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| 15:48 Uhr

Trödelmarkt
Calauer Gartenstraße wird zur Flaniermeile

Heike Reischel (links) hat beim Straßentrödel in Calau unter anderem selbstgefertige Töpferwaren angeboten. Elf Familien haben sich an der dritten Auflage der Veranstaltung beteiligt.
Heike Reischel (links) hat beim Straßentrödel in Calau unter anderem selbstgefertige Töpferwaren angeboten. Elf Familien haben sich an der dritten Auflage der Veranstaltung beteiligt. FOTO: Uwe Hegewald
Calau . Verkehrsberuhigte Straße in Calau richtet zum dritten Mal einen Straßentrödel aus. Von Uwe Hegewald

Flanieren, Schauen, Shoppen – und das an einem Sonntag. In der Calauer Innenstadt war das am gestrigen Sonntag möglich. Zum dritten Mal verwandelte sich die Gartenstraße an einem Sommersonntag in eine Trödelmeile.

Annett Trappiel zählt zu den Ideengeberinnen und Initiatorinnen: „Ich wollte als Händlerin an einem Cottbuser Trödelmarkt teilnehmen und hatte das Auto so vollgestopft, dass eine Tür klemmte. Bei einem Nachbarn bekam ich Hilfe und die Anregung: warum machst du in Calau keinen eigenen Trödelstand auf?“, blickt sie zurück. Die Grundidee war geboren und selbige in die Nachbarschaft gestreut. „Aufgrund der Abwasserproblematik in unserer Straße und den daraus folgenden Forderungen der Behörden hatten wir seinerzeit ohnehin öfters zusammengesessen, die Idee vorangetrieben und letztendlich auch umgesetzt“, teilt Thomas Erbe mit. „In unserer Gartenstraße gibt es ein gutes Miteinander. Solche Aktionen tragen zu noch mehr Harmonie bei“, erklärt er.

Norbert Wuntke hat unter anderem eine Eisenbahnplatte auf den Hof gestellt und hofft auf Interessenten. „Mein Sohn hat keine Lust mehr, damit zu spielen und auch sonst keinen emotionalen Bezug zu der Bahnanlage der klassischen Spur TT“, begründet er. Gleichzeitig räumt er mit einem Augenzwinkern ein, dass das Interesse bei seinem inzwischen 31-jährigen Sohn erloschen sein könnte. Mit seinen Angeboten weiß Norbert Wuntke zu punkten.

Binnen weniger Minuten wechseln Drehbank-Meißel und ein Schlauchboot die Besitzer. „Im nächsten Jahr geht’s an die Ostsee, zuvor werden wir das Boot auf dem Gräbendorfer See einem ersten Belastungstest unterziehen“, begründet Thomas Mudrick, warum er zugeschlagen hat.

Es ist nicht das einzige Mal, dass die Mudricks auf einem der elf teilnehmenden Grundstücke fündig werden. „Der Calauer Straßentrödel hebt sich von anderen bekannten Trödelmärkten ab. Hier ist das Ambiente einladender, die Gespräche sind familiärer und die Waren übersichtlicher angeordnet“, schildert Claudia Mudrick ihre Eindrücke. Die Anreise aus dem benachbarten Gahlen (Stadt Vetschau) habe sich gelohnt. Ob sich der „verkaufsoffene Sonntag“ auch für die Trödelteilnehmer in der Calauer Gartenstraße gelohnt hat, werden interne Auswertungen ergeben.

„Für mich steht der Spaß im Vordergrund, nicht die Umsätze“, erklärt Heike Reischel. Die Hobby-Töpferin genießt die angenehmen Plaudereien mit Bekannten und Unbekannten – insbesondere wenn diese sich über ihre Töpferkunst-Arbeiten informieren. Mit ihren selbstgefertigten Unikaten ergänzt sie das Angebot, das die Interessengemeinschaft zuvor von „A, wie Autoreifen, bis Z, wie Zeitungsständer“ beworben hat. Beide sind am Stand von Annett Trappiel zu bekommen. „Wenn diese Artikel weg sind, finden wir andere, mit passenden Anfangsbuchstaben“, beteuert sie und bekommt von Thomas Erbe postwendend eine Alternative zugesteckt: „Zahnbürsten – wenn gewünscht auch gebrauchte“, so der Calauer aus der Stadt der Kalauer.

Aber wird es einen vierten Gartenstraßen-Trödel überhaupt geben? „Wir setzen uns alle zeitnah zusammen, werden Eindrücke und Erfahrungen der Teilnehmer sammeln und darüber entscheiden, ob wir die Sache fortführen“, blickt Annett Trappiel voraus. Vielleicht wird die Veranstaltung im Zwei-Jahres-Rhythmus fortgesetzt, vielleicht stoßen auch weitere Anwohner hinzu. Wie etwa Katleen Tursch, die am Sonntag erstmals mit von der Partie war. Dass sie ihre Auslage mit Baby- und Kleinkindergarderobe im schattigen Obstgarten präsentieren kann, verdankt sie einem zugänglichem Nachbarn. Der hat die Stellfläche unter Birnen-, Wallnuss- und Kirschbaum unkompliziert zur Verfügung gestellt und zugleich unter Beweis gestellt, dass es in der Calauer Gartenstraße mit dem nachbarschaftlichen Miteinander zu funktionieren scheint.