und Bahnangebot im Spreewald ist begrenzt, zugleich ächzt die Tourismusregion unter der Last des Individualverkehrs. Experten haben das Problem bei einer Info-Veranstaltung in Lübbenau mit ihren Folgen beschrieben. Es gab aber auch Vorschläge, die Situation zu verbessern. Daniel Preikschat

Der Cottbuser Olaf Schöpe vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Brandenburg drückte es am Mittwoch im Großen Sitzungssaal des Lübbenauer Rathauses ganz deutlich aus: Der Spreewald werde mit Autos regelrecht "verstopft". Busse und Bahnen indes sehe man in der Region kaum. Nach dem Abkoppeln von drei RE 2-Haltepunkten sogar noch weniger als früher. Wie, fragt sich Schöpe, sollen eigentlich Auszubildende ohne Auto im Spreewald ihren Arbeitsplatz erreichen? Und wer ein Auto hat, muss über eine von "Betonkrebs" befallene A 13 fahren, auf der ständig neue Baustellen eingerichtet werden.

Burg arg gebeutelt

Zuhörer Olaf Schöpes waren rund 80 Vertreter von Kommunen und Unternehmen sowie Verbänden aus der Region. Einlader war die Energieregion Lausitz, die derzeit gemeinsam mit einem beauftragten Berliner Institut an einer "Mobilitätsstrategie für den Wirtschaftsraum Spreewald" arbeitet. Nach Schöpe durfte Dirk Meier von der IHK Cottbus ans Rednerpult, der vor allem auf die Situation in Burg einging. Fast gänzlich abgeschnitten vom Öffentlichen Personennahverkehr sei der touristisch bedeutsame Ort. Die vielen Gäste seien daher gezwungen, auch aufgrund der Weitläufigkeit von Burg, häufig den eigenen Wagen zu benutzen. Wie Schöpe kritisierte auch Meyer, dass schon oft über Konzepte geredet wurde, aber nichts Konkretes passiert.

Transparente aus Raddusch

Wenig Hoffnung darauf, dass sich etwas ändert, konnte Christian Huber von der DB Regio Bus Ost GmbH machen. Weitere Buslinien in den Spreewald zu führen, sei nicht finanzierbar. Immerhin konnte Carsten Billing, Fachdezernent im Landkreis Spree-Neiße, Dirk Meyer soweit berichtigen, dass es in Burg einen Bus-Ringverkehr gibt. Weiter betonte Billing, dass der Landkreis schon jetzt sieben Millionen Euro in den Personennahverkehr investieren müsse. Noch mehr Geld werde man dafür angesichts der Einwohnerzahlwicklung und der nicht ausreichenden finanziellen Ausstattung der Kommunen kaum ausgeben können.

Nicht zu Wort meldeten sich Vertreter der Bürgerinitiative Haltepunkt Raddusch. Dafür befestigten Ulrich Lagemann und seine Mitstreiter Transparente mit den Aufschriften "Niemand hat die Absicht einen Haltepunkt zu schließen" und "Alles ist erreichbar. Raddusch bald nicht mehr". Passe die Region nicht sehr auf, so Lagemann in einem Pausengespräch, falle noch ein weiterer Halt weg - damit in Berlin der RE 2 genug Zeit hat, wieder den Bahnhof Ostkreuz anzufahren, der bald fertig saniert ist.

Vorschläge, den Spreewald besser und umweltschonender zu erreichen, machte Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. So könnten die Akteure vor Ort auf Sammeltaxis und Bürgerbusse zurückgreifen. Im Odenwaldkreis können ab Anfang 2017 über ein Portal Fahrten im Privat-Pkw gebucht werden. Bewährt habe sich, Touristen elektrisch betriebene Fahrzeuge anzubieten, sodass sie ihr eigenes Fahrzeug im Urlaubsort stehen lassen können. Digitalisierung und die Entwicklung in der E-Mobilität schafften zunehmend bessere Voraussetzungen, solche Angebote zu machen.

Anja Sylvester von der Interlink GmbH in Berlin empfahl den Spreewäldern Kombi-Busse, die Personen und Güter befördern. Durch die Doppelnutzung ließe sich der Warentransport auch in entlegene ländliche Regionen finanzieren, wie sich derzeit in der Uckermark zeige. Dort transportiert solch ein Gefährt Fahrgäste und Lebensmittel.

Zum Thema:
Das Bundesverkehrsministerium fördert die Arbeit an einer "Mobilitätsstrategie für den Wirtschaftsraum Spreewald" im Zeitraum August 2016 bis Juli 2018 mit 256 000 Euro. Partner sind hierbei die Landkreise Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz und Dahme Spreewald sowie die Stadt Cottbus. Das Konzept erstellt die Energieregion Lausitz mit dem Forschungs- und Beratungsinstitut für Infrastruktur- und Gesundheitsfragen IGES in Berlin.