Am Montag, pünktlich um sieben Uhr, musste sich Horst Bernstein den Aufgabe stellen: „Übernehmen Sie bis 16 Uhr zehn verschiedene Jobs ihrer Gemeindemitglieder und vertreten Sie diese eine halbe Stunde an den Arbeitsplätzen!“ Kurze Routenabsprache mit dem stellvertretenden Bürgermeister, Karsten Slowik, und schon ging es zur ersten Station in die Grundschule.
Als Studienrat unterrichtete Horst Bernstein die sechste Klasse in Geschichte. Oberste Disziplin stand dabei im Vordergrund, sonst gab's mit dem Rohrstock. Als das Lied, „Der Kaiser ist ein guter Mann“ angestimmt wurde, hielt es den Rundfunkmoderator vor Freude nicht mehr auf seiner Bank. Zur Strafe musste er auf einen Schandbock. Auch sein flehendes Winseln: „Wenn ich nun mal Kaiser heiße“ , rechtfertigte seine Disziplinlosigkeit nicht. Wenige Augenblicke später moderierte Marcus Kaiser wieder souverän, so wie ihn die Hörer von 94.3 r.s.2 kennen. „Wir sind nur Ihr Schatten, verfolgen Sie und nehmen den Ton auf“ , sagte er, während der Bürgermeister das Altdöberner Berufsleben erkundete.
In der Bäckerei holte er die frischen Brote aus dem Ofen, eine Seniorengruppe führte er als Reiseleiter durch den Park. Wenig später unterhielt er als Kirchenmusiker die zu einem Internatstreffen angereisten Gäste. Später versuchte er sich als Tankwart, Lackierer und Fotograf. Rolf Wünsche, der sonst immer hinter der Kamera steht, nahm diesmal vor der Linse Platz. „So viele Leute haben mich noch nie fotografiert“ , schmunzelte der Fotograf, der in der vergangenen Woche sein 25-jähriges Geschäftsbestehen gefeiert hat.
Bevor Horst Bernstein als Landwirt mit der Motorsense die zehnte und letzte Station beendete, hatte er sich noch als Stahlbauschlosser und Friseur beweisen müssen. Überall wurden ihm die Türen geöffnet, nur in der Hebammenpraxis hieß es: „Tut uns Leid, Herr Bürgermeister, sie sind zu spät, die Entbindung war schon um 5.31 Uhr.“ Der kleine Luca ist das 15. Kind, das in diesem Jahr in Altdöbern geboren wurde und das 54. seit Jahresbeginn, das mit Unterstützung des Hebammenteams Bertram/Zobel/Gennermann das Licht der Welt erblickt hat.
Um 13.47 Uhr war die Mission erfüllt. Altdöbern kommt nun als 15. Ort in die Lostrommel, aus der am Ende des Wettbewerbes aus voraussichtlich 24 Bewerbern der Gewinner eines Open-Air-Konzerts ermittelt wird. Laith Al-Deen, Jimmy Somerville und No Mercy sind nur einige der Künstler, die am 16. Juli irgendwo in Brandenburg die Fans begeistern werden. „Mit der Auslosung ist frühestens am Montag, dem 27. Juni, zu rechnen“ , sagte Marcus Kaiser. Ein bisschen hatte sich der Rundfunkmoderator in die „Perle der Niederlausitz“ verliebt. „Bei euch gibt es gar keine Schmuddelecken und das Schloss mit seinem Park sind Zucker“ , lobte er.
Horst Bernstein war froh, dass alles so reibungslos gelaufen ist. „Ich weiß die Einsatzbereitschaft und das Entgegenkommen der Altdöberner Bürger, Handwerk- und Gewerbetreibenden zu schätzen. Die ziehen immer mit. Jetzt kann ich wieder etwas ruhiger schlafen“ , sagte der ehrenamtliche Bürgermeister. Für die Altdöberner heißt es nun zurücklehnen und warten. Dieses Gefühl kennen sie ja schon von der Laga-Bewerbung vor wenigen Monaten.