Gudrun Wilhelm und Emma Siegert können bald keine Atemschutzbehelfsmasken mehr sehen. Seit drei Wochen machen die beiden Mitarbeiterinnen im Kulturzentrum Gleis 3 in Lübbenau nichts anderes mehr, als nur noch Stoffe zusammen zu nähen und Schräg- beziehungsweise Gummibänder anzubringen. Mehr als 1000 Stück konnten bisher aus gespendeten Stoffen gefertigt und verteilt werden, wie Koordinatorin Queenie Nopper bestätigt.

Empfänger waren und sind soziale und medizinische Einrichtungen, aber auch Bauhof und Stadtverwaltung. Eine größere Lieferung hat Queenie Nopper vergangene Woche selbst in der Erstaufnahmeeinrichtung in Doberlug-Kirchhain vorbeigebracht.

Lübbenauer Netzwerk hilft beim Mundschutz-Nähen

Mit vielen Mitbürgern, erzählt die Frau vom Projektbüro Lübbenaubrücke weiter, sei ein Netzwerk geknüpft werden, so dass nicht nur bereits auf Maß geschnittene Stoffe in der Güterbahnhofstraße in Empfang genommen werden können, sondern zum Teil auch bereits komplett fertige oder halbfertige Masken. Was hoffentlich auch in den nächsten Tagen und Wochen so weitergeht. Queenie Nopper kann nur appellieren: „Wir rufen Lübbenauer auf, im eigenen Haushalt, bei Freunden und Verwandten nach Bettwäsche, Geschirrtüchern und Stoffen aus Baumwolle zu schauen. Wir brauchen diese Materialien dringend.“ Wobei sie betont, dass es sich um eine gemeinnützige Aktion handelt. Heißt: Die Masken werden kostenlos an gemeinnützige Einrichtungen weiter gereicht und an Institutionen mit erhöhtem Bedarf.

Wer als Privatperson eine Behelfsmaske haben möchte, könne sich modisch schicke Exemplare für wenige Euro bei Profis in ihren Geschäften holen, die derzeit auch jede finanzielle Unterstützung gebrauchen können.

Zu den nähenden Unterstützern des Lübbenauer Gleis 3 gehört auch Antony Jonneck von der proeuropäischen Partei Volt. Der Leiter des Lübbenauer Volt-Teams hat mit zehn Helfern Stoff für 500 Masken geschnitten. Darüber hinaus gingen die Helfer für 21 Lübbenauer einkaufen. 22 Einkäufe habe man bisher erledigt, außerdem wurden Briefe und Pakete zur Post gebracht. Gern, sagt Jonneck, versorge man noch mehr „Schützlinge“.

Lübbenauer Fußballer übernehmen Einkäufe

Ähnliche Äußerungen kommen von noch zwei weiteren Nachbarschaftshilfe-Initiativen in der Spreewaldstadt. Speziell für Senioren und Familien ohne Auto fuhr Unternehmer Christian Wegewitz vom Spreewaldeventservice mit jeweils einer Kollegin seit Mitte März Einkaufsmärkte an. Anfangs sieben bis acht Mal in der Woche, in den letzten zehn Tagen indes nicht mehr. Offenbar trauten sich mittlerweile mehr ältere Spreewälder selbst in die Einkaufsmärkte. Ob er das gut finden soll, wisse er nicht.

Zehn bis 15 Senioren oder Familien vor allem aus der Neustadt versorgen die Fußballer von der TSG Lübbenau. Der größte Sponsor des Vereins, die Spreewelten, stellen einen Kleinbus zur Verfügung für die Einkäufe. Aus Sicht von Mitinitiator Philipp Rödel könnte die Nachfrage ruhig etwas größer sein, aus den Dörfern würden kaum Anfragen kommen.

Rödel, Polizeibeamter und Jugendtrainer bei der TSG, versucht die Einkaufsfahrten immer schon am Vortrag mit den Unterstützten abzusprechen. Man stelle sich dann noch mal persönlich vor, lasse sich das Geld gegen Quittung geben und kaufe dann erst ein. Ist im Geschäft die gewünschte Ware nicht zu kriegen, wird oft noch mal telefoniert – und dann vielleicht etwas anderes genommen. Das passiere aber seltener, die Regale seien beständiger gefüllter als zu Beginn der Pandemie.

Rödel sagt aber auch, dass sich die Helfer manchmal abgrenzen müssen, wirklich nur einkaufen gehen und nicht noch weitere Serviceleistungen kostenlos verrichten. Sehr schnell sei man sonst dabei, zum Beispiel Fahrradschläuche zu flicken oder mit Hunden regelmäßig Gassi zu gehen.

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Kontakt zu den Initiativen


Projektbüro Lübbenaubrücke, Tel. 03542 403692.

Christian Wegewitz: E-Mail info(at)spreewaldeventservice.de, WhatsApp 01731052785.

TSG Lübbenau: E-Mail Tsgbotengaenger@gmx.de, Telefon 0152 51703141 und unter www.tsgluebbenau.de.

Volt Lübbenau: WhatsApp an 0174 5770211 und unter E-Mail Volt.Luebbenau@mail.de.