Nach den bisherigen Erkenntnissen würde nur eine Eiszeit die Weiterverbreitung des tückischen Pilzes Phytophtora verhindern. So erklärt es zumindest Dr. Jörg Schumacher vom Institut für Forstbotanik und Forstzoologie der Uni Dresden, der dem klitzekleinen pilzähnlichen Organismus seit längerem auf der Spur ist.
Ganz genau hat er den Winzling untersucht und herausgefunden, dass er etwa fünf bis zehn Jahre im Boden oder an der Wirtspflanze unbeschadet überdauern kann. Findet er günstige Bedingungen, keimt er aus, bildet ein Geflecht und Sporen mit Geißeln, die dann entlassen werden. Dafür braucht er aber die passende Temperatur. Sie liegt bei zehn bis 15 Grad Celsius, fand der Forscher heraus.
Steht dann der Bereich des Baumes im Wasser, steuern die Nachkömmlinge den nächsten Wurzelhals an. Nur an diese Stelle können sie andocken. Sie besiedeln die Wachstumsschicht eines gesunden Baumes und dann ist es auch um diese Erle geschehen. Zwar brauche der Pilz für einen älteren Baum länger, als für einen jungen mit einer dünneren Rinde, doch das Absterben ist nicht aufzuhalten, erklärt Schumacher die Wirkweise des nur unter dem Mikroskop zu erkennenden Parasiten.
So ist es auch kein Wunder, dass sich die kleinen todbringenden Kerle mittlerweile auf den gesamten Spreewald ausgebreitet haben. Erstmals seien sie 1998 in der Flieslandschaft aufgetaucht. Mittlerweile hat Phytophtora ganze Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass ein Flächensterben der Erle eingesetzt hat.
Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse. So betreut Britt Grundmann vom Institut für Forstbotanik und Forstzoologie eine Diplomarbeit, auf deren Untersuchung wichtige Informationen beruhen. Die neuesten Zahlen geben Anhaltspunkte für die Rate der Neuinfektionen.
In nur sechs Monaten ist der Anteil der im Ober- und Unterspreewald infizierten Bäume um gut ein Prozent gestiegen. Die Forscher rechnen damit, dass in knapp fünf Jahren ein Viertel der Bäume befallen sein würde. Geleichzeitig stellten sie fest, dass ein Prozent der neu infizierten Bäume innerhalb von sechs Monaten abgestorben waren.
Doch die Wissenschaftler haben auch den Schwachpunkt ihres Gegeners erkannt: Im Winter legt sich der Parasit „schlafen“ . Deshalb würde eine Eiszeit die Spreewald-Erlen retten, wogegen hohe Wasserstände im Sommer den sicheren Baumtod bringen. Darüber hinaus forschen die Dresdner an biotechnischen Verfahren. Nadelgehölze werden bei der Aufzucht in Baumschulen als natürliche Gegenspieler eingesetzt. So ist gesichert, dass nicht infizierte Bäume gezogen werden.
Für den Spreewald sind Rabattenpflanzungen angeraten, damit das Wasser nicht bis an den Wurzelhals der Erlen heranreichen kann. „Darüber hinaus probieren wir gemeinsam mit Firmen Präparate aus“ , sagte der Phytopathologe Schumacher. Doch bisher sei ungewiss, ob auf diesem Weg ein für den Spreewald geeignetes Gegenmittel gefunden wird.

Hintergrund Schneller Anstieg
 Die Gründe für die rasche Ausbreitung des Parasiten sieht Dr. Schumacher in der globalen Erwärmung und in der damit zusammenhängenden Klimaveränderung. So tragen die Hochwassersituationen zum schnellen Neubefall bei. Das Land Brandenburg ist flächendeckend betroffen. Im Spreewald sind rund 16 Prozent des Erlenbestandes krank.
Die Schwarz-Erle wächst im Spreewald auf 2923 Hektar, das sind 90 Prozent der bewaldeten Fläche.