Die Gewerkschaft IG Bau-Agrar-Umwelt ruft in der Coronavirus-Pandemie zu Arbeit in der Landwirtschaft in Südbrandenburg auf. Gleichzeitig fordert die Gewerkschaft Schutzmaßnahmen und angemessene Vergütung von Beschäftigten.

Die Coronakrise hat auch für die Landwirtschaft weitreichende Folgen, nicht zuletzt, weil nicht wie gewohnt Saisonarbeiter aus Südosteuropa eingesetzt werden können. Daher animiert der Bezirksverband Südbrandenburg der Agrargewerkschaft zu „Ernte-Solidarität“. Das soll bedeuten, dass etwa Menschen, die in der Krise ihren Arbeitsplatz oder Beschäftigung verloren, sowie Studierende und Geflüchtete in der Landwirtschaft arbeiten.

Gewerkschaft plädiert für eine Erschwerniszulage

Dabei betont die Gewerkschaft, dass für alle Beschäftigten auch in der Landwirtschaft der Mindestlohn von 9,35 Euro gilt. Außerdem sieht sie in der erhöhten Gefahr von Ansteckungen einen Grund für eine Erschwerniszulage: Eingearbeitete Saisonkräfte sollten „mit einem Lohn nicht unter elf Euro pro Stunde vom Feld gehen“, sagt Gewerkschafterin Regina Grünberg. Im Spreewald sind solche Vergütungen für Arbeitende zwar möglich, oft aber nur, wenn Erntequoten durch Beschäftigte übererfüllt werden.

Neben der Vergütung der Arbeit müssen in den Augen der Gewerkschaft auch die Arbeitsbedingungen an die Pandemie angepasst werden. Dazu gehören etwa Möglichkeiten, sich auf dem Feld die Hände waschen und desinfizieren zu können.

Bei der Spargelernte im Spreewald werden diese Forderungen in manchen Betrieben zwar insofern umgesetzt, als Wassertanks und Desinfektionsmittel zur Verfügung stehen. Fließendes Wasser, wie von der Gewerkschaft gefordert, gibt es aber nicht immer.

Gewerkschaft verlangt individuelle Fahrten zum Arbeitsort

Zu den Forderungen der Gewerkschaft zum Schutz vor Ansteckungen gehört es auch, dass Beschäftigte nicht mit voll besetzten Kleinbussen zu Feldern gebracht werden sollen. Stattdessen müsse ihnen die Möglichkeit gegeben werden, mit privaten Verkehrsmitteln – Fahrrädern, Autos oder Rollern – zu ihrem Arbeitsort zu kommen und dafür von den Landwirten eine Entschädigung zu bekommen.

Für Saison-Arbeitskräfte fordert die Gewerkschaft Unterbringung in Einzelzimmern. Im Spreewald sieht etwa Bauer Karl-Heinz Ricken für Arbeitskräfte aus Südosteuropa Unterbringung in Zwei-Bett-Zimmern als angemessen an.