Fotomodel, Filmlegende, Sexsymbol – wer kennt sie nicht, die attraktive US-amerikanische Legende, die bereits im Alter von 36 Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam? „Marilyn Monroes letztes Band“ nennt sich ein von Autor Bernd Steets im Jahr 2006 uraufgeführtes Stück, das bisher deutschlandweit in neun Theatern zu erleben war; ein unterhaltsames, aber ebenso ernsthaftes Theaterstück, das jetzt auch an der Bunten Bühne in Lübbenau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) zu sehen ist.
In Lübbenau hat Matthias Härtig die Regie übernommen – wohl wissend, dass Monolog-Aufführungen ihren Reiz haben, aber auch Herausforderungen. „Da können Schauspielerinnen oder Schauspieler mal beweisen, was sie drauf haben“, sagt der Regisseur.
Und Stefanie Masnik hat es drauf. Die gebürtige Cottbuserin wirft alles in die Waagschale, was die freischaffende Schauspielerin und Sopranistin in ihrer bisherigen Karriere erlangt hat. In der Rolle der Monroe zeigt sie den Zuschauern deren ganze Widersprüchlichkeit – zwischen dem Sein als begehrtester Frau der Welt und dem als depressiver Schauspielerin.

„Ich habe noch die Kontrolle über mein Leben“

Unter Monroes Zuversicht „Ich habe noch die Kontrolle über mein Leben“ mischen sich Selbstzweifel und das längst überfällige Aufarbeiten ihrer Kindheit und Jugend. Immer häufiger flüchtet die gebürtige Norma Jeane Baker zu den „Sanitätern in der Not“ – Drogen und Alkohol.
Für das Lübbenauer Publikum ist die 32-jährige Stefanie Masnik keine Unbekannte. So war sie in der Bunten Bühne zuletzt als Maria in „Linie 1“ zu erleben, als Marlen in „Pension Spreewald, Teil 6“ oder als Nadja beim Sommertheater „Drin und Draußen“.
Stefanie Masnik schlüpft in die Rolle der erfolgreichen, aber auch verletzlichen Ikone, die den Rummel um ihre Person nicht wirklich zu händeln versteht.
Stefanie Masnik schlüpft in die Rolle der erfolgreichen, aber auch verletzlichen Ikone, die den Rummel um ihre Person nicht wirklich zu händeln versteht.
© Foto: Uwe Hegewald

Mit zwölf bekannten und unbekannten Songs von Marilyn Monroe

Regisseur Matthias Härtig betont, dass es Stefanie Masnik selbst war, die das Solo-Stück für eine Schauspielerin mit zwölf bekannten und unbekannten Songs von Marilyn Monroe ins Spiel gebracht hat. „Nachdem wir ein ursprüngliches Stück aus personellen Gründen absagen mussten, waren wir froh über das Angebot aus dem erweiterten Kreis unseres Ensembles“, sagt er.
Mit den Verwertungsrechten habe es schnell und unkompliziert geklappt. Zudem habe Autor Bernd Steets nicht die Anreise aus Berlin gescheut, um einer Probe beizuwohnen. Seine entgegengebrachte Wertschätzung galt vor allem Stefanie Masnik. Sie dreht an den Knöpfen eines Spulentonbands und gleitet dabei zurück in Monroes Vergangenheit.
Immer häufiger flüchtet sie in Drogen und Alkohol und kommt im Alter von 36 Jahren auf mysteriöse Weise ums Leben.
Immer häufiger flüchtet sie in Drogen und Alkohol und kommt im Alter von 36 Jahren auf mysteriöse Weise ums Leben.
© Foto: Uwe Hegewald

Lieblose Kindheit zwischen Waisenhaus und Gastfamilien

Die ist geprägt von der lieblosen Kindheit zwischen Waisenhaus und elf verschiedenen Gastfamilien, von ihrer frühen Heirat mit 16, der Scheidung mit 20 und von ihrer Entdeckung als Model, Filmschauspielerin und Sex-Sternchen. In Erinnerung bleiben die legendären Nacktfotos auf rotem Samt, die sie wegen Schulden und Mietrückständen machte und die beinahe ihre beginnende Karriere ruiniert hätten.
Regelmäßig greift Stefanie Masnik zum Mikrofon, um dem Publikum die gesanglichen Qualitäten der Marilyn Monroe zu Füßen zu legen. Generell galt der Hollywoodstar auch als Kämpferin, die an ihrem Glück arbeitete und ihrer Karriere.

Die Geschichte gleicht der von Christa Päffgen alias Nico

Die Geschichte von Marilyn Monroe gleicht in vielen Phasen der Vita von Christa Päffgen alias Nico. Die deutsche Sängerin und Schauspielerin gehörte in den 1950er-Jahren als erste Deutsche zu den international erfolgreichsten Models der Modeszene. Sie pendelte zwischen New York, Paris und London, lernte verschiedene Künstler, Musiker und Produzenten wie Bob Dylan, Andy Warhol oder Leonard Cohen kennen und war zwischenzeitlich mit dem französischen Schauspieler Alain Delon liiert.
Ihre Kindheit verlebte Nico in Köln und Berlin. Als dort die alliierten Bombenangriffe zunahmen, zog die Familie nach Lübbenau (Güterbahnhofstraße 5), wo der Vater als Bahnhofsvorsteher arbeitete. Wie Monroe fühlte sich auch Nico später zu Drogen hingezogen. 1985 machte sie eine Methadon-Therapie und war die letzten drei Jahre ihres Lebens von Cannabiskonsum abgesehen clean. Am 18. Juli 1988 stürzte Nico bei einer Fahrradfahrt auf Ibiza und starb im Alter von 49 Jahren aufgrund einer nicht rechtzeitig erkannten Hirnblutung am selben Tag im Krankenhaus.

Weitere Aufführungen

Besucher des Stücks „Marilyn Monroes letztes Band“ dürfen sich auf 120 kurzweilige Minuten (inklusive Pause) freuen und auf großes schauspielerisches Können.
Weitere Aufführungen gibt es am Dienstag (22. November) und am Freitag (25. November) jeweils ab 19.30 Uhr. uhg