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| 02:32 Uhr

Calauer SPD holt sich DSU und Grüne

Das Calauer Rathaus ist 1880 im Renaissancestil gebaut worden. 1945 brannte es aus und wurde wieder aufgebaut – in schlichterer Form. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz sind jetzt auch das Sockelgeschoss und die Treppe saniert worden. Wie ein Foto aus dem Archiv von Horst Senftleben belegt, war die Treppe 1983 schon einmal erneuert worden. Foto: Bilderdienst-Lausitz/rhl1
Das Calauer Rathaus ist 1880 im Renaissancestil gebaut worden. 1945 brannte es aus und wurde wieder aufgebaut – in schlichterer Form. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz sind jetzt auch das Sockelgeschoss und die Treppe saniert worden. Wie ein Foto aus dem Archiv von Horst Senftleben belegt, war die Treppe 1983 schon einmal erneuert worden. Foto: Bilderdienst-Lausitz/rhl1
Calau. Überraschung in der Calauer Politik: Bernd Erlat, der für die DSU kandidiert, und Benjamin Suchner von den Grünen wollen die SPD unterstützen. Die Fraktion wird nun mit fünf Mitgliedern zweitstärkste Kraft. Im Kampf um den Parlamentsvorsitz zeichnet sich am morgigen Mittwoch eine Niederlage für Wahlgewinner Norwin Märkisch (CDU) ab. Jan Augustin

Möglicherweise wird Wahlgewinner Norwin Märkisch, der im Mai 1145 Stimmen holte, am morgigen Mittwoch seine erste Niederlage verkraften müssen. Bei der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung steht die Wahl des prestigeträchtigen Vorsteherpostens an. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass die Fraktion den Posten besetzt, die die meisten Stimmen sammeln konnte. In der abgelaufenen Periode waren das die Linken und Mario Karwath, der am 25. Mai nicht auf dem Wahlzettel stand. In diesem Jahr war das Norwin Märkisch. Der ehemalige Bürgermeister und Landrat des Altkreises Calau holte die meisten Stimmen. Und seine Partei, die CDU, ist mit sieben Sitzen stärkste Fraktion im Parlament.

Bei einer internen Sitzung habe man sich für die Wahl zum Stadtverordnetenvorsitzenden auf seine Person verständigt, erklärt Norwin Märkisch im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Für ihn sei das auch logisch. Er habe schließlich die meisten Stimmen geholt. "Man weiß, dass ich gute Arbeit mache", sagt er selbstbewusst.

Doch zeichnet sich im Parlament eine Gegenkandidatur mit Michael Petras (Linke) ab. Das bestätigen die Vorsitzenden von SPD, Linke und Ländlicher Wählergemeinschaft. Gemeinsam würden diese Fraktionen auf elf von insgesamt 18 Stimmen im Parlament kommen. Eine Stimme hat der Bürgermeister.

Für Märkisch wäre ein solcher Pakt gegen ihn "Machtspielerei". Man solle dann nicht mehr von Basisdemokratie sprechen. "Hier geht es nicht mehr um Bürgerwillen." Im Falle einer Niederlage wolle er den Vorsitz des Bau- und Finanzausschusses übernehmen.

"Die Mehrheitsverhältnisse laufen darauf hinaus, dass Michael Petras neuer Vorsteher wird", sagt der Calauer SPD-Fraktionsvorsitzende André Bareinz. Unabhängig von dieser Wahl hat die SPD derzeit Grund zur Freude. Der Werchower Bernd Erlat, der für die DSU kandidierte, und Benjamin Suchner von den Grünen haben Bareinz Unterstützung in der Fraktion angeboten. "Ich bin froh darüber", sagt Bareinz. Mit fünf statt drei Sitzen wird die SPD damit zweitstärkste Kraft im Parlament. "Die SPD hat gute Ideen", begründet Erlat. Als Einzelner hätte er sonst wenig Einflussmöglichkeiten gehabt.

Weniger Einfluss als in der vergangenen Legislaturperiode wird die Linke haben. Sie verlor zwei Sitze und muss künftig mit vier auskommen. Der Kreisvorsitzende Mario Dannenberg, der jüngst auch zum Fraktionsvorsitzenden der Kreistags-Linken gewählt wurde, führt den Wahlerfolg der Christdemokraten auf die Person Norwin Märkisch zurück. "Das war ein warmer Regen für die CDU." Dannenberg vergleicht die Situation mit der Kommunalwahl 2008, als Mario Karwath für die Linken die meisten Stimmen holte. Märkisch als neuen Stadtverordnetenvorsteher könne er sich nur schwer vorstellen. "Können der Ex-Bürgermeister und der Bürgermeister eine Einheit bilden?", fragt er.

Auch Peter Schollbach würde diese Frage wohl eher mit einem "Nein" beantworten. Der Vorsitzende der Ländlichen Wähler will zwar nicht verraten, wem er am Mittwoch seine Stimme bei der geheimen Wahl gibt. Dass er allerdings dafür sei, einen Gegenkandidaten aufzustellen, sagt einiges aus. "Wir wollen Sacharbeit", sagt er. Ob Schollbach den Posten des Hauptausschuss-Vorsitzenden behält, ist unklar. Eine Entscheidung dazu wird es erst im September geben.

Zum Thema:
Bei der Sitzung am morgigen Mittwoch (18.30Uhr) im Feuerwehrdepot werden auch die Fachausschüsse gebildet und festgelegt. Anders als bisher wird es voraussichtlich je acht statt sieben Mitglieder in den Gremien geben. Den Vorsitz des Ausschusses für Soziales, Bildung, Jugend und Sport würde gern die Linke übernehmen, die SPD den Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Tourismus und die CDU den Bau- und Finanzausschuss.