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Das Landeserntefest als Sprungbett?

In der Kita Marjana Domaskojc ist die Jury mit sorbischen Liedern und Tänzen unterhalten worden. Seit zehn Jahren is Michaela Murrer Leiterin der zweisprachigen Einrichtung. Dorf-Neuigkeiten gab es ebenso von Andrea Moll (Heimatverein), Irene Linke (Storchenmutter), Matthias Hantscher (Sportverein) oder Ortsbeiratsmitglied Peter Schapp.
In der Kita Marjana Domaskojc ist die Jury mit sorbischen Liedern und Tänzen unterhalten worden. Seit zehn Jahren is Michaela Murrer Leiterin der zweisprachigen Einrichtung. Dorf-Neuigkeiten gab es ebenso von Andrea Moll (Heimatverein), Irene Linke (Storchenmutter), Matthias Hantscher (Sportverein) oder Ortsbeiratsmitglied Peter Schapp. FOTO: Hegewald/uhd1
Raddusch. Für die Bewertungskommission "Unser Dorf hat Zukunft" endet das Superwahljahr erst am Dienstag, 26. September. Uwe Hegewald / uhd1

Dann trifft sich die Jury, um über Sieger und Platzierte des Dorfwettbewerbes 2017 im Landkreis Oberspreewald-Lausitz zu befinden. "Die Bekanntgabe erfolgt im Rahmen der Kreistagssitzung im Dezember", informiert Jury-Vorsitzende Marlies Schön.

In Raddusch fand am Donnerstag die Stippvisite in den neun teilnehmenden Dörfern ihren Abschluss. Fünf Tage nach dem grandiosen Landeserntefest mit schätzungsweise 34 000 Besuchern hatte das Spreewalddorf Luft, um auch jene Personen durchs Dorf zu lenken, die besonders genau hingucken und -hören. "Raddusch ist der größte und agilste Ortsteil der Stadt Vetschau. Raddusch mausert sich, Raddusch hat Potential", befand Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos).

An Ortsvorsteher Ulrich Lagemann lag es dann, die Jury per Fahrrad zu den prophezeiten Potentialen zu lotsen. Kluger Schachzug: Ziele der bereits vorangegangenen fünf Teilnahmen wurden nur kurz gestreift, vielmehr die Aufmerksamkeit auf neue Entwicklungen gelenkt. Franziska Ast berichtete von Vorhaben auf ihrer Alpaka-Finca, Katrin Küster von ihren Erfahrungen als backende Genusshandwerkerin oder Künstler Siegfried Engelmann von den jüngsten Aktivitäten des Fördervereins Kunstdorf Raddusch. "Es ist schon bewegend, wie in einem so kleinen Ort eine Kunstscheune entsteht und Künstlern Ausstellungs-Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Leute wie Matthias Nevoigt oder Peter Becker haben hier sehr viel Herzblut reingesteckt", so der Kurator der Ausstellung.

Herzblut ist es auch, was Dagmar Schmidt, Ina Fettig und Daniel Walaschek neben einer deftigen Bausumme investieren. Sie verhelfen der ehemaligen Kaiserlichen Postagentur zu altem, neuen Glanz. "Damit verschwindet auch die letzte Schmuddelecke von Raddusch", freut sich Ulrich Lagemann auf die Wiedereröffnung 2018. Bei Marit Saaro bekam die Jury gezeigt, wie eine sanierungsbedürftige Bestands-Immobilie in ein edles Ferienhaus mit drei separaten Schlafzimmern verwandelt wird. "Zweieinhalb Jahre haben dafür benötigt", so die Vermieterin, der verbale Bewunderung nur so zuflog. "Das hat ihre Familie super hinbekommen", bemerkte etwa Simone Schökel vom Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung.

Dass die Verfügbarkeit von Unterkünften notwendig ist, macht Gästeführer Manfred Kliche bereits an kommende Höhepunkte fest: "2019 feiert Raddusch 725-jähriges Bestehen", so der Dauer-Moderator des zurückliegenden Brandenburger Dorf- und Erntefestes. Dass bei diesem auch tagsüber Züge der Linie RE2 hielten, ist im Dorf mit Wohlwollen aufgenommen worden. "Die Schließung der Haltestelle ist die größte Katastrophe und eine Ohrfeige für ganz Raddusch", kritisierte Ulrich Lagemann.

Deutlich spürbar sei das bei den Besucherzahlen in der Slawenburg und selbst in der Heimatstube. "Unser Dorf hat Zukunft" - das gehe aber nicht, wenn die Bahn vorbeifährt, haderte der Ortsvorsteher.

Eva Elmer von der Sparkasse Niederlausitz zählte erstmals zu den Mitgliedern der Jury, die nun die neun Dörfer hinter verschlossenen Türen bewerten wird. "Einfach wird das nicht. Jedes einzelne Dorf hat seinen unverwechselbaren Charme und individuelle Charakterstärken", so die Sprecherin des Kreditinstitutes, das den Dorfwettbewerb jährlich mit stattlichen finanziellen Zuwendungen unterstützt.

Manfred Kliche beweist Kämpfer-Qualitäten: "Selbstverständlich wäre es eine prima Sache, wenn wir uns den 2011 errungenen Titel nach Raddusch zurückholen könnten."