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Calauer Zahnräder greifen ineinander

Calau ist um eine Attraktion reicher. Mit der Eröffnung des Kirchturmuhrenmuseums wird Turmführer Dietmar Kschischow neben Fernsichtsuchenden und Glockenstubenbesuchern ab sofort auch Liebhaber nostalgischer Technik begrüßen dürfen. Maßgeblichen Anteil am Restaurieren der drei Uhrwerke trägt Reinhard Bareinz (rechts).
Calau ist um eine Attraktion reicher. Mit der Eröffnung des Kirchturmuhrenmuseums wird Turmführer Dietmar Kschischow neben Fernsichtsuchenden und Glockenstubenbesuchern ab sofort auch Liebhaber nostalgischer Technik begrüßen dürfen. Maßgeblichen Anteil am Restaurieren der drei Uhrwerke trägt Reinhard Bareinz (rechts). FOTO: Uwe Hegewald/uhd
Calau. Ein Kirchturmuhren-Museum ist in Calau eröffnet worden. Es beherbergt ein Fragment eines um 1700 produzierten Uhrwerks. Dabei handelt sich um eins der ältesten Exemplare, das in Teilen in Deutschland erhalten geblieben ist. Uwe Hegewald / uhd1

"Unsere Stadt ist um eine Sehenswürdigkeit reicher und unsere Kirche um einen Schatz", lauteten die Worte mit denen Hans-Jürgen Hanisch am Donnerstag Gäste in der Kirchturmuhrenstube begrüßte. "Es ist gut, etwas für die Nachwelt erhalten zu haben", so der Vorsitzende des Calauer Heimatvereins während der Eröffnung des Kirchturmuhrenmuseums.

Pfarrerin Kathrin Schubert würdigte die Idee, ein Kirchturmuhrenmuseum zu errichten, das reibungslose und zügige Umsetzen sowie die rastlosen Initiatoren. "Es ist schon als Glücksfall zu bezeichnen, dass das jüngere Calauer Uhrwerk nicht in den Schrott gewandert ist", so die Pfarrerin.

Drei Uhrenwerke umfasst das Museum, darunter ein 1956 in Dienst gestelltes mechanisches Werk (Baujahr 1920 bis 1930) das 1999 einer Funkuhr gewichen war sowie das Fragment eines um 1700 produzierten Turmuhrenwerkes. "Bei diesem handelt es sich um eines der ältesten Exemplare in Deutschland überhaupt", informierte Reinhard Bareinz. Der stadtbekannte Schlosser und Technik-Restaurator trägt entscheidenden Anteil, dass die drei Uhrwerke alten Charme zurückerhalten haben und zum Teil vor den Augen faszinierter Beobachter ticken. "Bereits vor zwei Jahren gab es erste Überlegungen zum Calauer Turmuhrenmuseum - dem ersten seiner Art im Land Brandenburg", so Bareinz, der mit Calaus ehrenamtlichem Kirchturmführer Dietmar Kschischow einen Seelenverwandten an seiner Seite wusste. Zustimmung kam auch seitens der Kirche, die es letztendlich befürworten musste, die Turmuhrenstube zum Museum zu erheben. Bei den beiden Calauer Uhrmachermeistern Reinhard Hemmerling und Maik Seifert suchten Bareinz und Kschischow fachkundigen Rat sowie in einer Fachlektüre, in der das Duo vier Wochen stöbern durfte. "Bibliothekarin Steffi Clemens hatte uns das Buch des Autoren Bernhard Schmidt beschafft, das sonst nur im Handel für 280 Euro zu haben ist", bedankte sich Reinhard Bareinz für das Mitwirken der Calauer Bibliothek. Bürgermeister Werner Suchner sah sich dabei in seinen Worten bestätigt: "Netzwerkarbeit kann man auch mit einem Uhrwerk vergleichen, wenn Zahnräder ineinandergreifen", so das Stadtoberhaupt. Erweitert wurde die Summe "menschlicher Zahnräder" durch das Benennen von zwei Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Einweihungszeremonie teilnehmen konnten: Wolfgang und Stephan Uhlig. Das Vater-Sohn-Paar habe die Calauer Kirchturmuhr schon vor vielen Jahren zur Herzenssache erklärt und so ein Stück Calauer (Zeit-)Geschichte am Ticken gehalten. Nach dem klassischen Heimatmuseum, am Fuße des Kirchturmes, dem Haus der Heimatgeschichte, der Bockwindmühle Schneider, dem Technikmuseum im Stadtteil Altnau sowie dem Oldtimer Museum "Mobile Welt des Ostens", ist das Kirchturmuhren-Museum das nunmehr sechste Museum der Stadt Calau. In 35 Meter Höhe (155 Treppenstufen) gelegen, dürfte es sich womöglich auch um das höchstgelegene Museum im Land Brandenburg handeln.

Zum Thema:
Ein Besuch des Kirchturmuhren-Museums ist im Rahmen der öffentlichen Kirchturmführungen mit Dietmar Kschischow möglich. Weitere Infos im Internet unter www.calau.de . Darüber hinaus sind die Initiatoren offen für Kontakte mit Institutionen oder Personen, die ein Kirchturmuhrenwerk besitzen und sich vorstellen können, dieses den Calauern als Leihgabe zu überlassen.