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Das Dorf mit dem schmucken Feenschlösschen

Die Traktoristen vom Feenschlösschen: Jürgen (58), Matthias (34) und Adrian Lehnigk (2) zählen zu den insgesamt sechs Bewohnern des markanten Cabeler Hauses.
Die Traktoristen vom Feenschlösschen: Jürgen (58), Matthias (34) und Adrian Lehnigk (2) zählen zu den insgesamt sechs Bewohnern des markanten Cabeler Hauses. FOTO: Uwe Hegewald
Cabel. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten und 32 Gemeinden plus Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Station heute: Cabel (Stadt Calau). Uwe Hegewald

Am Fuße der Calauer Schweiz gelegen, von Hügeln, Wäldern und Wiesen flankiert, zählt Cabel zu den attraktiven Ortsteilen der Stadt Calau. Und das beschauliche Dörfchen besitzt Magnetwirkung: Bereits zu DDR-Zeiten zog es Naturliebhaber dutzendfach nach Cabel, wo sich am Dorfrand gleich zwei Gartensparten gründeten. Vorzüge und Gründe? In Distanz zur Stadt entspannen und erfüllenden Freizeitbeschäftigungen nachgehen.

Familie Lehnigk ging einen Schritt weiter. Seit dem 22. April 1992 wohnen Birgit (58) und Jürgen Lehnigk (58) dauerhaft in Cabel, seit 2013 auch ihr Sohn Matthias (34) mit Lebensgefährtin Sandra (34) und ihren Kindern Alana (6) und Adrian (zweieinhalb). "Klar waren wir froh und glücklich, als wir Ende der 80er-Jahre in Calau eine Neubauwohnung beziehen durften. Mit drei Kindern in einer Zweieinhalbraum-Wohnung zu leben, konnte jedoch kein Dauerzustand sein", sagt Jürgen Lehnigk mit dem Blick zurück. Bei den in Laasow und Werchow aufgewachsenen Eheleuten überwog die Sehnsucht nach einem eigenen Grundstück mit Häuschen. In Cabel wurde das Paar bei einem Osterspaziergang fündig. "Selbstverständlich" antwortete das Familienoberhaupt auf die Frage von Begleitern: "Wäre das nicht die perfekte Ranch für dich?" Einen Tag später düste Jürgen Lehnigk mit seinem Moped zur allein wohnenden Ruth Freifrau von Hühnefeld, um der Dame seine Kaufabsichten für das imposante Gebäude zu unterbreiten. Ein Gebäude mit Charme und Stil, das seit unbekannter Zeit den Kosenamen "Feenschlösschen" trägt.

Nach mehrjähriger Restaurierungsphase und ausgeklügeltem Wohnungstausch hatte das Dorfleben die Lehnigks wieder - oder auch andersrum. "Ringsum grün, die Cabeler Berge vor der Haustür und in drei Minuten in der Stadt - was will man mehr", schwärmen die Feenschlösschen-Bewohner bis heute. Platzangebot und Grundriss animierten die Nachfolgegeneration, noch einmal zu Maurerkelle und Farbpinsel zu greifen. "Wir hatten uns schon länger die Frage gestellt, wo wir einmal sesshaft werden wollen und dabei auch einen Umzug zu den Eltern ins Kalkül gezogen. Mit der Geburt von Töchterchen Alana wurden die Vorhaben konkretisiert", erklärt Matthias Lehnigk die Rückkehr in das Dorf, in dem er aufgewachsen ist.

Samt seinen Gegebenheiten, die so vielen Dörfern in der Lausitz Charakter verleihen: Zampern, Osterfeuer, Maibaumaufstellen oder das Mitwirken in der freiwilligen Feuerwehr. Dieses Steckenpferd hat sich der 34-Jährige zum Beruf gemacht. 2009 mit der Ausbildung begonnen, leistet er inzwischen seinen Dienst in den Reihen der Dresdener Berufsfeuerwehr. "Mit Abschluss der Bauarbeiten auf der Autobahn bin ich jetzt wieder in 40 Minuten im Depot", berichtet er von "humanen Fahrzeiten". Lebensgefährtin Sandra Schneider teilt seine Meinung. Als Ergotherapeutin pendelt sie täglich zwischen Cabel und Cottbus. "Zwecks Shopping hat die Stadt zwar Vorzüge, dauerhaft leben möchte ich in hektischen und stressigen Städten aber nicht", begründet sie. Dass sich die Kita für die beiden Sprösslinge nur rund einen Kilometer entfernt, im benachbarten Werchow befindet, wertet die junge Familie als zusätzlichen Glücksfall. Selbst der spätere Weg zur Schule dürfte kein Problem darstellen. Die Haltestelle für den Schulbus befindet sich im Zentrum des erstmals 1527 erwähnten Dorfes, in unmittelbarer Nachbarschaft von weiteren Cabeler Attraktionen, wie der Storchen-Horst, die altehrwürdige Sommerlinde (Kreis-Naturdenkmal), die Hotel-Pension Jank und natürlich das Feenschlösschen.

Zum Thema:
In Cabel leben aktuell 52 Einwohner. 1991 waren es 111, nach Kriegsende und Flüchtlingsstrom (1946) 319 Menschen. 1957 wurde Cabel ins benachbarte Werchow eingemeindet. Cabel besaß einst zwei Wasser- und eine Windmühle (Weinberg). Belegt sind ebenso eine 1866 eröffnete Braunkohlegrube namens "Andreas", eine Hutwerkstatt, die ehemalige Gärtnerei Babbe und das 1900 errichtete Ziegelwerk, das bis Ende der 60er Jahre bestand. 1998 wurde die Industrieruine beseitigt und das Ringofengewölbe zum Fledermausquartier erhoben. Das Gutshaus Cabel ist 1946 abgerissen worden, ein rätselhafter Gedenkstein im Gutspark erinnert jedoch an vergangene herrschaftliche Zeiten. Bei dem 1842 errichteten Monument handelt es sich um einen Ehestein anlässlich der Goldenen Hochzeit derer von Wilucki.