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| 17:09 Uhr

Geschichte in Geschichten
Bestseller mit Ansage

Die Calauer Zwillingshochzeit ist nach 74 Jahren noch einmal in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Zu verdanken ist das dem Calauer Windmühlenbesitzer Wilfried Schneider (r.) der sich erstmals als Autor im Heimatkalender betätigte und dem dafür durch den Vereinsvorsitzenden Hans-Jürgen Hanisch (l.) gedankt wurde.
Die Calauer Zwillingshochzeit ist nach 74 Jahren noch einmal in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Zu verdanken ist das dem Calauer Windmühlenbesitzer Wilfried Schneider (r.) der sich erstmals als Autor im Heimatkalender betätigte und dem dafür durch den Vereinsvorsitzenden Hans-Jürgen Hanisch (l.) gedankt wurde. FOTO: Uwe Hegewald
Calau. Calauer Heimatverein bringt Heimatkalender für das Jahr 2019 auf den Markt. Von Uwe Hegewald

Bestseller werden Publikationen genannt, die ein überdurchschnittlich hohes Absatzvolumen erreichen. Der Heimatverein Calau ist auf dem besten Weg, sich zumindest in dieser Kalenderwoche an die lokale Spitze verkaufter Neuerscheinungen zu setzen. Gelingen wird ihm das durch die Veröffentlichung des „Heimatkalenders 2019“ der am Dienstagabend einem breiten Publikum vorgestellt wurde. „Inzwischen ist es der 16. Jahrgang. Seit 2008 werden die einzelnen Ausgaben in einem feierlichen Rahmen vorgestellt und jedem einzelnen mitwirkenden Autor gedankt. Wenn wir diese nicht hätten, gäbe es keine Heimatkalender“, stellt Redakteur André Bareinz klar. 17 Autoren haben an dem neuen, 120 Seiten starken Werk mitgewirkt, darunter Urgesteine wie Hans Kober, Helmut Jentsch oder Reinhard Bareinz, die jedes Jahr einen Beitrag beisteuern, aber auch „Debütanten“ die erstmals schreibend in Erscheinung traten.

Peter Hanisch erinnert daran, wie die Altnauer Angelteiche entstanden, und Wilfried Schneider erzählt von seinen Eindrücken der wohl außergewöhnlichsten Hochzeit in der Calauer Geschichte. Es war nicht nur eine Doppelhochzeit, sondern der Tag, als die Zwillingstöchter Margarete und Elisabeth Gottlöber den Zwillingsbrüdern Rudolf und Max Aßelmeyer das Ja-Wort gaben. In beiden Fällen eineiige Zwillinge, die ein Auseinanderhalten erschwerten. „Ich konnte als Kind die Zwillingspaare an kleinen Merkmalen unterscheiden“, berichtet Wilfried Schneider. Seine Großmutter hatte den damals fast Fünfjährigen am 30. März 1940 zum Hochzeitspaare gucken mit in die Stadt genommen. „Zwillinge heiraten Zwillinge“ titelte seinerzeit die „Neue Junge Illustrierte“ (Berlin), von der Auszüge im aktuellen Heimatkalender zu finden sind.

Es sind die Rückblicke, Anekdoten oder Schicksale, die auch die 16. Ausgabe so lesenswert machen. So erinnert sich der in Calau geborene und heute in Thüringen lebende Siegfried Schütt an seine Kinderuniform (1943/44), für die er Anerkennung aber auch Neid erntete, nach Kriegsende pure Ablehnung. Spannend verpackt hat Hans Kober seine Schilderungen zum „unvergesslichen Jahreswechsel 1978/79“, als in der Silvesternacht plötzlich das Licht ausging. Grund war ein Temperatursturz von 15 Grad Celsius, am 31. Dezember auf minus 21 Grad am Neujahrsmorgen. „Katastrophenalarm. Die total auf die Braunkohle ausgerichtete Energiewirtschaft der DDR stand am Rande des totalen Zusammenbruchs“, so Kober.

Hans Jürgen Hanisch, Vorsitzender des Calauer Heimatvereins, dankte allen Autoren wie auch dem Moderatorenpaar Steffi Clemens und Michael Petras, das zum wiederholten Mal souverän durch die musikalisch umrahmte Veranstaltung führte. Eine gut gefüllte Landkirche gaben der Ausführung von Bürgermeister Werner Suchner (parteilos) Nahrung, wonach der Heimatkalender auf „ungebrochenes Interesse stößt“.

Traditionell wird dem Stadtoberhaupt das erste Exemplar überreicht. Das allererste erhält aber der „Calauer Schusterjung a. D.“, Stephan Uhlig. „Wir haben ihm kürzlich zu seinem Geburtstag besucht, Glück- und Genesungswünsche ausgesprochen und uns für seine Mitarbeit bedankt“, informierte Hans-Jürgen Hanisch. Gemeinsam mit dem ehemaligen Hauptamtsleiter Frank Böttner setzte sich das Schusterjungen-Original mit dem Stundenschwimmen auseinander. Wer wissen möchte, wie sich die einst kühne Idee zur größten Schwimm-Breitensportveranstaltung in Südbrandenburg entwickelt hat, kann das im aktuellen Heimatkalender nachlesen. Zu haben ist dieser auch beim Stadtfest, an diesem Wochenende, am Stand des Heimatvereins Calau, in der Cottbuser Straße.