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Der Spreewald in mystischem Krimi

Lübbenau. Der Spreewald-Krimi boomt. Erst am Sonntag sendete die ARD den Polizeiruf "Die Gurkenkönigin".

Dieser Tage ist Drehstart für den fünften Spreewald-Krimi des ZDF unter dem Titel "Phoenix". Michael Klein hat seinen siebten Krimi unter dem Titel "schnitzelkrieg" vorgestellt. Die RUNDSCHAU stellte dem Autoren Hendrik Berg, der jetzt "Dunkle Fluten" im Goldmann-Verlag vorgelegt hat, ein paar Fragen.

Warum ist der Spreewald als Ort der Handlung gewählt worden? Ist es die Mystik der Landschaft, sind es historische Wurzeln?
Es war vor allem die wunderschöne, geheimnisvolle Landschaft mit dem Wasserlabyrinth und den vielen verträumten Dörfer, die mir von Anfang an gefallen hat - für mich die ideale Kulisse für ein mystisches Krimidrama. Auch die Tatsache, dass sich nur in dieser Region die Kultur der Sorben über so viele Jahrhunderte behauptet hat, fand ich sehr interessant - auch wenn es in meiner Geschichte kaum eine Rolle spielt.

Warum spielt die Handlung 1991, also kurz nach der Wende?
Ich habe diese spannende Zeit gewählt, um der ganzen Geschichte ein Fundament zu geben und um die Situation für die Hauptfigur möglichst dramatisch zuzuspitzen. Im Mittelpunkt steht ein - nicht immer sympathischer - Berliner Kommissar, der mit seiner Familie in ein kleines Dorf im Spreewald zieht. Seine Frau hat dort ein Hotel geerbt, aber er wäre eigentlich lieber in der Großstadt geblieben. Mit seiner ablehnenden, trotzigen Haltung und vor allem mit seinen vielen Vorurteilen macht er seiner Familie und vor allem sich selbst die Eingewöhnung in der neuen Umgebung sehr schwer. Und in welcher Zeit gab es mehr Vorurteile als kurz nach der Wende?

Folgen Sie - bewusst oder unbewusst - dem Trend zur Regionalisierung von Krimis in Büchern, aber auch im Fernsehen?
Die Idee für "Dunkle Fluten" entstand schon in den 90er-Jahren, lange vor den TV-Filmen bei ARD und ZDF. Es handelt sich bei dieser Geschichte auch nicht um einen klassischen Ermittler-Krimi, sondern mehr um ein Krimi-Drama mit starken mystischen Elementen. Damit so eine ungewöhnliche Mischung funktioniert und für den Leser nachvollziehbar wird, halte ich es für sehr wichtig, dass sie an eine reale Landschaft angebunden ist. Ich glaube nicht, dass eine Geschichte wie "Dunkle Fluten" in irgendeine andere Region in Deutschland passen würde.

Haben Sie unmittelbar im Spreewald recherchiert? Wie viel ist direkt eingeflossen?
Natürlich habe ich im Spreewald recherchiert, mir verschiedene Dörfer angeschaut und dort Urlaub, Paddeltouren und Kahnfahrten gemacht. In Lübbenau bin ich oft gewesen. Aber bei allem Bemühen, dieser wundervollen Landschaft und ihren Bewohnern gerecht zu werden: "Dunkle Fluten" ist reine Fiktion und soll vor allem eine spannende Geschichte erzählen. Der im Buch beschriebene Ort Glubitz ist nur eine Mischung aus vielen verschiedenen Dörfern, und auch die dramatischen Ereignisse vor dem Zweiten Weltkrieg sind frei erfunden.

Was verbindet sie mit dem Spreewald?
Der Spreewald als Spielort meines ersten Romans wird natürlich immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben. Und wenn wir zu Besuch in Brandenburg sind, gehört eine Paddeltour auf der Spree zu den Hauptattraktionen für mich und meine Familie.

Wie wird ein Hamburger, der in Köln wohnt, auf den Spreewald aufmerksam - als Ort seiner Krimi-Handlung oder als touristisches Ziel?
Ich habe mehrere Jahre in Berlin gewohnt und dort auch meine Frau kennengelernt. Sie ist gebürtige Potsdamerin. Sie hat mir damals zum ersten Mal den Spreewald gezeigt. Und wenn wir jetzt mit den Kindern die Familie in Brandenburg besuchen, gehört ein Ausflug an die Spree immer wieder dazu.

Auf Ihrer Website ist zu lesen, dass Sie an einem weiteren Buch arbeiten - spielt dort der Spreewald ebenfalls eine Rolle oder eine andere Region?
Auch wenn ich mir ein weiteres Buch im Spreewald gut vorstellen kann, "Dunkle Fluten" ist erst einmal eine abgeschlossene Geschichte. Mein nächster Roman spielt in Nordfriesland.

Warum schreiben Sie unter Pseudonym?
Unter meinem richtigen Namen arbeite ich seit vielen Jahren als freier Drehbuchautor für verschiedene TV-Serien und habe gerade ebenfalls ein Buch veröffentlicht, das aber eher witzig und kurzweilig ist. Das Pseudonym Hendrik Berg gibt mir die Gelegenheit, auch andere, "dunklere" Geschichten zu erzählen - ohne die Leser zu verwirren.

Ist auch ein Drehbuch mit Spreewaldbezug vorhanden oder in Arbeit?
Auch wenn sich schon Produktionsfirmen für die "Dunkle Fluten" interessieren, ist ein Drehbuch noch nicht in Arbeit.

Die Fragen stellte Jan Gloßmann