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Einzelhandel
„Der Einzelhandel wird nicht aussterben“

Auf eine ansprechende Präsentation der Angebote wird in Lübbenauer Einzelhandelsgeschäften wie hier in der Ehm-Welk-Straße Wert gelegt.
Auf eine ansprechende Präsentation der Angebote wird in Lübbenauer Einzelhandelsgeschäften wie hier in der Ehm-Welk-Straße Wert gelegt. FOTO: Preikschat / LR
Lübbenau/Calau/Vetschau. Händler aus der Region sind überzeugt: Kunden werden die Lust am Shoppen nicht verlieren und Beratung auch in 25 Jahren noch zu schätzen wissen.

Das Konsumverhalten der Zukunft ist Thema gewesen im letzten Teil der RUNDSCHAU-Serie „Ich kaufe regional“. 1300 befragte Leser haben ihre Meinung geäußert – unter anderem zu bargeldlosem Einkaufen, zu Rabatt- und Bonussystemen, zu einem innovativen Lieferservice sowie auch den Überlebenschancen der Traditionsstandorte angesichts des Online-Handels. Nicht weniger interessant und aufschlussreich jedoch ist der Blick von Händlern aus der Region selbst.

Bäckermeister Philipp Fumfahr, Inhaber der Vetschauer Bäckerei Wahn,  glaubt, dass vieles im Handel bleibt wie es heute ist. „Wobei es mehr Produkte als heute ins Internet schaffen werden“, schränkt er ein. Und es werde neue, abgefahrene Bestell- und Bezahlsysteme geben, auch neue Wege der Auslieferung, beispielsweise per Drohne. Der Bäcker werde seiner Ansicht nach nicht nur täglicher Versorger mit Back- und Konditoreiwaren, sondern mehr und mehr täglicher Treffpunkt sein. „Darauf werden auch wir uns einstellen müssen und zum Beispiel freies WLAN anbieten“, ist er sich sicher. Das Angebot werde ganz individuell werden, Bestellungen funktionierten über das Internet. „Das wieder bedeutet, wir brauchen computerbewanderte Mitarbeiter und solche, die Bestellungen an die Haustür bringen. Das gab es ja schon mal.“ Das Handwerk aber gehe nicht zu digitalisieren, abgesehen von modernen Maschinen, die die Arbeit erleichtern.

Ähnlich wie Fumfahr sieht sich auch Jan Radke, Inhaber des Rewe-Marktes in der Lübbenauer Neustadt am Roten Platz, mit seinen Kollegen gefordert, um den Erwartungen der Kunden von morgen zu genügen. Aufgrund der demografischen Entwicklung in der Region werden beispielsweise seinen Rewe-Markt noch mehr ältere Menschen aufsuchen als heute schon. Und Radke glaubt zu wissen, was sie erwarten: Eine Art Marktplatz, der ihnen frische Ware aus der Region bietet, Fleisch, Obst und Gemüse, aber auch die Möglichkeit, ein wenig zu plaudern mit Bekannten. Gutes Personal werde wichtiger denn je sein in einem Rewe-Markt, weil gerade ältere Kunden beim Kauf auch beraten werden wollen. Möglicherweise müssen in 25 Jahren aufgrund des technischen Fortschritts gar nicht mehr so viele Mitarbeiter an der Kasse arbeiten, statt dessen mehr mit den Kunden ins Gespräch kommen.

Marion Goyn ist Sprecherin der Interessengemeinschaft „In Calau clever kaufen“.  Auch sie macht sich Gedanken darüber, wie sich der Handel wandeln wird in 25 Jahren: „Die Calauer Innenstadt mit der Einkaufsstraße ,Gemeinsam genutzter Raum‘  und dem breiten Branchenmix bietet eine gute Möglichkeit, den Grundbedarf abzudecken. Mit den Hotspots in der Innenstadt können wir gezielter Marketing für unsere Geschäfte betreiben und regionale Produkte anbieten. Die persönliche Beratung durch einen Händler, der keine unbekannte Person ist, ist vielen Kunden besonders wichtig“, so auch ihre Erfahrung.

Das entspreche zudem dem Trend hin zur digitalen Entgiftung. Innovative, kreative Ideen bei allen Gewerbetreibenden und Immobilienbesitzern und eine gute Netzwerkarbeit seien dabei gefragt. Die nächsten Jahre würden entscheiden, ob eine Geschäftsübergabe an die nächste Generation möglich sei. Die IG „In Calau clever kaufen“ mit der IHK Cottbus und das Starterpaket der Wohn- und Baugesellschaft (WBC) für Gewerbetreibende könnten auf Wunsch dabei helfen.

Ebenfalls überzeugt davon, dass trotz Online-Handels „der Einzelhandel nicht aussterben wird“ ist Angela Glaubitz von der Interessengemeinschaft Altstadt (IGEA) in Lübbenau. Der Mensch habe nun mal das Grundbedürfnis, shoppen gehen zu wollen, Sachen aus- und anzuprobieren, an ihnen zu riechen, sie anzufassen, sagte sie. Ein sinnliches Erlebnis, das kein Online-Angebot bieten kann. Gerade Touristen suchen beispielsweise in der Lübbenauer Altstadt die kleinen Geschäfte mit dem regionaltypischen Angebot. „Sie möchten doch bummeln gehen im Urlaub und dann auch  Souvenirs mit nach Hause nehmen.“

Allerdings, das sagt die Inhaberin eines Souvenir- und Spielwarenladens auch, müsse der Einzelhandel künftig mehr denn je kämpfen. Ein gut sortiertes Angebot, immer mal wieder etwas Neues im Regal, eine freundliche Ansprache seien unabdingbar, ein Geschäft attraktiv zu halten. Dann stimme auch die Mundpropaganda. Und das sei das Wichtigste überhaupt.