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Der Befehl für die ersten steinernen Säulen

Lübbenau.. Am 16. Mai wurde die restaurierte Postsäule an ihrem alten Standort in der Lübbenauer Vorstadt (heutige Karl-Marx-Straße, vor der ehemaligen Schmiede) wieder feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Ich möchte dieses Ereignis zum Anlass nehmen, um alle interessierten Bürger und Gäste der Stadt Lübbenau nach dem vielen Hin und Her um diese Säule einmal etwas ausführlicher darüber zu informieren, was es eigentlich mit diesen kursächsischen Postsäulen auf sich hat. (wird fortgesetzt)


Nachdem das bereits 1989 erschienene Lexikon Kursächsische Postmeilensäulen in relativ kurzer Zeit vergriffen war, ist es der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen Dresden zu verdanken, dass im Jahre 1994, also immerhin 30 Jahr nach ihrer Gründung, eine 70-seitige Schrift „Postsäulen und Meilensteine“ herausgegeben wurde. Nachstehendes interessantes Faktenmaterial ist auszugsweise dieser Schrift ohne weitere Kommentierung entnommen, um die Authentizität der Aussagen nicht infrage zu stellen. Nur die in Doppelklammern ((...)) stehenden Textstellen wurden aus redaktionellen Gründen ergänzend eingearbeitet.
Im Zusammenhang mit der Landvermessung wurden alle großen und kleinen Städte aufgefordert, Zürner die jeweiligen Stadttore und die daraus führenden Wege mit Zielort und Entfernung mitzuteilen. Diese Aktion erstreckte sich trotz Mahnung über Jahre.

Erste Post-Charte
Bereits 1717 erschien die erste „Chur-Sächsische Post-Charte“ Zürners, welche bis ins nächste Jahrhundert in Gebrauch war. Wegen der militärischen Geheimhaltung und eintretenden Verzögerungen wurden die Zürnerschen Einzelkarten erst 1756 von Schenck in Amsterdam als „Atlas Augusteus“ herausgebracht.
Bei seinen Straßenvermessungen ging Zürner im wesentlichen von zwei Fixpunkten, den Städten Dresden und Leipzig aus. Hier begann die Messung am jeweiligen Stadttor, während bei den übrigen Städten in der Regel das Posthaus bzw. der Marktplatz der Ausgangspunkt waren.

Zürner hatte alles vermessen
Im Falle der Oberlausitz gab es lange Zeit erbitterten Widerstand, der sogar dazu führte, dass man Zürners Besuch ablehnte. Erst 1723 konnte dieser Streit durch die kurfürstliche Kanzlei geregelt werden. Im Verlaufe seiner Tätigkeit legte Zürner etwa 160 000 Kilometer kreuz und quer durch Kur sachsen zurück und konnte bis auf einige unbedeutende Nebenstrecken alle kursächsischen Straßen, auch in Thüringen und in der Niederlausitz vermessen. Selbst die ins Ausland führenden Poststraßen zum Beispiel nach Hof, Eger, Teplitz und Karlsbad wurden berücksichtigt.
Da die Setzung steinerner Postsäulen offensichtlich schon vorgesehen war, ließ Zürner im Abstand von 500 Ruten jeweils armstarke Holzpfähle von ca. 1,40 Meter Länge in die Erde rammen und anhäufeln, um Verlusten vorzubeugen. Damit wurde die Basis für den nächsten Schritt des weitreichenden Unternehmens geschaffen.

Befehl zur Säulensetzung
Im Rescript (Erlass) vom 12. September 1721 an die landesfürstliche Kammer wies Kurfürst Friedrich August I. erstmalig an, steinerne Postsäulen zu errichten, die nach den Anweisungen Adam Friedrich Zürners anzufertigen und zu setzen seien. Dem folgte am 19. September 1721 sein Befehl, dass dies zunächst in den Bereichen der Ämter Dresden, Meißen und Großenhain zu geschehen habe. Mit seinem Befehl vom 1. November 1721 dehnte er diese Maßnahme auf das gesamte „Churfürstenthum und incorporirte Landen“ aus. Zu den letzteren zählten die Ober- und die Niederlausitz, die Grafschaften Mansfeld und Henneberg, die Schönburgischen Lande sowie die Gebiete der Nebenlinien Merseburg und Weißenfels.
Dabei wurde der Oberlausitz diese Anordnung gesondert übermittelt, nachdem die gesamte Maßnahme dort nicht besonders freundlich aufgenommen wurde.
Zürner erhielt mit dem „Decret“ vom 14. Dezember 1721 gewissermaßen eine Generalvollmacht, nach welcher ihm Unterstützung, Information und später sogar neben der Extrabeförderung Vorspanndienste zu gewähren seien. Zürner unterstützte den Kurfürsten auf seine Weise, indem er in einer umfangreichen Abhandlung in insgesamt 24 Punkten Vorteile und Nutzen der neuen steinernen Postsäulen darlegte.

Zürners Genauigkeit
Bei der Durchführung all seiner Aufgaben bewies Zürner nicht nur unermüdlichen Fleiß und Ausdauer, sondern auch Exaktheit in der Ausführung.
Von Anfang an legte er über alle Vermessungen ein umfangreiches Aktenmaterial an. Dies versetzte ihn in die Lage, alle von den Städten gemachten Entfernungsangaben genau zu überprüfen und diesen für ihre Säulen die jeweiligen Inschriftenvorschläge zu übermitteln. Deren heutige Nachprüfung mit unserer Längeneinheit ergibt in fast allen Fällen eine erstaunlich gute Übereinstimmung, wobei geringe Differenzen oft auf Veränderungen des Straßenverlaufes zurückzuführen sind.
Als Arbeitsgrundlage erhielten die Steinmetzen in Kupfer gestochene Zeichnungen der einzelnen Säulentypen, wonach sie arbeiten mussten. Die Notwendigkeit erkennend, verfasste Zürner auch so genannte „Instructionen“ , die alle weiteren Arbeiten und Handgriffe regelten. Solche gab es zum Beispiel für die Maler, in denen die Anfertigung der Farbe und die farbliche Gestaltung der Säulen, insbesondere aber des Wappens, beschrieben war. Aber auch eine „Mäurer-Instruction“ existierte, die neben der Lagerung und dem Transport der Säulen auch deren Aufstellung und Zusammenbau eindeutig festlegte.
In den erhalten gebliebenen Aufzeichnungen und Aufstellungsakten sind oft auch persönliche Niederschriften Zürners enthalten, in denen er geführte Gespräche und getroffene Festlegungen niederschrieb. Aber auch Besichtigungen der aufgestellten Säulen führte Zürner durch, was nicht selten zu schriftlichen Auflagen für die jeweilige Stadt führte, in denen Verbesserungen bzw. Veränderungen gefordert wurden. Alles in allem war Zürner ein Mensch, der mit seinen Aufgaben weit über sich hinauswuchs und von dem man heute sagen kann, dass es wohl für die Durchführung der Landesvermessung und der Säulensetzung keinen besseren hätte geben können.