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| 16:53 Uhr

Tag der Architektur
Der kaiserlichen Postagentur in Raddusch einen Besuch abstatten

Die Gebäudefassade wurde nach modernsten Wärmedämmverfahren saniert, wie Architekt Andreas Rieger (Mitte) den Besuchern erläuterte.
Die Gebäudefassade wurde nach modernsten Wärmedämmverfahren saniert, wie Architekt Andreas Rieger (Mitte) den Besuchern erläuterte. FOTO: Peter Becker
Raddusch. Lübbener Architekt schildert Bürgern interessante Details beim Tag der Architektur. Von Peter Becker

Bärbel Petack gehörte mit ihrem Gatten Gernot zu den ersten Besuchern der Kaiserlichen Postagentur Raddusch. „Ich freue mich, dass ich durch den Tag der Architektur die Möglichkeit bekomme, endlich mal wieder eine Stätte meiner Jugend besuchen zu können. Hier habe ich so manchen Tanzabend verbracht“, erzählt die Groß Lübbenauerin. Der Radduscher Manfred Kliche konnte mit seinen Erlebnissen punkten: „Hier war immer viel los, die Stimmung war oft besser als im Braukrug. So manche Mark habe ich auch beim Skatspiel hiergelassen.“

Neben dem Interesse, eine wichtige Stätte mal wieder von innen zu erleben, kamen viele Besucher auch, um zu sehen, was inzwischen daraus geworden ist oder was noch daraus werden soll. Der Lübbener Architekt Andreas Rieger schilderte eingangs die großen bautechnischen Probleme, vor denen die Investoren standen. Schließlich ging es nicht um eine schlichte Wiederherstellung des alten Zustandes, sondern um eine energetisch-moderne Sanierung, die heutigen Nutzungsansprüchen und -normen genügt. „Wir haben die alten, wenig gedämmten Fenster belassen, aber dafür moderne Fenster mit höchstem Dämmungsgrad vorgesetzt, und wir haben Modernisierungssünden der Neunziger, Stichwort Plastikfenster, beseitigt“, erzählt der Architekt, der seit 2014 an dem Projekt arbeitet.

Im Erdgeschoss befinden sich moderne Funktionsräume mit medialer Anbindung, im Obergeschoss befinden sich die ebenfalls sanierten Wohnräume der Investoren, die als Vermieter für die Räumlichkeiten im Erdgeschoss auftreten. Dagmar Schmidt: „Wir haben inzwischen einen guten Vermietungsstand, die Spreewaldakademie ist aus Cottbus zu uns gekommen, die Spreescouts aus Burg und neuerdings der Verein Lausitzer Perspektive.“ Sie selbst, wie auch die Mitinvestoren Ina Fettig und Daniel Walaschek, wohnen seit ein paar Wochen in Raddusch und pendeln zwischen dem Spreewaldort und Berlin. „Dank der sehr guten Internetanbindung kann ich oft von daheim aus arbeiten“, lobt Daniel Walaschek das Radduscher private Funknetz. „Wenn irgendwann auch mal wieder die Bahn in Raddusch hält, sind wir mit unserer Entscheidung in Raddusch zu investieren, vollends bestätigt. Beinahe wäre mit dem Wegfall des Bahnhalts auch das Projekt gestorben, aber wir haben uns dennoch durchgerungen“, ergänzt er.

Die Besucher ließen sich im alten Tanzsaal vom Architekten Andreas Rieger die immensen Aufgaben im Detail erläutern, damit später auch der Saal in die Vermietung einbezogen werden kann. Hier soll mal ein Bildungs- und Veranstaltungszentrum entstehen. Andreas Rieger lobt den noch recht guten Zustand des Parketts, verweist aber auch auf den hohen Sanierungsaufwand im Detail. Auch die Decke, heute nur noch eine Bretterverschalung, wartet auf Wiederherstellung.

Ob das im alten Design möglich sein wird, ist aus Kostengründen fraglich. „Bei dem ehemals vorhandenen Stuck an der Hauptfassade haben wir uns auch für eine ganz andere Lösung entschieden. Durch den Auftrag von Farbornamenten wollen wir zeigen, dass auch optisch ein neues Gebäude für eine neue Nutzergeneration entstanden ist.“