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| 02:47 Uhr

"Der 12. August ist jetzt künftig mein zweiter Geburtstag"

Siegfried Lehniger geht es von Woche zu Woche besser.
Siegfried Lehniger geht es von Woche zu Woche besser. FOTO: jcs
Boblitz. Es ist schwer, sich das Gefühl vorzustellen, wenn man mit der Diagnose Blutkrebs, Leukämie, konfrontiert wird. Der aus Boblitz stammende Siegfried Lehniger (59) musste es ertragen und erlebte im Sommer 2015 eine überwältigende Hilfsaktion bei der Suche nach einem Stammzellen-Spender. H.-Joachim Schiemenz

Er erzählt heute seine Geschichte mit sichtbarer Erleichterung. Ihm geht es von Woche zu Woche besser. Er lebt, so wie er selbst sagt, jetzt sein zweites Leben, das ihm ohne die großartige Hilfe vieler Menschen, Bekannter, Freunde und Kollegen kaum ermöglicht worden wäre.

Viele kennen ihn als freundlichen und hilfsbereiten Kollegen, der seit seiner Lehrausbildung im Boblitzer Betrieb Tief- und Wasserbau GmbH, vormals Meliorationsbau, arbeitete. Selbst ein Umzug nach Luckenwalde ließ ihn nicht die Arbeitsstelle wechseln, er fuhr eben diesen weiten Weg, um ihr treu zu bleiben.

Scheinbar nur eine Erkältung

Mitte März 2015 erwischte ihn scheinbar eine Erkältung, die jedoch nicht abklang. Zunehmende Schwäche wurde spürbar und die Arbeit fiel schwer. Seine Ärztin aus dem Medizinischen Zentrum in Lübbenau stellte die erschreckende Diagnose und verfügte die sofortige Einweisung ins Krankenhaus, Abteilung Onkologie. Hier begann dann der mühsame Weg des Siegfried Lehniger, um den Krebs zu bekämpfen.

Die Hoffnung auf eine Stammzellenspende schien sich nicht zu erfüllen, denn in der Datenbank war kein passender Spender registriert. So musste Lehniger zunächst Chemo-Therapien, zahllose Infusionen und Bluttransfusionen über sich ergehen lassen, doch er gab nicht auf.

Hilfsaktion

Die TWB-Kollegen, Freunde und die Familie starteten am 24. Juli den Aufruf zu einer Aktion, um Freiwillige zu finden, die sich typisieren lassen, um einen geeigneten Stammzellenspender zu finden. Insgesamt fanden sich 570 Freiwillige, die sich auf die Eignung als Spender untersuchen ließen und 166 spendeten Blut. Zeitweise reichten die Plätze in den Räumen der TWB GmbH nicht aus, die Freiwilligen mussten warten.

Nach einer Woche kam die erlösende Nachricht - der Treffer! Ein junger Mann aus Bayern war gefunden worden, bei dem die Übereinstimmung zu 95 Prozent gegeben war.

Dann musste es schnell gehen: erneuter Aufenthalt im Krankenhaus und am 12. August die Spende. Mittlerweile waren die Abwehrkräfte des Boblitzer Patienten gleich null und die Gefahr, an einer simplen Infektion zu erkranken, groß.

Spürbare Besserung

Doch es ging mit der Stammzellenspende alles gut. Seit seiner Entlassung aus der Klinik fühlt Siegfried Lehniger eine spürbare Besserung. Seine Blutwerte normalisieren sich, die Kräfte kehren zurück. Er fühlt sich, seinen eigenen Worten nach, wie in einem zweiten Leben. Zu Hause verrichtet er schon wieder häusliche Arbeit bis hin zum Bügeln. Seine Lebensgefährtin betreibt in Luckenwalde einen Blumenladen und freut sich mit ihm über seine deutlich sichtbare Genesung. "Ich kann sagen", so erzählt er, "dass der 12. August künftig mein zweiter Geburtstag ist und ab diesem Jahr werde ich ihn feiern."

Und er möchte sich für all die Hilfe bedanken - bei seiner Firma, bei den Kollegen, Freunden und vielen Unbekannten, die dem Spendenaufruf im Juli bereitwillig und spontan gefolgt sind.

Es wurde ihm auch ermöglicht, anonym eine Postkarte an den für ihn unbekannten Spender mit dem Dank für die Chance zum Weiterleben zu schreiben. In zwei Jahren darf Lehniger dann über das Krankenhaus einen Antrag stellen, und wenn der Spender auch einverstanden ist, kann ein Treffen vereinbart werden. Es wäre ihm ein wichtiges Anliegen, so Lehniger.