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| 18:43 Uhr

Jubiläum eines großen Dichters
Der Spreewald schaut gespannt auf Fontane

Theodor Fontane lebt! Er – alias Michael Apel – wurde am Donnerstag im Schlosspark Lübbenau gesichtet, wo die Feierlichkeiten zum Fontanejahr begannen und Höhepunkte vorgestellt wurden. Es musizierten Mitglieder des Philharmonischen Orchesters des Staatstheaters Cottbus. Rahel Brede (3. v. l.) sang Auszüge aus der Oper „Effi Briest“.
Theodor Fontane lebt! Er – alias Michael Apel – wurde am Donnerstag im Schlosspark Lübbenau gesichtet, wo die Feierlichkeiten zum Fontanejahr begannen und Höhepunkte vorgestellt wurden. Es musizierten Mitglieder des Philharmonischen Orchesters des Staatstheaters Cottbus. Rahel Brede (3. v. l.) sang Auszüge aus der Oper „Effi Briest“. FOTO: Rüdiger Hofmann
Lübbenau. Höhepunkte zum bevorstehenden Jubiläumsjahr und 200. Geburtstag des literarischen Spiegels von Preußen in Lübbenau vorgestellt. Von Rüdiger Hofmann

Ein Augustwochenende im Spreewald genügt 1859 dem fast 40-jährigen Theodor Fontane – und das Feuer für Land und Leute ist entfacht. Entsprechend ausdrucksstark und bildreich schreibt der bedeutendste deutsche Vertreter des Realismus in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Lübbenau, Burg, Lehde – all diese Orte kommen in seinen niedergeschriebenen Impressionen vor, ebenso die Kahnfahrten und auch Gaumenfreuden wie der Hecht in Spreewald-Soße.

Grund genug, dass der Tourismusverband Spreewald, der Tourismusverein Burg im Spreewald und Umgebung und die Touristinformation des Amtes Burg gemeinsam den bevorstehenden
200. Geburtstag des berühmten Preußen aus Neuruppin im kommenden Jahr gestalten. Am Donnerstag wurden in der Lübbenauer Innenstadt und im Schlosspark die kulturellen Höhepunkte vorgestellt, auf die sich die Besucher in ganz Brandenburg, der Lausitz und vor allem im Spreewald freuen können.

Zur Feier des Tages reist Fontane persönlich mit einer Kutsche vor dem Rathaus in Lübbenau an. Michael Apel mimt hier vortrefflich den großen Schriftsteller, an seiner Seite das Spreewälder Original Marga Morgenstern. Viele kennen Apel als Kjeld in den Sommertheater-Aufführungen der Olsenbande aus Groß Beuchow. Überrascht ob der vielen Journalisten steigt „Fontane“ aus der Kutsche, grüßt die Menge („ich kenne ihren Job sehr gut“) und spaziert in die Sankt-Nikolai-Kirche zur Andacht. Diese übernimmt in lockerer Art Pfarrer Christoph Hanke aus Straupitz. „Es ehrt Lübbenau, dass der feierliche Auftakt zum Fontanejahr in der Kirche stattfindet“, sagt Hanke.

Auch der Landrat des Spree-Neiße-Kreises, Harald Altekrüger, zugleich Vorstandsvorsitzender des Tourismusverbandes Spreewald, weilt unter den Gästen und ordnet das bevorstehende Themenjahr Fontane.200 ein. „In den ersten sechs Monaten 2018 sind bisher 347 000 Gäste in den Spreewald gekommen. Wir profitieren von einem Trend, der bereits zu Zeiten Theodor Fontanes begann, als Gutbetuchte und Reisende wie er hierher kamen“, sagt Altekrüger. Für ihn gilt Fontane als „erster Reiseblogger“, was das Notieren des Gesehenen und Erlebten betrifft, und der seiner Zeit weit voraus war, was die Wahl seiner Reiseziele anbelangte, denn gerade die Bände zu den Wanderungen durch die Mark Brandenburg seien nicht nur schlichte Reiseführer, sondern regelrechte „Reiseverführer“. „Seinem Werk nähern wir uns nun auf verschiedene Weise an“, so der Landrat. Auftakt bildet die Presseveranstaltung, wo man an Originalschauplätzen mit den Akteuren ins Gespräch kommen konnte.

Inzwischen setzt sich die Reisegruppe um Fontane in Bewegung, alles marschiert Richtung Schlosspark, wo der nächste Höhepunkt wartet. Das Armonia-Quartett spielt vor der Orangerie frisch auf. Mozart darf an einem warmen Spätsommernachmittag nicht fehlen, es gibt ein Divertimento auf die Ohren. Anschließend liest Axel Strothmann Auszüge aus „Effi Briest“, einem der wohl bekanntesten Romane des Dichters. Das Werk gilt als ein Höhe- und Wendepunkt des poetischen Realismus der deutschen Literatur: Höhepunkt, weil der Autor kritische Distanz mit großer schriftstellerischer Eleganz verbindet; Wendepunkt, weil Fontane damit zum bedeutendsten Geburtshelfer des deutschen Gesellschaftsromans wurde.

Mitglieder des Philharmonischen Orchesters nehmen das als Anlass, sie präsentieren ein paar Ausschnitte aus der Oper zu „Effi Briest“, die im kommenden Jahr Uraufführung in Cottbus feiern wird (siehe Infobox). Rahel Brede mimt hier die junge Effi, die einen Brief an die Mutter singend vorträgt. Ihr Schicksal ist bekannt: Auf Zureden ihrer Mutter heiratet Effi als 17-Jährige den mehr als doppelt so alten Baron von Inn­stetten. Nach einer flüchtigen Affäre ihrerseits mit einem Offizier wird sie gesellschaftlich geächtet und stirbt.

Zurück in die Gegenwart. Fontane alias Apel klatscht begeistert Beifall nach den Aufführungen im Schlosspark. „In Kulturkreisen hat man mich nicht so gerne gesehen, galt ich doch als harter Theaterkritiker“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Er ist froh, dass die Region im anstehenden Themenjahr mit einem Reigen an Veranstaltungen, Angeboten und Erlebnissen aufwartet. „Das würde ein jedes Reisetagebuch bereichern.“ Das sieht auch Annette Ernst, Leiterin des Tourismusverbandes Spreewald, so: „Zu erleben, mit wie viel Freude, Originalität und Kreativität die Spreewaldorte die Gäste mit auf die Spuren Fontanes nehmen, ist ein echtes Vergnügen.“ Der gönnt sich nach den Reisestrapazen ein frisch gezapftes Bier in der Orangerie. Na dann schon jetzt: Herzlichen Glückwunsch!