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Das halbe Dorf auf den Beinen

Die Wettbewerbsjury hat sich vom Gemeinschaftsleben in Muckwar überzeugt. Treckersammler Manfred Bronk hatte Alttechnik vorgefahren.
Die Wettbewerbsjury hat sich vom Gemeinschaftsleben in Muckwar überzeugt. Treckersammler Manfred Bronk hatte Alttechnik vorgefahren. FOTO: Peter Becker/peb1
Muckwar. Um die Zukunft braucht sich das Dorf wohl keine Sorgen zu machen. Das spürt der Besucher schon beim ersten Gang durch den Ort. Peter Becker / peb1

Ob Muckwar allerdings den Wettbewerb gewinnen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Die Chancen stehen offensichtlich nicht schlecht. Die Jury hat sich am Ende nicht in die Karten gucken lassen, aber etwas sickerte schon durch. Jurymitglied Rudolf Kupfer: "Das sich so viele Leute am Rundgang beteiligt haben, war für uns neu. Das haben wir so noch nicht erlebt."

In der Tat waren zeitweise über 50 Muckwarer, angeführt vom Ortsvorsteher Friedhelm Bronk, beim Rundgang durch das Dorf dabei. Seit neun Jahren steht er dem 150-Einwohnerort vor. Er hat schon das Brandenburger Dorf- und Erntefest 2012 mitorganisiert und einige Dorfwettbewerbe.

Der Rundgang startete im Kindergarten, wo die dörfliche Zukunft rein personell heranwächst. Über 20 Kinder erleben hier in dörflicher Ruhe eine unbeschwerte Zeit. Den Spielplatz haben die Einwohner in Eigenleistung gestaltet. Deshalb sieht er nicht so standardisiert aus wie anderswo und ist gerade deswegen ein Hingucker, wie Simone Scharmentke der Kommission berichtete. Im Buswartehäuschen stehen in schönster Krakelschrift die Namen von Jakob, Klara, Lenya, Nele, Thorben, Luka, Linus und Jolina. Diese Kinder haben mit etwas Unterstützung von Erwachsenen die Wände des Häuschens mit typischen Dorfbildern bunt gestaltet.

Glücklicherweise gibt es auch im Dorf einen findigen Bastler, der den Kleinen Elektromobilität verleiht. Sebastian Nasdal baut batteriegetriebene Fahrzeuge, mit denen die Kinder allererste Fahrübungen machen können. Fünf sind es inzwischen, zwei davon waren im Einsatz, als sie dem Kremser mit den Besichtigungsgästen durch Dorf folgten. Dieser machte am Friedhof ebenso Station wie auf freier Flur. Der Friedhof, genauer die Trauerhalle, zeugen von der Mitmachbereitschaft der Einwohner, alles ist sauber und ordentlich. "Dennoch gibt es immer wieder neue Arbeit", sagte der Ortsvorsteher, denn es sollen noch Flächen vor der Halle gepflastert werden.

Beim Stopp am Dorfeingang wurden die Probleme genannt, die auch vor Muckwar nicht Halt machen. Alexander Bronk, der schon mit 16 Jahren seinen Jagdschein machte, sprach von den immer zahlreicher vorkommenden Waschbären, deren Bekämpfung schwierig ist. Sein Vater Friedhelm, der Ortsvorsteher, sprach das vermehrte Auftreten der hochallergenen Ambrosiapflanzen an, was kaum in den Griff zu bekommen ist. "Wir sind ein Dorf mit vielen Baustellen, echten und auf uns zukommende. Eine davon ist die gerade erfolgende Verlegung eines Erdstromkabels, ein Glasfaserkabel ist aber nicht dabei." Damit kam ein wunder Punkt zur Sprache, der viele im Dorf betrifft. Der Internetzugang, die Netzanbindung - alles ist wenig zufriedenstellend. Das neue Feuerwehrhaus und die Löschtechnik sehen auf dem ersten Blick modern und chic aus. "Dem ist aber nicht so", berichtet Ortswehrführer Christian Schönfelder. "Das Auto darf nicht voll besetzt werden, die Garagentür ist ohne Fernbedienung - das alles kostet Zeit und Kapazität im Ernstfall, denn ein Kamerad muss die Tür bedienen", erzählt er der Kommission.

Damit waren dann auch schon die wesentlichen Dorfprobleme angesprochen. Gemeinschaftsleben, noch genauer das dörfliche Fest- und Feiergeschehen, standen wieder im Mittelpunkt. Auf dem Hof des Ortsvorstehers fand eine Kulissenparade statt. Hier befanden sich die Requisiten der letzten Feste, die reichlich Zeugnis von der ausgeprägten Feierlaune der Muckwarer ablegen. Einen Eindruck davon bekamen die Teilnehmer beim abschließendem Kaffee und Kuchen im "Krug zum grünen Kranze", denn Videos und Fotos der letzten Feiern liefen beim Abschlussgespräch im Hintergrund.

Zur Geselligkeit zählt bei den Einwohnern auch die regelmäßige Beteiligung beim wöchentlichen Sport. Petra Krüger berichtete von 26 Sportbegeisterten, die sich wöchentlich treffen. "Was sich bewegt, das lebt", so die ehemalige Berlinerin. Im alten Feuerwehrgebäude trafen sich in den letzten Tagen Frauen, die die Erntekrone banden. Damit wollen sie in Raddusch am Wochenende beim Erntekronenwettbewerb Brandenburgs punkten.

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Zum Thema:
Neun Dörfer im Oberspreewald-Lausitz-Kreis nehmen am diesjährigen Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" teil. Die Bewertungskommission besucht jedes Dorf. Im Norden waren es Mittwoch Bolsch witz und Muckwar. Am 13. September geht es nach Kalkwitz und Groß Mehßow. Den Abschluss bildet Raddusch am 14. September. Aus dem Süden des Kreises nehmen Dörrwalde, Schwarzbach, Kostebrau und Grünewalde teil.