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| 16:14 Uhr

Das Kreuz mit dem Kreuz

"Kreuz des Südens" im Tagebau Greifenhain von Mikael Hansen.
"Kreuz des Südens" im Tagebau Greifenhain von Mikael Hansen. FOTO: Mikael Hansen/www.mikael-hansen.dk
Pritzen/Altdöbern/Albertslund (DK). Blaue Kreuze als Symbol der Bürgerinitiative (BI) Altdöberner See mahnen an Fassaden, Zäunen, Objekten zum fairen Umgang mit dem Gewässer. Ihm droht das Einspülen von Eisenhydroxidschlamm. Erneut wird so der Altdöberner See mit einem Kreuz in Verbindung gebracht. Uwe Hegewald

Pfarrerin Martina Schmidt (Kalkwitz) hat während des Heimatfestes in Pritzen an ein überdimensionales Kreuz erinnert, das sich am Boden des Altdöberner Sees befindet. 1993 ist es während der II. Europa-Biennale Niederlausitz vom dänischen Landschaftskünstler Mikael Hansen (*1943), mit Unterstützung von Bergarbeitern und schwerer Technik geschaffen worden. Die Bergleute waren es auch, die dem Kunstobjekt den Namen "Kreuz des Südens" gaben. Es misst 300 x 300 Meter, hat seinem Schnittpunkt 1,50 Meter unterhalb der Erdoberfläche. Die Scheitelbreite wird mit fünf Metern angegeben. Um einen entsprechenden Kontrast auf dem hellen Plateau zu erzielen, sind entlang der Schenkel ausgediente Transportbänder verlegt worden.

Mindestens einer fotografischen Aufnahme ist zu entnehmen, dass Hansens "Kreuz des Südens" eine blaue Farbe aufwies, wie die heutigen Mahnkreuze der Bürgerinitiative. Ulrike Rothe, ehemalige leitende Mitarbeiterin der IBA Fürst-Pückler-Land (IBA See) hat der RUNDSCHAU mitgeteilt, dass die Kontakte zur Künstlerszene weiter bestehen. "Mikael Hansen zählt zu den internationalen Unterzeichnern unserer Petition, den Altdöberner See als sauberen See nachhaltig zu bewahren", berichtet sie. Dieses Anliegen vertritt auch Pfarrerin Martina Schmidt. In ihrer Predigt würdigte sie das Kreuz am Boden des Sees als "ein gutes Symbol" und bündelte ihre Hoffnungen in den Satz: "Wünschen wir uns alle, dass dieses Symbol nicht bedeckt wird von riesigen Mengen von Schlamm."

Mikael Hansen ging vor über 20 Jahren noch einen Schritt weiter und sah in dem überdimensionalen Kreuz "ein Wahrzeichen, das gewisse Ereignisse in Raum und Zeit zeigt". Er befand: "1. Ehemals Ostdeutschland war hier, 2. Der Bergbaubereich war hier, 3. Der Tagebau Greifenhain war hier, 4. Die II. Europa-Biennale Niederlausitz fand hier statt. 5. Mikael Hansen war hier und grub sich 1,5 m tief in die Erde." Wie eng sich Kunstschaffende noch immer mit dem zwischenzeitlich als Künstlerdorf bezeichneten Pritzen und seinem angrenzenden See verbunden fühlen, wird am Beispiel von Jürg Montalta deutlich. Der derzeit in Berlin wirkende Schweizer Regisseur hatte 2010 mit der Veranstaltungsreihe "Paradies 2" der Internationalen Bauausstellung und der gesamten Region ein ebenso finales wie fulminantes IBA-Abschlussjahr beschert. Auch soll er gemeinsam mit der BI Altdöberner See an der kürzlichen Aktion "Wasser marsch" und dem fiktiven Anbaden im See mitgestrickt haben.

Zum Thema:
Mit dem ehemaligen Gipfelkreuz an Altdöberner Uferseite (Höhe 105) steht ein weiteres Kreuz mit dem Altdöberner See in Verbindung. Im August des Jahres 2008 hatten es ehemalige Einwohner aus Klein Jauer errichtet. Doch es stand nur wenige Tage und wurde dann von Unbekannten umgesägt. Die Aufsteller wollten mit ihrer Aktion an das Schicksal ihres Dorfes und das der Nachbarorte erinnern, die dem Braunkohletagebau Greifenhain weichen mussten, sowie an die 26 Bergleute, die dort ihr Leben gelassen haben.