ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:13 Uhr

Ehrenamt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Der Dieter Thomas Heck des Spreewalds

Wann immer es gewünscht ist, schlüpft Manfred Kliche in die Rolle von Spreewald-Original August Konzack, ehemaliger Gastwirt der Dubkow-Mühle. Unterhaltsame Momente sind dann vorprogrammiert.
Wann immer es gewünscht ist, schlüpft Manfred Kliche in die Rolle von Spreewald-Original August Konzack, ehemaliger Gastwirt der Dubkow-Mühle. Unterhaltsame Momente sind dann vorprogrammiert. FOTO: Uwe Hegewald
Raddusch. In jedem Jahr würdigen der Landkreis Oberspreewald-Lausitz und die Sparkasse Niederlausitz verdienstvolle Bürger. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Manfred Kliche (Raddusch). Von Uwe Hegewald

2017 war das große Jahr für Manfred Kliche. Sein Heimatdorf Raddusch (Stadt Vetschau) richtete das 14. Brandenburger Dorf- und Erntefest aus, im November bat er anlässlich seines 70. Wiegenfestes zur großen Geburtstagsparty und im Dezember reiste Manfred Kliche nach Senftenberg, um sich von Landrat Siegurd Heinze und Sparkasse-Niederlausitz-Vorstand Lothar Piotrowski den „Ehrenamts-Ritterschlag“ abzuholen.

„Mit 70 wollte ich eigentlich etwas kürzer treten“, sagt Manfred Kliche. Eigentlich, gibt der Terminkalender doch einen anderen Rhythmus vor. Noch an Silvester ging er seiner Tätigkeit als Gästeführer nach. „Dort stand eine Gästeführung durch Raddusch mit Besuch der Heimatstube inklusive Schmalzstullen-Pause und Gurken-Verkostung an“, erzählt das Radduscher Multitalent. Weit über die Dorfgrenzen hinaus ist Manfred Kliche als Ortschronist (seit 54 Jahren), Gästeführer, Laienschauspieler, Autor und Moderator bekannt. Seine Rednergabe, Detailkenntnisse und das Talent, mit Publikum oder Mitwirkenden in unterhaltsame Dialoge zu treten, machen ihn zum „Dieter Thomas Heck des Spreewaldes“.

Sein spontanes, verbales Schießen aus der Hüfte erklärt der 70-Jährige so: „Es gibt kein striktes Drehbuch und eintöniges Herunterrasseln von Geschichtszahlen. Wissenswertes wird doch für Zuhörer erst dann interessant, wenn Geschichte und Geschichten anhand von besonderen Ereignissen oder Anekdoten erzählt werden“, begründet er.

Bei gemeinsamen Moderationen mit Marlene Jedro aus dem Spreewalddorf Leipe läuft das Duo regelmäßig zur Hochform auf. Ob bei den jährlichen Spreewald- und Trachtenfesten oder in den Rollen der Spreewaldoriginale „Anna und August“. „Ich mag die Rolle des legendären August von der Dubkow-Mühle. Da ich ihn noch persönlich kennenlernen durfte, fällt es mir leicht, ihn darzustellen“, so Manfred Kliche. August Konzack werde äußerst treffend mit „Schwejk des Spreewaldes“ beschrieben, sagt er. Bei einer Buchlesung (2011) mit Peter Becker in der historischen Dubkow-Mühle schlüpfte der Radduscher erstmals in die August-Rolle, dem geistigen Schöpfer des legendären Dubkow-Frosches, der in Konzacks Mühlenkeller angekettet sein soll.

Dass Manfred Kliche als Radduscher Schmied inzwischen auch Lausitzer Mundart-Nachmittage mitgestaltet, war irgendwie abzusehen. „Ostern 2018 werde ich in der Sensenschmiede Klein Radden (Stadt Lübbenau) erstmals einen Schulinspektor darstellen“, kündigt der 70-Jährige an. Doch woher kommt sein moderierendes und schauspielerisches Talent? „Meine sechs Jahre ältere Schwester kann sich noch erinnern, wie ich bereits im Kindes- und Jugendalter bekannte Fernseh- oder Rundfunkmoderatoren nachgeahmt habe. Allzu gerne auch DDR-Kultmoderator Heinz Florian Oertel“, räumt Manfred Kliche eine „gewisse Vorbelastung“ ein. In den 80er-Jahren moderierte er zahlreiche Dorf- und Reiterfeste in mehreren Landkreisen; über einen Zeitraum von fünf Jahren sogar den Kahnkorso von Lübbenau. „Das geht natürlich nur an der Seite einer verständnisvollen Ehefrau“, betont der Vollblut-Spreewälder, der sich selbst immer mehr zu einem Original entwickelt.

In Raddusch, wo er im Alter von 16 Jahren den Job des Ortschronisten übernommen hat, wird ihm spätestens seit dem zurückliegenden Landeserntefest Unsterblichkeit attestiert. An der Seite von Werner Buchan und Detlef Mecke arbeitete Manfred Kliche in den Arbeitsgruppen Festumzug und Kahnkorso mit, moderierte beide Höhepunkte des Erntefestes, ebenso das historische Kartoffelhacken. Die Heimatstube wurde zur zwischenzeitlichen Garderobe umfunktioniert, um auch rechtzeitig vor den Mikrofonen zu stehen. Rückblickend resümiert der Jubilar: „Ein grandioses Erntefest, bei bestem Wetter, mit zahlreichen Gästen und unvergessenen Momenten. Nur wir Radduscher hatten als Gastgeber wenig Zeit, um das Fest zu genießen.“ Was bleibt, sei Werbung für den Spreewald und für das Dorf, wo 2019 erneut mit zahlreichen Besuchern gerechnet wird. Dann feiern Raddusch und seine Gäste die erste urkundliche Erwähnung vor 725 Jahren.