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| 02:32 Uhr

Calaus Bibliothek kämpft online

In ein E-Book passen Hunderte Geschichten.
In ein E-Book passen Hunderte Geschichten. FOTO: dpa
Calau/Lübbenau/Vetschau. Die Stadtbibliothek Calau will dem "Onleihe-Verbund Niederlausitz" beitreten. Das System ermöglicht es den Benutzern, elektronische Medien von zu Hause aus auszuleihen. Je mehr Einrichtungen mitmachen, desto größer wird der Bestand. Lübbenau und Vetschau wollen nachziehen. Jan Augustin

Mal eben eine Kurzgeschichte der frisch gekürten Nobelpreisträgerin Alice Munro lesen oder anhören? Ohne dabei gleich ein Buch in seiner ursprünglichen Form zu kaufen oder auszuleihen? Das könnte bald in der Calauer Stadtbibliothek möglich sein. Die Einrichtung plant den Beitritt zum "Onleihe-Verbund Niederlausitz".

Die Bibliotheken Großräschen, Senftenberg und Spremberg gehören ihm schon an. Vorteil des Systems: Der Benutzer kann von zu Hause aus alle möglichen Formen digitaler Medien ausleihen: den Krimi per E-Book, einen wissenschaftlichen Aufsatz im E-Paper-Format, das Kinderhörbuch oder den neuesten Liebesfilm als Video. Je mehr mitmachen, desto größer wird der Bestand und damit die Auswahl für die Benutzer.

Im jüngsten Sozialausschuss ist der Vorschlag von Bibliotheksleiterin Steffi Clemens gut angekommen. Einstimmig beschlossen die Mitglieder, einen solchen Weg einzuschlagen. Einhelliger Tenor: "Gegenüber den neuen Medien sollte man aufgeschlossen sein."

Der Wunsch nach diesem Angebot käme nicht nur von den jüngeren Besuchern der Bibo, sagt Clemens. Gerade die ältere Generation frage immer wieder nach dieser Form der Ausleihe nach. Warum das Vorhaben auch mit viel Beifall aufgenommen wurde, hat noch einen anderen Grund: Der eigentliche Bestand der Bibliothek drohe zu veraltern, erklärt Clemens. Mit einem seit 1994 fast gleichbleibenden Etat und das bei gleichzeitig steigenden Bücherpreisen, sei es schwierig, das Material immer aktuell zu halten. Sachbücher seien jetzt teilweise schon älter als zehn Jahre.

Der Beitritt zum Verbund wäre mit Kosten verbunden. Für die Anschaffung der Software werden einmalig rund 4000 Euro eingeplant, die Betriebskosten liegen bei etwa 80 Euro im Monat. Dazu müssten jährlich 2000 Euro für die neuen Medien erbracht werden. Was Calau zudem plant - und was die Bibliotheken in Lübbenau und Vetschau bereits seit drei Jahren nutzen - ist das digitale Ausleihe-System, bei dem die Nutzer von zu Hause aus erkennen können, ob ihr Wunschbuch gerade vorrätig oder wie lang es noch verliehen ist.

Den Beitritt zum Verbund wünscht sich auch die Leiterin der Bibliothek Lübbenau-Vetschau Dagmar Schierack: "Wir würden gerne mitmachen." Ein positives Signal sendete Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos): "Wenn das sinnvoll ist, werden wir uns nicht versperren."