Von Jan Augustin

Eric Arts ist ein vielbeschäftigter Mann. Ihm gehören 18 Firmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, sagt er. Eine davon ist die Bolart Schweineproduktionsanlagen GmbH im Vetschauer Ortsteil Tornitz. Dort ist er gemeinsam mit Marcus Bolder Geschäftsführer. Der mit einem Stacheldrahtzaun gesicherte Betrieb liegt mitten im Wald und grenzt an ein Trinkwasserschutzgebiet. Nirgends in Brandenburg werden mehr Schweine an einem Ort gehalten – derzeit laut Arts rund 40 000.

Mit dem gebürtigen Niederländer ins Gespräch zu kommen, ist schwer. Aber es klappt. Wenn er dann anfängt zu erzählen, fallen viele Kraftausdrücke. Ungerecht ins Licht gerückt sieht er sich von Journalisten und Tierschützern. Politiker der Grünen und Linken kommen gar nicht gut weg. „Sie verbreiten eine Lüge nach der anderen. Ich habe noch niemanden betrogen“, sagt er. Aktuell richtet sich sein Zorn gegen Vorwürfe und Verdächtigungen, sein Betrieb sei mitverantwortlich für die Verbreitung von antibiotikaresistenten Keimen.

Zum Thema hat Benjamin Raschke, landwirtschaftlicher Sprecher der Bündnisgrünen im Brandenburger Landtag, zu einer Diskussionsrunde ins Alte Brauhaus nach Vetschau eingeladen. Raschke ist aus politischer Sicht einer der schärfsten Kritiker der Anlage. „Nur eine ökologische Haltung mit massiv reduzierter Tierzahl ist auf Dauer für die Region Spreewald verträglich“, sagt er. Die behördlichen Kontrollen würden bisher nicht ausreichen, „um ein Leid der Tiere und negative Auswirkungen auf Umwelt und Menschen der Region zu verhindern“.

Gespannt folgen gut 50 Gäste seinen Ausführungen und denen von Dr. Claudia Preuß-Ueberschär. Sie ist Veterinärmedizinerin und Sprecherin des Vereins Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft. „Diese ganze Schose der industriellen Tierhaltung geht nicht ohne Antibiotika“, sagt sie. Großbetriebe seien nur auf Effizienz getrimmt. Viel zu viel Tiere hätten zu wenig Raum und zu wenige Betreuer, die auch noch schlecht bezahlt würden. Ein Schwein sei bereits nach sechs Monaten mit einem Gewicht von etwa 110 Kilogramm ausgemästet und schlachtreif, obwohl die Tiere bis zu zwölf Jahre alt werden können. Einen unmittelbaren Bezug zur Tornitzer Schweinemast stellt die Tierärztin nicht her. Auch, betont sie, stammen die von ihr gezeigten Bilder von verstümmelten und toten Tieren nicht aus der wenige Kilometer entfernten Anlage.

Germanwatch fordert Schließung der Anlage

Direkter ist Reinhild Benning vom Verein Germanwatch. Die 1991 gegründete Entwicklungs- und Umweltorganisation engagiert sich laut Satzung für globale Gerechtigkeit und den Erhalt von Lebensgrundlagen. Reinhild Benning sagt, der Betrieb in Tornitz habe Umwelt- und Tierschutzregeln nicht beachtet. „Wir empfehlen: Diese Anlage gehört geschlossen, ein Ausbau darf keinesfalls genehmigt werden.“ Zum Thema Antibiotika zitiert sie eine wissenschaftliche Langzeitstudie. Diese sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Menge an verabreichtem Antibiotika mit der Größe der Anlage steigt. Durch das Futter komme das Produkt ins Schwein und werde zu 70 bis 95 Prozent wieder ausgeschieden.

Jedoch: „Wir benutzen nicht einen Krümel Antibiotika im Futter. Das kommt bei uns nicht rein“, erklärt der Tornitzer Anlagen-Betreiber Eric Arts. Sein Betrieb verzichte auch auf Wachstumshormone. Seit 25 Jahren gebe es nur vegetarisches Futter, also Getreide und Mais zum Beispiel. Im Vergleich mit anderen Großanlagen sei das einzigartig in Deutschland. Eric Arts ist der festen Überzeugung, dass Antibiotika nicht durch Landwirtschaft in Boden und Wasser gelangt, sondern durch die humane Medizin. Antibiotika werde in Tornitz nur nach tierärztlicher Medikation verabreicht – etwa, wenn ein Tier krank sei und eine Entzündung geheilt werden müsse.

Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt

In Rage redet sich der Bolart-Geschäftsführer auch, wenn wie zuletzt der Vorwurf laut wird, seine Anlage sei schuld an einer Grundwasserverseuchung. Zu dieser Interpretation war das Brandenburger Landesumweltamt Ende vergangenen Jahres gekommen.)$ Die Auswertung von Grundwasserbeschaffenheitsdaten und Wasserständen aus der Überwachung der Schweinemastanlage deuten auf einen aktuellen und permanenten Stoffeintrag in das Grundwasser hin, hieß es. Die Schadstoffverteilung weise auf undichte Güllebecken hin. In ihrer Nähe sei die Konzentration am höchsten. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt wegen unerlaubten Betreibens von Produktionsanlagen in Tateinheit mit Gewässer- und Bodenverunreinigung. Das bestätigt Oberstaatsanwältin Petra Hertwig.

Für Eric Arts sind das „alte Verschmutzungswerte“, die aus DDR-Zeiten herrühren. „Das kann man mir nicht in die Schuhe schieben. Wir haben kein Grundwasser verseucht“, sagt er.

Das Umweltministerium hatte überschrittene Grenzwerte im Grundwasser vor allem bei Nitrat, Ammonium und teilweise auch bei Nitrit bestätigt. Das Grundwassemonitoring soll deshalb erweitert werden. Von insgesamt 15 Messstellen werden 13 vom Betreiber selbst beprobt. Um die anderen beiden Punkte kümmert sich das Landesumweltamt. Eine Untersuchung auf Antibiotikarückstände ist behördlich jedoch nicht geplant, nach Düngemittelverordnung auch nicht erforderlich. Es gibt keine Grenzwerte für Antibiotika und für multiresistente Keime in Gewässern und im Boden.

Drei von sieben Güllebehältern bereits saniert

Von den sieben Güllebecken sind mittlerweile drei saniert worden, bestätigt Eric Arts. Für dieses Vorhaben gibt es sogar einen öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen ihm und dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz)$, die Behälter innerhalb von neun Monaten mit Zu- und Ableitungen zu erneuern. Eric Arts zufolge wäre das aber nicht notwendig gewesen: „Das wollten wir sowieso machen.“ Ohnehin investiere er mehr in seinen Betrieb als es die Vorschriften verlangen. In den vergangenen drei Jahren seien zwölf Millionen Euro in die Anlage gesteckt worden. Komplett neu seien die Lüftungsanlage, das Futterwerk, die Heizung, die Computertechnik und die Spaltenböden. Die alten Gülle führenden Rohre aus Metall seien alle durch stabile PET-Kunststoffrohre ausgewechselt worden. „Die gesamte Anlage ist auf Tierwohl ausgerichtet“, betont er.

Kritik an Ställen ohne Fenster

Günter Mudra aus dem zwei Kilometer entfernten Lobendorf „kann nur den Kopf schütteln“, wenn er Berichte über die Anlage hört oder wenn er selbst über sie spricht. „Das ist ein einziger Skandal“, sagt er am Ende der Diskussionsveranstaltung in Vetschau. Mudra hat jahrelang in der Landwirtschaft gearbeitet und im nahen Reuden früher selbst einen Schweinestall geleitet. Aber unter anderen Bedingungen und vor allem in lichtdurchlässigen Ställen. Die Tiere in Tornitz sähen das erste mal das Tageslicht, wenn sie zum Schlachthof gefahren werden, kritisiert er.

Eric Arts will das ändern. So soll die Dachhaut der Megaställe perspektivisch so ausgebaut werden, dass Tageslicht eindringen kann. Ob er an seinen Erweiterungsplänen festhält, will er allerdings nicht verraten.