Von Uwe Hegewald

Alle Hüte der Stadt Calau würden nicht genügen, um diese vor Mitgliedern der ehemaligen AG Radtouristik zu ziehen. Bei einem Ehemaligentreffen am Freitagabend im Altnauer Gasthaus During ist noch einmal auf Höhepunkte der Arbeitsgemeinschaft zurückgeblickt worden. Noch einmal hat Bodo Rehfeldt seine Zöglinge zusammengerufen und 18 inzwischen erwachsene Frauen und Männer sind der Einladung des Initiators gefolgt.

Unter dem Motto „Auch in den Ferien klüger werden“ begab sich eine Schülergruppe der damaligen Otto-Grotewohl-Schule 1980 erstmals auf eine Radreise. „Bescheidene 176 Kilometer legten wir damals zurück und fassten den Entschluss, den Ausflug im Folgejahr zu wiederholen“, so der ehemalige Lehrer. 1981 betrug die Strecke bereits 470 km, 1982 ging es per Bahn in den südlichen Zipfel der damaligen DDR, nach Bad Brambach und dann per Drahtesel bis an den nördlichen Punkt Dranske auf Rügen. In mehreren Etappen wurden stattliche 865 km zurückgelegt und die Teilnehmer der Pionierexpedition spätestens dann zu „Helden auf Fahrrädern“ erklärt. „Die Teilnehmerzahl betrug im Schnitt bis zu 25 Mädchen und Jungen sowie drei bis vier begleitende Betreuer“, rief Bodo Rehfeldt in Erinnerung.

Mit kleineren, regionalen Ausflügen hatten sich die Expeditionsteilnehmer in Form gebracht – und das war auch zwingend notwendig. Alles, was für die bis zu drei Wochen währenden Ausflüge benötigt wurde, musste auf den Drahteseln mitgeschleppt werden. „Wechselwäsche, Regenkleidung, Hygieneartikel, aber auch Reparatursets, Proviant, Feldküche inklusive Kochgeschirr und 5-kg-Gasflasche sowie Luftmatratzen, Schlafsäcke und Zelte. „Pro Kind kamen mal locker 50 Kilogramm Gepäck zusammen“, berichtete ein Fernsehteam der Defa, die die Tour 1989 begleitete. Sie bildete den finalen Höhepunkt von insgesamt zwölf Ferienausflügen, die nach der politischen Wende ein schnelles Ende fanden.

Hans-Jürgen Hanisch, bei den letzten Touren für die Verpflegung zuständig, nennt einige der der Gründe: „versicherungsrelevante Anforderungen, zunehmender Straßenverkehr, ausbleibendes Sponsoring, verändertes Ferien- und Freizeitverhalten“. Pro Kind und Reisetag wurden seinerzeit acht Mark veranschlagt. Dazu Bodo Rehfeldt: „Werden Teilnehmerzahl und Reisedauer zusammengeführt, sind Expeditionskosten von mehreren Tausend Mark schnell zu erklären.“

Auch wenn es an vielen Orten Unterstützung aus der Bevölkerung gab, wie nach einer Panne, als ein komplett neues Hinterrad benötigt wurde. Für ein Interview eines begleitenden Radiosenders stand der unbekannte Helfer nicht zur Verfügung. „Ich muss zurück, nach Hause. Wir feiern Silberhochzeit, und ich habe die Bude voller Leute“, begründete er. Dass die Calauer AG Radtouristik in Bad Frankenhausen sogar mit Wimpelkette und Musik empfangen wurde, machten die Ausflügler an ihrem zunehmenden Bekanntheitsgrad fest. „Presse, Funk und Fernsehen haben uns oft begleitet. Über unsere Arbeitsgemeinschaft und unsere Exkursionen ist in 15 verschiedenen Zeitungen berichtet worden. 187 Beiträge sind allein in der Lausitzer Rundschau erschienen“, fasst Bodo Rehfeldt zusammen.

Andreas Lauterbach, Teilnehmer der Touren in den Jahren 1980 bis 1984, war sich nicht bewusst, „dass die Calauer Exkursionen eine so starke und breite Außenwirkung auslösen. Wir haben doch nur ein paar längere Fahrradreisen unternommen“, befand er.

Drei Filme und das von Autor Bodo Rehfeldt herausgegebene Buch zur AG Radtouristik, die am Freitagabend alte Erinnerungen weckten, relativieren die Aussage. „Was diese Kinder vollbracht haben, ist enorm“, betonte Initiator Rehfeldt mit Tränen in den Augen. Wie der gesundheitlich angeschlagene Senior informierte, war es das letzte Ehemaligentreffen der AG Radtouristik Calau, von der einst in allen einschlägigen DDR-Medien zu hören, zu sehen und zu lesen war.