| 01:05 Uhr

Chronik Zwei Wegstunden sind gleich eine Postmeile

Lübbenau.. Die restaurierte Postsäule steht an ihrem alten Standort in der Vorstadt (heutige Karl-Marx-Straße). stellte nach dem vielen Hin und Her um diese Säule zusammen, was es eigentlich mit diesen kursächsischen Postsäulen auf sich hat. Grundlage dafür ist die Publikation der Forschungsgruppe „Kursächsische Postmeilensäulen Dresden“ . Im vierten Teil wurde berichtet, wer den Befehl zur Errichtung der steinernen Postsäulen gab. Daran schließt sich die heutige Folge an: Gerd Laeser


Bei seiner Landesvermessung benutzte Zürner ... die in der Landeshauptstadt üblichen Einheiten. Danach galt folgendes Schema: 2 Wegstunden = 1 Postmeile = 2000 Dresdner Ruten.
Die Entfernungen wurden von Zürner in Ruten gemessen, da der Umfang seines Messrades eine Rute betrug. Daraus ergaben sich dann für die Messstrecke Dresden-Dippoldiswalde beispielsweise 4590 Ruten bzw. für die von Dresden nach Glashütte 9352 Ruten.
Interessanterweise wurden nun aber nicht die Ruten oder Meilen zur Beschriftung der Postsäulen verwendet, sondern die Wegstunden und deren Bruchteile. Ein normal laufendes Pferd legte eine Postmeile in zwei Wegstunden zurück, so dass sich folgende weitere Vergleiche ableiten lassen:
125 Ruten = 1/16 Meile = 1/8 Wegstunde; 250 Ruten = 1/8 Meile= 1/4 Wegstunde; 375 Ruten = 3/16 Meile= 3/8 Wegstunde; 500 Ruten = 1/4 Meile= 1/2 Wegstunde; 625 Ruten = 5/16 Meile = 5/8 Wegstunde, 750 Ruten = 3/8 Meile = 3/4 Wegstunde; 875 Ruten = 7/16 Meile = 7/8 Wegstunde; 1000 Ruten= 1/2 Meile= 1 Wegstunde.
Alle angeführten Wegstundenbrüche finden sich tatsächlich unter den Inschriften der erhaltenen Postmeilensäulen.

Die Umrechnung
Uns interessiert natürlich, welcher Strecke nach heutiger Dimension dies entspricht. Eine Dresdner Rute war 4,531 Meter, was genau dem Messrad umfang entsprach. Somit gilt für: 1 Wegstunde= 4,531 km; 2 Wegstunden = 9,062 km = 1 Postmeile und für die Bruchteile der Wegstunden: 1/8 Wegstunde= 0,566375 km; 1/4 Wegstunde = 1,13275 km; 1/2 Wegstunde = 2,2655 km.
Wenn also zum Beispiel an einer Distanzsäule heute eine Entfernung von 4 3/8 Wegstunden angegeben wird, so entspricht dies einer Strecke von 26,619 Kilometer.
Es wurde schon erwähnt, dass Zürner jeweils im Abstand von 500 Ruten bei seinen Vermessungen anhalten und einen nummerierten Holzpfahl einschlagen ließ. Dies war dann der Standort für die später erfolgende Säulensetzung.
Nach 500 Ruten = 1/4 Meile wurde dann, wenn die Messstrecke zum Beispiel von Dresden aus begann, der Viertelmeilenstein mit der Reihennummer 1 gesetzt. Nach 1000 Ruten = 1/2 Meile folgte mit der Reihennummer eine Halbmeilensäule. Nach 1500 Ruten = 3/4 Meile war mit der Reihennummer 3 wieder ein Viertelmeilenstein fällig und nach 2000 Ruten = 1 Meile folgte die Ganzmeilensäule mit der Reihennummer 4. Diese Reihung wiederholte sich mit jeder neuen Meile und fand ihre Unterbrechung nur, wenn eine Stadt erreicht wurde, die Torsäulen oder Marktsäulen aufzustellen hatte. Wenn sich außerhalb einer Stadt die Straße verzweigte, so wurde mit der gleichen Reihennummer weitergezählt, so dass die Reihennummern durchaus doppelt vorkamen.
Distanzsäulen werden oft barocke Zeugnisse der Post- und Verkehrsgeschichte genannt, und in der Tat bestechen sie immer wieder durch ihre schlichte Schönheit und ihre Aussagekraft.
Zunächst nur als Torsäulen an den Stadttoren gedacht, wurden sie bald zu Marktsäulen variiert, welch letztere ab 1728 nahezu ausschließlich gesetzt wurden. (Fortsetzung folgt.)
Zusammengestellt von