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Chiara und die Alpakawolle

Praktikantin Chiara Bertko aus Cottbus leistete während ihres Praktikums in Raddusch die ersten wichtigen Schritte bei der Verarbeitung der Alpakawolle.
Praktikantin Chiara Bertko aus Cottbus leistete während ihres Praktikums in Raddusch die ersten wichtigen Schritte bei der Verarbeitung der Alpakawolle. FOTO: Peter Becker/peb1
Raddusch. "Die Schlechten ins Töpfchen, die Guten – bleiben!" Diese Gedanken hat die 15-jährige Praktikantin der Cottbuser Waldorfschule in den letzten Wochen öfter gehabt, wie sie bestätigt. Sie hat eine Alpakadecke, wie die geschorene Rohwolle der Rücken- und Seitenteile genannt wird, vor sich und zupft die Verunreinigungen mühselig heraus. Peter Becker / peb1

Sie kommen ins "Töpfchen", der große Rest wird einer weiteren Begutachtung unterzogen.

Ist die Wolle leicht verdrillt, gehört sie zur A-Ware. Chiaras Chefin Franziska Ast steht ihr beratend zur Seite, besonders dann, wenn es um die Unterscheidung zwischen dieser und der B-Ware geht. Auch die unterschiedliche Farbe spielt bei der Sortierung eine Rolle.

Franziska Ast betreibt in Raddusch die Alpacafinka und ein Hoflädchen, wie sie es nennt. Neben der Ernte, der Wollegewinnung, geht es auch um eine touristische Dienstleistung: Urlauber buchen gern eine Alpakaführung, um mit den sehr geduldigen und ruhigen Tieren entlang der Radduscher Kahnfahrt in die Stille des Spreewaldes zu spazieren - Balsam für die Seelen gestresster Großstädter. Chiara Bertko war manchmal dabei, sie lernte so den Alltag auf der Finca kennen. Dazu gehörten auch die weniger angenehmen Pflichten, die ihre Chefin in den Praktikumsaufgaben höflich mit "Stallhygiene" umschrieb…

Chiara durfte sich den Praktikumsplatz selbst aussuchen, nur mit Landwirtschaft sollte er zu tun haben, so lautete die Vorgabe der Schule. Ein guter Ansatz der Stadtschule für die Stadtkinder, um mehr über das Leben auf dem Lande, in und mit der Natur zu erfahren. Ein ihr zufällig in die Hände geratener Flyer der Radduscher "Alpakaflüsterin", wie sich Franziska Ast manchmal auch nennt, gab den letzten Anstoß. Chiaras Bewerbung fand Anklang, ihre Arbeit wurde gelobt und mündete nach drei Wochen in ein entsprechendes Praktikumszeugnis. Täglich fuhr sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Cottbus nach Raddusch und zurück - eine zusätzliche Belastung, wie sie bestätigt. An ihrem letzten Arbeitstag konnte sie auf eine einige prall gefüllte Säcke mit sortierter Wolle verweisen. Diese gehen nun je nach Qualität und Verwendungszweck auf die Reise zur Weiterverarbeitung. Zurück nach Raddusch kommen dann Garne, Strickwaren, Kopfkissen und andere Verarbeitungsprodukte, die der gesundheitsbewusste Verbraucher schätzt und auch immer öfter bereit ist zu erwerben, wie Franziska Ast bestätigt. Ihr Ziel ist es, durch kluge Verpaarungen der Tiere noch mehr Qualität in die Wolle zu bringen und auch die Farbvielfalt zu erweitern. Und wohl fühlen sich die Tiere ohnehin im Spreewald, auf der Weide am Radduscher Hafen und natürlich auch auf den Spaziergängen.