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| 18:56 Uhr

Kommunalpolitik
Calau streitet über Innenstadtverkehr

Die Cottbuser Straße – als ausgewiesene Spielstraße laut Straßenverkehrsordnung untergeordnet – in der Calauer Innenstadt mit Blick vom Markt. Wildes Parken und Raserei von Besuchern, unterschiedliche Kennzeichnung des Pflasters und unklare Vorfahrtsregeln erhitzen die Gemüter der Stadtvertreter.
Die Cottbuser Straße – als ausgewiesene Spielstraße laut Straßenverkehrsordnung untergeordnet – in der Calauer Innenstadt mit Blick vom Markt. Wildes Parken und Raserei von Besuchern, unterschiedliche Kennzeichnung des Pflasters und unklare Vorfahrtsregeln erhitzen die Gemüter der Stadtvertreter. FOTO: Rüdiger Hofmann
Calau. Cottbuser Straße am Markt wird im Wirtschaftsausschuss zur heiß diskutierten Angelegenheit. Von Rüdiger Hofmann

Sie ist eine wichtige Verkehrsader im Herzen der Calauer Innenstadt: die Cottbuser Straße. Als ausgewiesene Spielstraße verbindet sie Marktplatz und Kreisverwaltung des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Zahlreiche Einzelhändler haben sich niedergelassen. Einheimische und Besucher von Calau nutzen die Straße gern zum Shoppen, Schlendern, Verweilen. Im jüngsten Wirtschaftsausschuss wurde sie nun zum Zankapfel unter den Abgeordneten.

In der Spielstraße können sich sowohl Fußgänger als auch Radfahrer, aber eben auch Autofahrer frei bewegen. Diese würden oftmals – so der Hauptkritikpunkt der Verwaltung – nicht nur mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straße donnern, sondern auch falsch parken. Hinzu kommt eine undurchsichtige Vorfahrtsregelung, auch durch unterschiedliche Bodenmarkierungen wie Großsteingranit und kleingliedriges Kopfsteinpflaster. Gilt nun abgesenkter Bordstein? Vorfahrt rechts vor links? Darf man 30 fahren? Wo darf man parken?

„Wir haben hier eine verkehrsberuhigte Zone in einem multifunktional genutzten Verkehrsraum, wo es auf die Rücksichtnahme aller ankommt“, sagt Thoralf Krengel vom Ordnungsamt Calau. „Die Ausschilderung besagt, Schrittgeschwindigkeit darf gefahren werden“, so Krengel. Radfahrer und Fußgänger dürfen nicht behindert werden. „In der Theorie ist hier sogar das Spielen von Kindern erlaubt“, sagt Krengel. Gelächter unter den Fraktionen. „Das ist viel zu riskant, hier meine Enkel spielen zu lassen“, sagt Norwin Märkisch (CDU). Sitzt man beim Bäcker draußen an den Tischen, muss man Angst haben, dass ein zu schneller und unaufmerksamer Autofahrer in den Tisch fährt, so Märkisch.

Ein Parkflächenversatz soll für beruhigte Bereiche sorgen, erläutert Krengel. Dennoch würde oftmals quer nach Lust und Laune geparkt. „Wir haben vom Ordnungsamt bisher davon abgesehen, Falschparker zu ahnden, denn diese bremsen auch den Fließverkehr“, sagt Krengel. Sicherheit wäre hier wichtiger als das Ordnungsprinzip.

Apropos Sicherheit: Ist die Straße denn ein Unfallschwerpunkt? „Nein“, sagt Olaf Schulze von der Revierpolizei. „Seit Ende 2012 gab es 37 Verkehrsunfälle in diesem Bereich“, so Schulze. Überwiegend kleinere Blechschäden und vier leichtverletzte Personen. „Für den langen Zeitraum ist das überschaubar.“ Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren führten dabei am häufigsten zu Unfällen, oder die Vorfahrt wurde nicht beachtet, oder es wurde zu schnell gefahren. „Geschwindigkeitsmessungen sind auf der Cottbuser Straße nicht möglich, da wir für die Lasergeräte gerade Bereiche benötigen“, sagt Schulze.

Unter den Abgeordneten wurde heiß diskutiert. „Tempoüberschreitungen, das Recht des Stärkeren, das Zuparken, aber auch die Faulheit einzelner Bürger sind meist selbstverschuldet“, sagt Hans-Jürgen Hanisch (Die Linke). Der Marktplatz bliebe oft leer, weil die Bürger so nah wie möglich an die Läden in der Cottbuser Straße heranfahren würden. „Hier muss Ordnung rein. Wir sollten keinen Kniefall vor den Händlern machen“, so Hanisch. Auch für Norwin Märkisch hat der Wildwuchs beim Parken zugenommen. „Wir unterstützen hier die Faulheit der Bürger, dass diese nicht mal zehn Schritte machen wollen, um zum Händler zu gelangen. Das geht doch nicht.“

André Bareinz (SPD) sieht das nicht so dramatisch. „Wir sollten froh sein, dass wir überhaupt so eine lebendige Innenstadt haben.“ Da müsse man auch mal mit ein paar Einschnitten leben. Kathrin Dannenberg (Die Linke) pflichtet ihm bei: „Die Straße ist ein Zugewinn für uns. Wir sollten das Positive sehen und verantwortungsvoll mit diesem Ort der Kommunikation umgehen.“

„Wir könnten Parkflächen mit Farbe deutlicher kennzeichnen“, sagt Ausschussvorsitzender Matthias Kurth (CDU). Unentschlossene Reaktionen. „Alle Fraktionen machen sich nun bitte Gedanken darüber, wie wir mit der Straße künftig verfahren wollen. Vor allem, was Kosten und Kennzeichnung der Flächen anbelangt“, so sein Fazit.