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| 02:43 Uhr

Den Mangel an Lehmanns im Dorf behoben

Mitte der 1990er-Jahre haben Kerstin und Marko Lehmann ein zwei Jahre lang leerstehendes Anwesen gekauft und komplett modernisiert. Neben den Töchtern Anna und Klara fühlt sich auch Retriever-Hündin Kira auf dem Grundstück pudelwohl.
Mitte der 1990er-Jahre haben Kerstin und Marko Lehmann ein zwei Jahre lang leerstehendes Anwesen gekauft und komplett modernisiert. Neben den Töchtern Anna und Klara fühlt sich auch Retriever-Hündin Kira auf dem Grundstück pudelwohl. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Bronkow. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden und Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Bronkow (Amt Altdöbern). Uwe Hegewald / uhd1 uhd1

Wenn Kerstin und Marko Lehmann nach den Gründen ihres Umzuges nach Bronkow gefragt werden, führen sie jeweils einen plausiblen und einen amüsanten Grund an. "Wir sind beide in Dörfern aufgewachsen und hatten nie mit dem Gedanken gespielt, in eine Stadt zu ziehen", sagt Kerstin Lehmann. "In Bronkow gab es viele Jahrzehnte keine Lehmanns, das mussten wir korrigieren", hält Ehegatte Marko mit einem Augenzwinkern dagegen.

Am Ende dürften die Vorzüge von Bronkow eine entscheidende Rolle gespielt haben. Ein unweit entfernter Segelflugplatz trägt den Ortsnamen, andere bringen das Dorf mit der bekannten Landfleischerei, dem Blitzer an der Autobahnanschlussstelle oder dem Massentourismus in Verbindung. Der setzt immer dann ein, wenn halb Sachsen zum Pilze sammeln die umliegenden Wälder ansteuert. "Der Wald mit seinem Rad- und Wanderwegenetz zählt zu den Filetstücken von Bronkow", unterstreicht Kerstin Lehmann.

So manche Radler durchqueren den Ort, um in den Spreewald, ins Lausitzer Seenland, zum Besucherbergwerk F 60, nach Fürstlich Drehna und in die Calauer Schweiz zu gelangen. Mit etwas Glück treffen Pedaleure auf Gertrud Lopp. "Für uns ist sie die Grande Dame von Bronkow, mit ihren bald 78 Jahren überdurchschnittlich fitt und eine Frau, die ihr Küchenhandwerk versteht. Wenn beim alljährlichen Zampern der inoffizielle Wettbewerb der schmackhaftesten Pfannkuchen und des leckersten Holunderlikörs ausgerufen wird, ist Gertrud immer vorn dabei", huldigen die Lehmanns.

Zuletzt ist es dem Paar sogar gelungen, der Seniorin, die immer mittwochs die Gymnastikgruppe leitet, das Pfannkuchen-Geheimrezept zu entlocken. Für Kerstin und Marko Lehmann ist das ein weiterer Beweis, dass sie und ihre beiden Töchter Anna (15) und Klara (12) im Dorf angekommen und willkommen sind. Gelegentlich werden Neuhinzugezogene in Lausitzer Dörfern mit Skepsis empfangen. Auch in der Erwartung, die Neuen könnten sich nicht angemessen in die Dorfgemeinschaft integrieren. Nicht so bei den beiden 42-Jährigen, die als junges Paar ein knappes Jahr im benachbarten Lipten wohnten. Marko Lehmann gilt als die regionale Gallionsfigur, was den Aufbau und das Führen einer Jugendfeuerwehr anbetrifft. Der prozentuale Mitgliederanteil pro Einwohner und die Erfolge auf Regional- und Landesebene setzen neue Maßstäbe.

Während sich das Familienoberhaupt zudem als Vorsitzender des Feuerwehrvereins einbringt, wird Gattin Kerstin oft mit Aktivitäten in der evangelischen Kirche in Verbindung gebracht. Zwei Amtsperioden war sie im örtlichen Gemeindekirchenrat tätig. "Bronkow besitzt eine idyllische Dorfkirche und mit Wilfried Karras einen couragierten Christen", schwärmt sie. Nicht nur bei den zurückliegenden, umfangreichen Bauarbeiten an und im Gotteshaus sei er der jederzeit anzutreffende Ansprechpartner gewesen. Wehmutstropfen: Gerne würden Bronkower ihre Zöglinge in der sanierten Kirche konfirmieren lassen, das jedoch gestaltet sich aufgrund der Neustrukturierung von Gottesdiensten schwierig. Problemlos funktioniere das Miteinander: Glühweinabende, Eierkuchenessen, Kirmes und Maibaumaufstellenwerden generationsübergreifend gelebt. Feuerwehrverein, Fledermausclub und der einstige Jugendclub - inzwischen haben Mitglieder das dritte Lebensjahrzehnt überschritten - geben Bronkow Charakter. Und mit dem im Herbst 2015 etablierten Kidsclub wächst die kommende Generation von Dorf- und Kulturgestaltern heran. Überstrahlt werden Bronkows Vorzüge von der zentralen Lage im Landkreis. Es genügt, Linien zwischen Ragow und Guteborn, Leipe und Großkmehlen, Schrakau und Bahnsdorf oder Hindenberg und Grünewald zu ziehen, um einen gemeinsamen Mittelpunkt zu finden: Bronkow. Nicht nur für die Einwohner selbst.

Zum Thema:
Aktuell leben in Bronkow 188 Einwohner, in Summe mit seinen Ortsteilen Amandusdorf, Saadow und Rutzkau sind es 319 Personen. 1990 waren es noch 414 Frauen Männer und Kinder. Im Mai 2014 ist Diplomingenieurin Martina Möller (Jahrgang 1954) aus dem Stand heraus zur Bürgermeisterin der Gemeinde Bronkow gewählt worden. Zu der Gemeinde zählen noch die Dörfer Lug und Lipten. Als größter Arbeitgeber gilt die Landboden Bronkow Agrar GmbH mit mehreren Unternehmenssäulen. Darunter die Bauernküche Bronkow inklusive des geräumigen Saals. Zu den Institutionen, die das Objekt jährlich für ihre Delegiertenversammlung und Auszeichnungsveranstaltung nutzen, zählt der Kreisfeuerwehrverband. Für viele schmerzlich: Am 1. Januar dieses Jahres schloss in Bronkow eine der letzten Dorf-Einkaufsmärkte der Region. uhd1