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| 09:49 Uhr

DDR-Polit-Agitator studiert nun die Bibel

Burg. Günter Herlt tourt im Leseherbst durch Bibliotheken des Spree-Neiße-Kreises. Jener Günter Herlt, der manchen Besuchern noch als der Politagitator aus dem Fernsehen der DDR bekannt ist. Hier erleben die Zuhörer einen ganz anderen Günter Herlt, einen Autor mit Witz und Charme, einen ausgezeichneten Satiriker. Auch in der Spreewaldbibliothek Burg hat der Eulenspiegelautor Halt gemacht. Marion Hirche

Wechsel zum Eulenspiegel Günter Herlt begrüßt Gäste und Weggefährten. "Sie werden sich wundern, mich hier als Eulenspiegelautor wieder zu treffen. Das ist meine Art, Erlebtes zu verarbeiten", begründet der 72-Jährige dem Publikum seinen Wechsel auf die Eulenspiegelautorenseite. Herlt liest aus "Wenn der Opa mit der Oma". "Ich bin 71, zweimal Uropa – ich weiß also, wovon ich schreibe", erklärt er seinen Zuhörern und ergänzt: "Erst gab es Opageschichten. Da hat jeder nach Omageschichten gefragt. Und als die fertig waren, haben wieder alle nach Opa gefragt. Also habe ich ein Buch gemacht für Opa und Oma." Und daraus trägt er vor: Weihnachten steht vor der Tür und der Autor warnt davor, Oma ein Handy zu schenken. Was dabei rauskommt? Bei denen, die die Geschichte hören, bringt es die Lachmuskeln gehörig in Bewegung. "Aber auch ein Gutschein für eine Wellnessfarm ist bei Oma fehl am Platze, obwohl man das hier in Burg ja im Moment nicht laut sagen darf", sagt Günter Herlt, gut informiert über die gerade erst eröffnete Spreewaldtherme. Über Omas Erlebnisse bei der Verschönerungskur liest er trotzdem. Die Gäste erfahren noch, wie Opa zum Spieler wird. Und dann greift der Autor zum nächsten Buch: "Sekt oder Selters" heißt es, ist sein aktuelles und listet notwendige und überflüssige deutsche Feiertage auf. Nach dem Vortrag über den Reformationstag sehen alle Zuhörer diesen Tag völlig neu. Zumal der Schreiber bekennt: "Ich musste auch noch mal die Bibel zur Hand nehmen, um zu wissen, was da drin steht." Jeder hat sich bei der Lesung gesund gelacht. "Es war ein wunderbarer Abend. Es waren Spitzen-Texte und er hat sie toll vorgetragen. Es hat sich gelohnt, die acht Kilometer mit dem Fahrrad von Fehrow hierher zu kommen", freut sich Ingrid Birke. Edith und Manfred Nowitzki aus Burg sind von den Bibliothekarinnen um Leiterin Monika Lehmann zur Lesung eingeladen worden: "Die Mitarbeiterinnen in der Bibliothek beraten uns immer sehr gut, sind stets nett. Da war es selbstverständlich, dass wir heute hierher kommen. Und es hat sich wirklich gelohnt." Und Wolfgang Lang und Ute Heinzle schwärmen beim Anstehen zum Buchsignieren: "Es war mehr, als wir erwartet hatten. Er hat gleich aus mehreren Büchern gelesen. Es hat sich wieder bestätigt, dass Veröffentlichungen des Eulenspiegelverlags einfach gut sind." Organisatorin mit gutem Griff Auch Karin Wießner, die als Kreisbibliotheksmitarbeiterin die Lesetour organisiert hat, ist begeistert: "Ich glaube, hier haben wir einen richtig guten Griff getan." Günter Herlt bedankt sich beim Publikum: "Schön, dass die Glut der Literatur noch warm ist."