Der Lokschuppen an sich weist allerdings einige Besonderheiten auf. So manchem Fußgänger in der Güterbahnhofstraße fiel sicherlich schon auf, dass ein massiver Backsteinanbau am Lokschuppen sehr dicht an den Straßenrand heranreicht. Der Fußweg wird stark eingeengt. Die Vermutung liegt nahe, der damalige Architekt hätte einen gravierenden Konstruktionsfehler begangen. Der Bau der damaligen Deutschen Reichsbahn wurde aber seinerzeit fehlerfrei seiner Bestimmung übergeben. Umbaumaßnahmen im Jahre 1941 sind Ursache dafür, dass an dem halbrunden Lokschuppengebäude ein eckiger Anbau erfolgte.

Seit dem 1. September 1939 tobte der Zweite Weltkrieg. Im Zuge der Kampfhandlungen zeigte sich, besonders nach dem Überfall am 22. Juni 1941 auf die Sowjetunion, dass die bisher im Einsatz befindlichen Dampflokomotiven den Ansprüchen der Wehrmacht nicht genügten. Es wurden zahlreiche Modelle überlanger Kriegslokomotiven gebaut. Sie erhielten zum Beispiel Kondensationstender, um die Abdampfwolke zu vermeiden und dem Wassermangel in der Weite der Sowjetunion vorzubeugen. Die Kriegsloks konnten bis zu 1700 Tonnen Last bei einer Steigung von acht Promille in einer Geschwindigkeit von immerhin noch 20 Kilometern pro Stunde ziehen. Bei gerader Strecke betrug die Geschwindigkeit 80 Stundenkilometer. Dabei war es egal, ob vorwärts oder rückwärts gefahren wurde.

Da diese Kriegsloks auch in Lübbenau gewartet und repariert werden sollten, wurde der Lokschuppen um zwei Backsteinanbauten in Richtung Güterbahnhofstraße und in südlicher Richtung der Gleisanlagen erweitert.

Der Lübbenauer Heimatforscher und Fotograf Otto Lange (1916 bis 1999) wertete Luftbildaufnahmen vom Lokschuppen aus den Jahren 1920 und 1953 aus. Dabei fielen ihm die baulichen Veränderungen auf. Der damalige verantwortliche Maurermeister für den Umbau wohnte ab 1941 bei Max Lange (1871 bis 1950), Vater von Otto Lange, in Lübbenau.

Die Eisenbahn spielte in der Spreewaldstadt Lübbenau schon immer eine wichtige Rolle. Vor 150 Jahren, im Jahre 1866, ermöglichte die Eisenbahn der Lübbenauer Einwohnerschaft auf der Strecke Berlin - Görlitz den Anschluss an die weite Welt. Im Jahre 1874 folgte der Bahnanschluss von Lübbenau nach Kamenz.