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| 12:55 Uhr

Brandenburgs beste Lehrerinnen und Lehrer
Endlich Anerkennung

 Ausgezeichnet: Birgit Holzendorf, Lehrerin an der Carl Anwandter Grundschule Calau , mit ihrer Klasse. Die Lehrerin wurde mit dem Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreis geehrt.
Ausgezeichnet: Birgit Holzendorf, Lehrerin an der Carl Anwandter Grundschule Calau , mit ihrer Klasse. Die Lehrerin wurde mit dem Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreis geehrt. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Calau. Grundschullehrerin Birgit Holzendorf wurde als eine der besten Lehrerinnen Brandenburgs ausgezeichnet. Was zeichnet sie aus? Von Liesa Hellmann

Fragt man die 27 Kinder der Klasse 4a der Calauer Carl Anwandter Grundschule, was sie an ihrer Klassenlehrerin Birgit Holzendorf mögen, recken sich viele Hände in die Höhe. „Ich finde Frau Holzendorf lustig und sie macht viele Wanderungen und Projekte mit uns“, sagt Joline, 9, und beginnt aufzuzählen: Ein Ausflug in den Leipziger Zoo, eine Übernachtung in der Schule, Projekte zu den Themen Wasser, Feuer, Kürbisse, ein Ausflug ins Planetarium, eine Radtour.

Themenbezogenes Lernen mit Ausflügen in die Praxis und Natur, das verbinden viele Kinder mit ihrer Klassenlehrerin. Doch es ist nicht nur die Methodik, die die Schülerinnen und Schüler bei Birgit Holzendorf schätzen.

„Frau Holzendorf würde sich immer vor uns stellen“, sagt zum Beispiel die zehnjährige Jamila. Und der gleichaltrige Martin fügt an: „Frau Holzendorf erklärt uns Aufgaben auch dreimal, wenn sie jemand nicht verstanden hat, denn sie möchte, dass aus uns etwas wird.“ Tim, ebenfalls zehn Jahre alt, sagt: „Wenn wir persönliche Probleme haben, können wir immer zu ihr gehen und sie hilft uns dann.“ Dass ihre Klassenlehrerin als eine von 18 Lehrkräften in Brandenburg mit dem „Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreis“ ausgezeichnet wurde, finden alle Kinder gerechtfertigt.

Birgit Holzendorf selbst ist die Auszeichnung als solche gar nicht so wichtig. „Was mich wirklich glücklich macht ist, dass die Eltern meine Arbeit so schätzen“, sagt sie. Für den Preis beim Brandenburger Bildungsministerium vorgeschlagen haben sie die Elternsprecher der Klasse. „Wenn man als Mutter mitbekommt, wie Frau Holzendorf sich um so eine große Klasse kümmert und dabei trotzdem den Kindern mit Förderbedarf gerecht wird, wird es Zeit, dass man das würdigt“, sagt Stefanie Wunderlich, die die Idee zu dem Vorschlag hatte.

Wunderlichs Tochter hat eine Rechenschwäche und benötigt deshalb im Fach Mathematik eine besondere Förderung. Die bekomme sie durch Birgit Holzendorf, die spezielle Aufgaben für ihre Tochter in ihrer Freizeit ausarbeite, so Wunderlich. „Frau Holzendorf zeigt sehr viel Eigeninitiative und ist für uns Eltern immer zu erreichen“, sagt sie.

Für die Lehrerin selbst ist die Förderung aller Kinder eine Selbstverständlichkeit. „In der Grundschule lernen die Kinder die Voraussetzungen für das weitere Leben. Ohne lesen, schreiben, rechnen kann aus ihnen nichts werden“, sagt Holzendorf. Deshalb, das betont sie, hätten den Preis alle Grundschullehrerinnen und -lehrer verdient. Grundschullehrkräfte würden oft nicht ernst genommen, sagt sie, „denn wir verbinden Lernen mit dem Spiel. Dabei haben wir in der Grundschule das breite Spektrum an Kindern, vom Förderschüler bis zur Hochbegabten.“

Mehr Anerkennung für Grundschullehrkräfte – das ist Birgit Holzendorf ein wichtiges Anliegen. Die Auszeichnung als beste Lehrerin Brandenburgs im Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat für sie deshalb eine doppelte Bedeutung: Sie ist eine Anerkennung ihrer Arbeit, aber in erster Linie eine längst  überfällige Anerkennung ihres ganzen Berufsstandes.

Seit 35 Jahren arbeitet Holzendorf als Grundschullehrerin. Ursprünglich hatte die gebürtige Schlabendorferin allerdings einen anderen Berufsweg ins Auge gefasst: „Ich wollte die erste Sportreporterin der DDR werden.“

Über die Gründe, warum es damit nicht geklappt hat, will Holzendorf nicht weiter sprechen: „Wir sollten uns nicht zu viel aus der Vergangenheit machen, sondern immer nach vorne schauen“, sagt sie. „In einem zweiten Leben würde ich wieder Grundschullehrerin werden.“

Sport nimmt dennoch einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein. Birgit Holzendorf steht jeden morgen um 4.30 Uhr auf, um zehn Kilometer joggen zu gehen. „Das ist ein guter Start in den Tag, dann bin ich schon mal geschafft“, sagt sie lachend. Sport ist Holzendorfs Strategie, um abzuschalten, einen Freiraum für sie selbst zu finden.

Auch sie habe manchmal Zweifel an ihrem Beruf gehabt. Vor allem die organisatorischen Tätigkeiten, die mittlerweile einen großen Teil der Arbeit einer jeden Grundschullehrerin ausmachen, erforderten viel Zeit und Kraft. „Wir könnten viel mehr mit den Kindern arbeiten, wenn wir weniger organisieren müssten“, sagt sie.

Was Birgit Holzendorf trotzdem immer antreibt? „Meine Schüler.“ Das scheint auch die Klasse zu spüren. In den Worten des zehnjährigen Martins: „Wir sind für sie wie ihre eigenen Kinder.“

 Ausgezeichnet: Birgit Holzendorf, Lehrerin an der Carl Anwandter Grundschule Calau , mit ihrer Klasse. Die Lehrerin wurde mit dem Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreis geehrt.
Ausgezeichnet: Birgit Holzendorf, Lehrerin an der Carl Anwandter Grundschule Calau , mit ihrer Klasse. Die Lehrerin wurde mit dem Brandenburgischen Lehrerinnen- und Lehrerpreis geehrt. FOTO: LR / Liesa Hellmann