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| 01:53 Uhr

Burg: Experten aus Europa blicken in die Bronzezeit

Christine und Heinrich Michael Clausing Foto: Guckland
Christine und Heinrich Michael Clausing Foto: Guckland FOTO: Guckland
Burg. Zum vierten Mal lädt die Spreewälder Kulturstiftung am heutigen Mittwoch zu einem Fachtag ein. Die Stiftung will die Erforschung der Lausitzer Kultur zur Bronzezeit voranbringen. Dazu werden im Burger Hotel „Zur Bleiche“ europäische Wissenschaftler erwartet. Welche Schwerpunkte dabei gesetzt werden, erklären vorab die Gastgeber Heinrich Michael Clausing, Vorstandvorsitzender der Stiftung, und Christine Clausing, Kuratoriumsvorsitzende.

Die Burger Wägelchen sind wohl inzwischen vielen Lausitzern bekannt. Welche Bedeutung hat dieser archäologische Fund?

Heinrich Michael Clausing: Die Bronze- oder Deichselwägelchen aus Burg sind Zeugen für eine Hochkultur. Burg war in der Bronzezeit, die vor etwa 3500 Jahren begann, das Zentrum der Lausitzer Kultur.

Wir wissen bisher zu wenig über diese Hochkultur, die übrigens nichts mit Germanen oder Slawen zu tun hat.

Der Fachtag der Spreewälder Kulturstiftung findet zum vierten Mal statt. Was beabsichtigen Sie mit der Tagung?

H. M. Clausing: Wir wollen die Erforschung der Bronzezeit, insbesondere der Lausitzer Kultur, anstoßen. Wir wollen Wissenschaftler und Experten zusammenbringen, Brücken schlagen und die Wissenschaft unterstützen. Deswegen ist für uns die Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum so wichtig.

Wer wird an diesem Fachtag teilnehmen und worum geht es in diesem Jahr?

Christine Clausing: Im Mittelpunkt stehen die Themen Religion, Musik und Medizin. Wir haben als Referenten Doktoren aus Kiel, Halle und Münster eingeladen. Aber auch Professoren aus Polen und Dänemark werden uns an ihren Erkenntnissen teilhaben lassen. Bei den ersten Fachtagungen ging es darum, den Forschungsstand zu klären. Nun wollen wir zu einer Verdichtung von Aussagen kommen, um mit der inhaltlichen Aufbereitung der Bronzezeit hier in der Region zu beginnen.

Was will die von Ihnen gegründete Spreewälder Kulturstiftung damit erreichen?

Ch. Clausing: Zum einen soll damit die Zeitepoche überhaupt erst einmal erfasst werden. Es stehen noch immer viele Fragen im Raum. Wie haben die Menschen damals hier gelebt? Was waren ihre Lebensinhalte?

Wahrscheinlich wurde hier eine geplante Forstwirtschaft betrieben. Wir überblicken heute nicht, welchen Wissensstand die damaligen Bewohner hier überhaupt hatten. Wahrscheinlich ist der größer, als man immer angenommen hat, und das lange bevor die Griechen laufen gelernt haben.

Könnte dieses Wissen und Forschungsergebnisse auch für den Tourismus eine Rolle spielen?

Ch. Clausing: Sicherlich. Zur Fachtagung sind auch Tourismusexperten eingeladen. Wir schauen da auch ein bisschen nach Sachsen-Anhalt, wo inzwischen viele Besucher wegen eines bedeutsamen bronzezeitlichen Fundes, der Himmelsscheibe von Nebra, zu Gast sind. Hier ist die touristische Infrastruktur bereits vorhanden. Es wäre gut, wenn wir in Zukunft im Bereich Tourismus durch die Auseinandersetzung mit der kulturellen Vergangenheit und der attraktiven Aufbereitung der Inhalte noch einige Gäste mehr anlocken könnten.

Mit Heinrich M. und Christine Clausing sprach Anne Guckland.

Zum Thema:

Die Burger Bronzewägelchen gehören zu einer Gruppe von Kultwagen aus dem Oder-Spree-Raum. Der Arzt und Forscher Rudolf Virchow (1821-1902) aus Berlin kaufte die beiden Burger Wagen 1865 und 1880 von einem Apotheker und einem Schneider aus Burg ab. Die Bedeutung der beiden Wagen, einer mit zwei, der andere mit drei Rädern und je einer Deichsel ist nicht eindeutig geklärt. Die Spreewälder Fundstücke waren seit ihrer Entdeckung durch Virchow lange im Berliner Museum für Ur- und Frühgeschichte ausgestellt. Am Ende des zweiten Weltkriegeswurden sie von der Roten Armee beschlagnahmt. Die beiden Wagen befinden sich zurzeit im Moskauer Puschkin-Museum. Ein Abguss des dreirädrigen Wagens befindet sich im Berliner Museum für Ur- und Frühgeschichte, ein zweiter kann in der Archäologie-Ausstellung der Slawenburg Raddusch betrachtet werden. Quelle: Schriftenreihe der Spreewälder Kulturstiftung Burg-Müschen (2008)