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| 02:32 Uhr

Das war 2012 ". . .genau, Lübbenau"

Skyline Zerkwitz mit Mühle und Funkmast.
Skyline Zerkwitz mit Mühle und Funkmast. FOTO: jg
Lübbenau. Ein für Lübbenau bewegtes und bewegendes Jahr 2012 geht zu Ende. Was war wichtig für die Stadt, was war, um mit dem Motto des Brandenburg-Tages zu sprechen, ". . . genau, Lübbenau"? Jan Gloßmann

Was bleibt von 365 Tagen, die Erzählenswertes hervorbringen und Dinge, über die man nicht reden möchte? Zwei Ereignisse stehen beispielhaft für Lübbenau im Jahr 2012 - der grandiose Brandenburg-Tag einerseits und andererseits der Streit um den Bau eines Funkmastes in Zerkwitz. Die Stadt entwickelt sich vor dem Hintergrund kommunaler Finanznöte durchaus prächtig, doch muss sie wohl aufpassen, dass sie ihre Bürger dabei nicht vergisst.

Brandenburg-Tag: 100 000 Besucher haben Anfang September den Brandenburg-Tag und eine Fest mit allen Sinnen gefeiert. Unvergesslich bleiben gute Laune, Trubel, bestes Wetter, ein traditionell gestaltetes Schloss-Ensemble, ein "Fließ der geschmückten Kähne", die "SINNfonie der Lichter" in der Neustadt und vielleicht auch die "Spreewälderin" auf dem Kreisverkehr am Kaufland. Was bleibt, sagt Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos), ist die Gewissheit, "dass wir mit vielen Bürgern und vielen Helfern sowie unternehmerischer Unterstützung Großes stemmen können". Wenzel sagt das mit Blick auf das Stadtjubiläum 2015. Verbunden mit dem Landesfest ist die Hoffnung, dass viele Besucher die Stadt und den Spreewald auch in einer ruhigeren Minute kennenlernen und genießen wollen. Wenzel: "Wir haben unsere Werte gezeigt." Und es dürfte viel wert sein, dass der Brandenburg-Tag trotz geringerer Landeszuschüsse kein zusätzliches Geld über die Gesamtkosten von etwa 630 000 Euro hinaus beanspruchen wird.

Funkmast Zerkwitz: War der Brandenburg-Tag ein Fest mit allen Sinnen, so sind Sinne, Seelen und Nerven vor allem der Zerkwitzer arg strapaziert worden. Denn im August wurde bekannt, dass im Ortsteil ein für das künftig digitale Funknetz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten unverzichtbarer Mast auf dem ehemaligen Bauhof-Gelände stehen soll. Blöd nur, dass bereits daran gebaut wurde, als die Zerkwitzer davon erfuhren. Aller Protest einer schnell gegründeten Bürgerinitiative nutzte (bislang) nichts; auch ein Angebot, ein anderes Grundstück zu kaufen, wurde durch den Bauherrn ausgeschlagen. Die Zusicherung, dass von dem Mast keine gesundheitlichen Gefahren ausgehen, hat Skepsis und Furcht nicht verdrängen können. Und Bürgermeister Wenzel hat zweierlei lernen müssen: Ein juristisch korrektes Vorgehen von Behörden und Verwaltung ist nur die halbe Miete, wenn die Bürger sich allein gelassen fühlen und protestieren. Wenzel sagt: "Wir haben gut 20 Mobilfunk-Anlagen in der Stadt. Zu vielen wurden und werden wir gar nicht gefragt. Wir haben das Thema, weil es schon oft behandelt wurde und ‚durch' zu sein schien, unterschätzt." Jetzt werde diskutiert, wie die Stadt die Beteiligung der Bürger an Verfahren verbessern kann - obwohl so etwas rechtlich längt festgezurrt ist, beispielsweise über die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordneten in ihren Ausschüssen.

Mängel dabei gibt es, und die zeigen sich auch in einem der wichtigsten, zukunftsweisenden Beteiligungs-Vorhaben im Spreewalddreieck. Calau, Vetschau und Lübbenau diskutieren über die künftige Ausstattung der Kommunen - mit Schulen, mit Ärzten, mit Nahverkehr zwischen den Städten. Wenzel: "Die Probleme sind zwar erkannt, aber wir brauchen eine intensivere Diskussion, vor allem mit den Menschen." Doch viele sehen sich nicht mehr oder noch nicht als Betroffene, das Interesse an den Gesprächen hält sich daher in Grenzen. Möglicherweise bis es, wie in Zerkwitz, zu spät ist. Genau das, sagt Wenzel, soll jedoch nicht für Lübbenau stehen.