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| 02:32 Uhr

Das Leben ist wie eine Eiche

Das bisherige 60-jährige Familienglück war für Ruth und Helmut Weiß (beide Jahrgang 1932) aus dem Lübbenauer Ortsteil Boblitz wie das Wachsen der prächtigen Eiche auf ihrem Grundstück in der Rosenstraße – stark, robust und immer in Blüte.
Das bisherige 60-jährige Familienglück war für Ruth und Helmut Weiß (beide Jahrgang 1932) aus dem Lübbenauer Ortsteil Boblitz wie das Wachsen der prächtigen Eiche auf ihrem Grundstück in der Rosenstraße – stark, robust und immer in Blüte. FOTO: Marx/bdx1
Boblitz. Am morgigen Sonntag werden die Plätze im Festsaal des örtlichen Gasthauses "Boblitzer Hof" knapp werden. Familienmitglieder, Verwandte, Nachbarn und viele Freunde feiern gemeinsam mit Ruth und Helmut Weiß ein bewegendes Familienfest. Es ist die Diamantene Hochzeit. Bernd Marx / bdx1

Es schien dem damals 13-jährigen Helmut Weiß, als wäre ein junges Bäumchen von dem schlesischen Ort Buchendamm bei Glogau urplötzlich in den Spreewald verpflanzt worden. Der lange Flüchtlingstreck gab im Frühjahr 1945 der Mutter Berta Weiß und ihrem Sohn Helmut die Richtung vor. Über die Stationen Redlitz und Groß Klessow fand Helmut seinen neuen "Pflanzort" in Boblitz. Dass es der endgültige Platz zum Großwerden sein sollte, konnte der damals in "Stellung" arbeitende junge Landwirt nicht ahnen.

Als der einstige Flüchtlingsjunge Helmut Weiß Ruth Doring beim Boblitzer Dorftanz sah, bekam sein Leben eine "herzliche" Wendung. "Wir haben uns sofort gut verstanden", erinnert sich Ruth Weiß mit einem Lächeln. Und nicht nur das. Man lernte sich schätzen und lieben. Für beide jungen Leute war der Lebenskurs abgesteckt. 1954 läuteten die Hochzeitsglocken. Und damit "wurzelte" Helmut endgültig im Spreewalddorf, in der Boblitzer Rosenstraße mit der Hausnummer 13.

Im Betrieb für Melioration erlernte er den Beruf des Meliorationsfacharbeiters, dem er bis zum Erreichen des Rentneralters treu blieb. "Es war eine sehr harte, aber auch sehr interessante Arbeit im Betrieb", so der heute 81-jährige Helmut, der einst in seiner knapp bemessenen Zeit Touristen über die Spreewald-Fließe kutschierte. So gut, dass er als erster Boblitzer Kahnfährmann im Jahre 2003 das "Goldene Ehrenrudel" überreicht bekam.

Ruth suchte sich ihr Auskommen in der Landwirtschaft. Erst bei der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Typ I Boblitz/Groß Lübbenau und später in einer Vermarktungshalle der LPG Groß Beuchow.

"Wenn man eine Familie aufbauen möchte, dann sind Träume fehl am Platz", erzählt Ruth Weiß mit ihrer über 80-jährigen Lebenserfahrung.

Bis heute gilt ihr inniges Interesse der Heimatgeschichte rund um den Spreewald.

"Ich lese jeden Tag die RUNDSCHAU und weiß damit über die neuesten Forschungsergebnisse in der Region immer bestens Bescheid", sagt Ruth Weiß, die der örtlichen Heimatforschung immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Bei zahlreichen Zeitungsartikeln wirkte sie als Akteur mit.

Besonders die Boblitzer Schober- und Hafenfeste hatten es ihr angetan. Mit ihren traditionellen Vespern sorgte sie bei Jung und Alt für historisches Aufsehen und lukullischen Genuss.

Mehr als 60 Jahre lang verfolgen Ruth und Helmut Weiß das Wachsen der prächtigen Eiche auf ihrem Grundstück. Auch ihr Leben vergleicht das Diamantene Paar mit dem Wachstum einer Eiche. Jedes Jahr stand der Baum in voller Blüte. So mancher Sturm brachte ihn ins Schwanken, aber nicht zu Fall. Blitze schlugen ein, Äste fielen herunter, und der Baumriese wechselte ständig sein Laubdach.

"Nach jedem Gewittersturm scheint wieder die Sonne", weiß Helmut Weiß. Ruth nickt zustimmend ihr Haupt mit dem weißen Haar.

Das Familienglück machen die Töchter Elke und Evelyne sowie die Enkelkinder Verena, Linett, Henry und Andre komplett. Mittlerweile sorgen schon die Urenkel Jeremy, Luke, Gina, Aaron, Vanessa und Ilea für Spaß und Abwechslung am Kaffeetisch. So wie am Sonntag, wenn Ruth und Helmut Weiß ihre "Diamantene" feiern. Und an ihrer Eiche zeigen sich dann vielleicht schon die ersten grünen Triebe.