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Calauer bewerben sich mit ihrem Herzstück

Die Einbindung von touristischen Projekten in der Cottbuser Straße wie der Witzerundweg soll die Calauer Innenstadt beleben. Vor einem Jahr wurde das Angebot um neue Schautafeln und Schusterjungenfiguren erweitert und feierlich eingeweiht.
Die Einbindung von touristischen Projekten in der Cottbuser Straße wie der Witzerundweg soll die Calauer Innenstadt beleben. Vor einem Jahr wurde das Angebot um neue Schautafeln und Schusterjungenfiguren erweitert und feierlich eingeweiht. FOTO: Jan Augustin
Calau. Mit seinem Herzstück, der Cottbuser Straße, hat sich Calau um den diesjährigen Preis der Stiftung Lebendige Stadt beworben. Europaweit wird das vorbildlichste öffentliche Bauprojekt gesucht. Jan Augustin

Auch wenn der Zorn einiger Kritiker gegen zu schnell fahrende Autos oder wegen vermeintlich fehlender Regeln immer mal wieder hochkommt, erweist sich die Cottbuser Straße zweieinhalb Jahre nach der umfangreichen Sanierung und Umgestaltung als das Herzstück der Stadt Calau. Der Meinung ist auch die Calauer Stadtverwaltung. Sie bewarb sich jetzt bei der Stiftung Lebendige Stadt um den Stiftungspreis 2015. Dort wird das vorbildlichste öffentliche Bauprojekt gesucht, europaweit. Es soll bedarfsgerecht, gut geplant und transparent sein, wie aus den Bewerbungsunterlagen hervorgeht. Es soll in besonderer Weise "Best-practice-Charakter” haben und sich somit andernorts zur Nachahmung empfehlen.

Als das "Herzstück der Innenstadt" und als "die Einkaufsmeile" bezeichnen auch die drei Bauamts-Mitarbeiterinnen Margitta Görs, Helga Jochintke und Birgit Schenker die Cottbuser Straße. In der von ihnen verfassten Bewerbung begründen sie die Teilnahme an dem mit 15 000 Euro dotierten Wettbewerb. "Die nunmehr ausgebaute Straße erfüllt eine wichtige Verkehrssituation. Zugleich lädt sie ein zum Bummeln und Verweilen", heißt es. Die Nutzungsmöglichkeiten seien durch die zurückhaltende Gestaltung vielfältiger, Außenbewirtschaftungen und temporäre Attraktionen fester Bestandteil geworden. "Damit verbunden wird die Innenstadt bevölkert." Belebt werde die Meile zudem durch die Einbindung touristischer Attraktionen wie den Witzerundweg, den Sagentouren oder dem Info-Punkt. Kinder spielen am neuen Mädchenbrunnen. "Und das alles, obwohl auch Autos die Straße nutzen."

Auch für die von der Stiftung geforderte Bürgerbeteiligung haben die Bauamts-Mitarbeiterinnen viele Argumente. Neben den üblichen Fachgremien und Expertengesprächen wurden mehrere Bürgerforen durchgeführt und die Gewerbetreibenden mit einbezogen. Bei einer Fragebogenaktion zu den Vorstellungen von Anwohnern und Nutzern sei ein Rücklauf von 90 Prozent erreicht worden. Eine ähnlich gute Resonanz habe die Meinungsumfrage zur Wahl der künftigen Straßenbeleuchtung gebracht. Das monatliche Baustellen-Shopping, Glücksradaktionen, die Einführung von Einkaufsgutscheinen und Baustellenbesichtigungen hätten aus der Bauzeit ein "Spektakel" für alle gemacht.

Vor dem knapp zwei Millionen Euro teuren Umbau war die Cottbuser Straße nur stadteinwärts befahrbar. Fußgänger wurden durch großflächige Blumenhochbeete, Straßenborde und Treppenanlagen vor den Geschäften behindertet. Heute dehnt sich die barrierefreie Straße großzügig auf eine Länge von 170 Metern und einer Breite zwischen 20 und 25 Metern aus. Ob diese stolzen Ausmaße für den Stiftungspreis genügen, entscheidet sich bei der Verleihung am 16. September in Berlin.

Die ganze Stadt wählte vor vier Jahren aus den extra aufgestellten Musterleuchten aus. Das Ergebnis war eindeutig: Die Wahl fiel auf die Kandelaber-Form (l.), ausgestattet mit LED-Lampen.
Die ganze Stadt wählte vor vier Jahren aus den extra aufgestellten Musterleuchten aus. Das Ergebnis war eindeutig: Die Wahl fiel auf die Kandelaber-Form (l.), ausgestattet mit LED-Lampen. FOTO: Ingrid Hoberg