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750 Euro Rekorderlös für den Spendenverein „Wir helfen“
Das Wunder von Lehde

Von den Fröhlichen Hechten musikalisch eingestimmt und begleitet, lief es bei der Auktion der Spreewaldfischer im Lehder Hirschwinkel wie am Schnürchen. Insgesamt landeten 750 Euro für den guten Zweck in der Spendenbox der Lausitzer Spendenvereins "Wir helfen".
Von den Fröhlichen Hechten musikalisch eingestimmt und begleitet, lief es bei der Auktion der Spreewaldfischer im Lehder Hirschwinkel wie am Schnürchen. Insgesamt landeten 750 Euro für den guten Zweck in der Spendenbox der Lausitzer Spendenvereins "Wir helfen". FOTO: Uwe Hegewald
Lehde. Als „Wunder im Hirschwinkel“ wird die Fischauktion vom Sonntag im Spreewalddorf Lehde noch lange nachhallen. Wohl keiner der Spreewaldfischer dürfte einen Gedanken daran verschwendet haben, dass ihnen die Auktion zum Saisonauftakt der Lübbenauer Fischwochen einen solchen Erfolg beschert. „Das Sturmtief hat uns so manches Problem bereitet. Bis alles wieder im Lot ist und zumindest an Gewässern erster Ordnung alle Sturmschäden beseitigt sind, werden wohl noch Monate vergehen“, prognostiziert Karl-Heinz Starick. Von Uwe Hegewald

Jammern jedoch ist nicht der Stil des Ex-Hoteliers, und so schlüpft er zu Beginn der Fischversteigerung für den guten Zweck mit bekannter Souveränität in die Rolle des Auktionators. „Heute zählt jeder einzelne Fisch doppelt“, sagt er mit Blick auf die Wetterkapriolen der zurückliegenden Tage. Vielerorts versperren Bäume die Wasserwege. Äste, Zweige und Laub erschweren das Vorankommen oder bleiben in den Netzen hängen, in denen eigentlich Fische zappeln sollen.

Dass die Fischergilde dennoch ausreichend „Auktionsware“ bereitstellt, grenzt fast an ein Wunder. Darunter auch ein kapitaler Wels – der bisher größte Fang im Rahmen des jährlichen Abfischens der Spreewaldfischer im Gasthaus Hirschwinkel. Für 70 Euro erhält Gerhard Brunn den Zuschlag für den Rekordfang. „Der Kopf wird präpariert, alles andere proportionsweise eingefroren und bei Bedarf aus dem Tiefkühlfach genommen“, erzählt der Lübbenauer, selbst passionierter Hobbyfischer.

Annett Preuß hat zufällig von der Fischauktion erfahren und bekommt ihren ersteigerten Hecht sogar küchenfertig gereicht. „Wir machen mit dem Wohnmobil Station im Spreewald“, begründet die Urlauberin aus Bornhagen (Thüringen) ihre Bitte hinsichtlich der kleinen Campingküche.

Dieter Schneider aus Lehde und der Leiper Herbert Konzack erfüllen der vierköpfigen Familie den Wunsch. Sie haben „Tischdienst“, sind für das schmerzfreie Töten der Tiere zuständig, das Verpacken und dafür, dass es in der „Wir helfen“-Spendenbox tüchtig raschelt. Kernige Sprüche, gepaart mit viel Fachwissen sind das Erfolgsrezept.

Apropos Rezept: Wie Dieter Schneider mitteilt, bekämen Verbraucher ihren Fisch an diesem Tag nirgendwo frischer als im Hirschwinkel. „Mit Liebe und frischem Wurzelgemüse zubereitet – eine Delikatesse“, so das Lehdsche Urgestein. Weißfische gibt es zu Karpfen, Barsch, Hecht & Co. gratis dazu. „Die brauchen unsere Frauen, damit sie bei Fischsuppen den gewünschten Geschmack hinbekommen“, begründet Herbert Konzack.

André Schneider war mit dem Verlauf der Veranstaltung „mehr als zufrieden“. „Gäbe es nicht diesen festen Termin, hätten wir die ganze Sache aufgrund der vorangegangenen Wettergeschehnisse abgesagt“, teilt der Vorsitzende des Verbandes der Spreewaldfischer Lübbenau und Umgebung mit. Letztendlich wollte die Organisation mit rund 130 Mitgliedern aus drei Landkreisen (OSL, LDS, SPN) das traditionelle Abfischen nicht ins Wasser fallen lassen. „Unsere Fischer waren mit sieben Kähnen draußen, sie konnten aber nicht alle Fanggebiete ansteuern.“ Der Ertrag könne sich aber dennoch sehen lassen.

Um daraus ein Funktionieren der neuen Strategie abzuleiten, sei es jedoch noch zu früh. In früheren Jahren hatte der Verband noch bis zu 30 000 Euro in neuen Fischbesatz angelegt. „Unsere Investitionen konzentrierten sich zuletzt auf die Instandhaltung der Laich- und Fließgewässer. 2016 wurden von unserem Verband dafür Mittel in Höhe von 15 000 Euro bereitgestellt“, erklärt André Schneider.

Im Auftrag „seiner“ Fischerkollegen deckelt er den Spendenerlös von 452,50 Euro auf 600 Euro. „Wir legen weitere 150 Euro hinzu“, beteuert Daniel Schmidgunst von der Spreewald Touristinformation Lübbenau. 750 Euro – Rekorderlös beim Abfischen in Lehde.