Von Peter Becker

Es ist eine Frage, die 58 Touristiker aus der Spreewaldregion besonders interessiert: Wird das Wasser der Spree überhaupt reichen? Im Cottbuser Lindner Congress Hotel haben sie sich am Dienstag getroffen, um etwas mehr über den entstehenden Cottbuser Ostsee vor der Spreewald-Haustür in Erfahrung zu bringen. Eingeladen dazu hat der Tourismusverband Spreewald sowie das Cottbuser Stadtmarketing.

Trockener Sommer bringt Zeitplan durcheinander

„Wir verstehen diese Veranstaltungen, übrigens die zehnte in fünf Jahren, als Empfehlungsmanagement für unsere Leistungsträger“, sagte Grit Bandemer vom Tourismusverband. Im Tagungsraum erfuhren die Teilnehmer vom Ostseemanager Stefan Korb, welche großen Ziele sich die Stadt Cottbus vorgenommen hat, wie sie sich in Richtung Osten ausdehnen wird und wie sie zur „Seestadt“ werden will. Ingolf Arnold, Leiter der Geo.Technik der LEAG, näherte sich in seinem Vortrag der Ausgangsfrage und konnte die Spreewälder beruhigen, wenn auch nicht die letzten Zweifel ausräumen. „Unsere Befüllabsichten stehen und fallen mit dem Wetter. Ein dritter trockener Sommer kann unsere Zeitpläne erneut beeinflussen“, sagte der für die Flutung Zuständige. Er spielte auf die medial stark beachtete „Flutung“ des Ostsees an, die schon nach 14 Tagen gestoppt werden musste. Wasser aus der Spree, abgeleitet über den Hammergraben, strömte damals für kurze Zeit über das Einlaufwerk in die Tiefe des ehemaligen Tagebaus Cottbus Nord.

Was passiert mit der Spree?

Susanne Felber von der Vetschauer Touristinformation wollte es genau wissen: „Was genau passiert nun mit der Spree, wenn deren Wasser zur Flutung eingesetzt werden soll?“ Ingolf Arnold antwortete mit der Prioritätenliste: Zuerst kommen der Spreewald, die Trinkwasserversorgung, die Fischteiche und anderes und ganz am Schluss, wenn Wasser übrig oder gar zu viel ist, werde der See geflutet.

Er lud die Teilnehmer ein, sich vor Ort ein Bild zu machen. Mit dem Bus ging es zum Einlaufwerk Lakoma, wo Arnold zu Demonstrationszwecken kurz die Stauanlage in Richtung Ostsee öffnete und ein paar Kubikmeter in die Tiefe schießen ließ. Danach wurde der „Hahn“ wieder zugedreht, denn Wasser ist auch im Herbst kostbar. Die Peitzer Fischteiche hängen am Hammergraben und natürlich der Spreewald, direkt und indirekt über die Spree. „Uns fehlt ein komplettes Niederschlagsjahr, hoffen wir auf keine Fortsetzung der beiden letzten Dürrejahre“, sagt Ingolf Arnold.

Hoffnung auf Ruhe für die Natur

Julia Kahl vom Amt Peitz informierte die Touristiker über die Pläne zum Seehafen Teichland und nahm die Teilnehmer zum dort entstehenden Hafen mit. Manfred Kliche, Gästeführer aus Raddusch sieht Parallelen: „Ich habe bei allem unseren Bischdorfer See vor Augen, den radduscher Haussee. Er wurde bereits vor Jahren geflutet und wartet nun auf seine touristische Erschließung. Würde er an einer großen Stadt liegen, wären wir sicher ein Stück weiter.“ Lars Springer von den Insidern sagt: „Das beste heute war, dass wir aus erster Hand Informationen bekommen haben, die wir gern unseren Gästen weitergeben wollen. Das macht unsere Arbeit vor Ort im Spreewald sicherer und kompetenter.“

Andrea Pursche von der Lübbenauer Touristinformation zeigte sich von den Dimensionen beindruckt: „Es ist ein visionäres Großprojekt, welches wir heute durch die sehr komplexen und wissensbasierten Ausführungen etwas nähergebracht bekommen haben – wir dürfen auf die Zukunft gespannt sein.“ Sie hofft zudem darauf, dass nach der Flutung und dem Ende der Baumaßnahmen im Umfeld die Natur auch wieder zur Ruhe komme.

Vergangenheit und Zukunft vereint

Bei der Rundfahrt um den entstehenden See gab es einen ganz kurzen Stopp auf einer unscheinbaren Brücke mit einem fast trockenen Bächlein darunter. „Das ist der Schwarze Graben, über den das abfließende Seewasser in den Spreewald strömen wird“, erklärte Ingolf Arnold. „Wenn alles gut geht, geht das schon in fünf oder sechs Jahren“ schob er noch in Richtung der Zweifler nach.

Tagesabschluss bildete ein historischer Rundgang mit Steffen Krestin vom Stadtmuseum. Der informative Rundgang vereinte die Vergangenheit der Stadt mit den am Morgen vermittelten Zukunftsplänen von einer einstigen Industrie- und Handwerkerstadt zur Seestadt mit besten Wohnlagen und Erholungsmöglichkeiten am 26 Kilometer langen Seeufer.

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