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Flotte Bienen
Calauer Bienen auch im Winter fleißig

Es herrscht ein tüchtiges Summen im Inneren der Beute. In der Mitte der Wintertraube befindet sich die Königin und wird gewärmt.
Es herrscht ein tüchtiges Summen im Inneren der Beute. In der Mitte der Wintertraube befindet sich die Königin und wird gewärmt. FOTO: JennyTheiler / LR
Calau. Brandenburgs Bienen haben in den kalten Monaten viel zu tun. Neben den Frühlingsvorbereitungen besteht ihre Hauptaufgabe darin zu überleben.

Von Jenny Theiler

Ist denn Niemand zu Hause? Dieser Eindruck entsteht beim Anblick der Bienenbeuten, die im Calauer Schulbienengarten in der eisigen Januarkälte stehen. Die fünf grünen Kästen, die von jeweils einem Bienenvolk bewohnt werden wirken unbelebt, denn die Honigbringer werden erst wieder im Sommer ausschwirren.

Der Irrglaube, dass Bienen Winterschlaf halten würden, hält sich noch immer hartnäckig in der Bevölkerung. Anders als die wilde Solitärbiene, die allein überwintert, kann die Honigbiene wirklich nur mit menschlicher Hilfe den Winter überstehen, wie auch Mario Dannenberg vom Calauer Imkerverein einräumt. „Honigbienen überwintern immer als Staat, der auch Bien genannt wird“, erklärt der Vorsitzende des Imkervereins. Hierbei muss auch der Imker die optimalen Vorraussetzungen dafür schaffen.

Einen Großteil der Vorräte lagert die Honigbiene in den Futterwaben selbst ein. Die letzte Fütterung erfolgt im Spätsommer durch den Imker. Das Verantwortungsbewusstsein des Imkers würde, laut Mario Dannenberg darüber entscheiden, ob das Bienenvolk den Winter überlebe oder nicht. “Der Imker wird erfolgreich sein, wenn er bereit ist sich stetig weiter zu entwickeln“, meint Mario Dannenberg. So gehört es auch zur Winteraufgabe des Imkers neue Rähmchen vorzubereiten. Auf diesen Holzrahmen ist bereits ein Wabenwerk vorgegeben, das dann vom Bienenvolk weiter ausgebaut wird.  

Das Bienensterben ist ein brisantes Thema und wird oft mit den Folgen des Klimawandels in Verbindung gebracht. Das sei allerdings nur die eine Seite der Medaille, meint Mario Dannenberg. „Die Bienen sterben nicht, nur weil es draußen kalt ist“, erklärt der Imker. Die weitaus größere Bedrohung sei die Varroamilbe, die sich als Parasit im Bienenvolk ausbreite. Um das Sterben des Bienenvolkes durch die so genannte Varroose zu verhindern müsse der Imker eine Träufelbehandlung mit Oxalsäure durchführen. Mario Danneberg hat die Bienenvölker im Schulbienengarten erst Ende Dezember beträufelt. „Wenn das Volk im Winter in der Beute ist, verteilen die beträufelten Bienen die Säure untereinander, so dass alle geschützt sind“, erklärt der Vorsitzende des Imkerverbandes.

Schutz vor der Kälte ist die höchste Motivation des Bienenvolkes im Winter und setzt schwere körperliche Arbeit voraus. Ein Blick in die Bienenbeute zeigt, trotz Kälte, ein durchaus lebhaftes Treiben. Dicht aneinander gedrängten bilden die circa 15 000 Fluginsekten eine so genannte Wintertraube. Durch kontinuierliches Muskelzittern wird Wärme erzeugt, die sich auf bis zu 25 Grad in der Mitte der Traube steigern kann. Diese Anstrengung nehmen die loyalsten aller Insekten auf sich, nur um ihre Königin zu schützen, die sich in der Mitte des summenden Bienenballs, befindet. Sie muss unbedingt gewärmt werden, da ihr Überleben für das gesamte Volk absolut notwendig ist. „Wenn die Königin stirbt, hat auch das Bienenvolk keine Chance zu überleben“, erklärt Mario Danneberg. Die Königin ist nicht nur für das Eierlegen zuständig, sondern versprüht auch Pheromone, die dem Volk ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Ohne diese Pheromone, werden die Bienen unruhig. Das Volk stirbt langsam aus, wenn nur noch unbefruchtete Eier gelegt werden. Unabhängig davon fordert der Winter seine Opfer, denn zwischen 6 000 bis 8 000 Honigbienen sterben in jeder Wintersaison innerhalb der Beute.

Die Bienen lösen sich aus der Wintertraube sobald die Außentemperaturen steigen. Ab ungefähr Zehn Grad fliegen die Bienen stückweise aus, um sich zu entleeren und um Wasser und die ersten Pollen zu holen. Das Land Brandenburg biete mit seiner ausgedehnten Natur und wenig Monokulturen für die Honigbiene hervorragende Lebensbedingungen, meint Mario Dannenberg.

„Die Biene ist ein Wildtier, dessen Verhaltensweisen sich der Mensch zu Nutze gemacht hat“, erklärt der Imker. Unter diesen Vorzeichen betreut der Vorsitzende des Imkerverbandes eine Bienen-AG an der Grund- und Oberschule Calau, in der interessierte Schüler nicht nur über, sondern auch von den Bienen lernen können.

(the)